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Offener Brief und böse Erinnerung – was der Terror mit Kanada macht

Ist Kanada Terror-gefährdet? Unweigerlich geht dabei der Blick zurück auf 2006, als al-Qaida angeblich ein grosses Attentat plante.

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Trauer im Land: Premierminister Stephen Harprer und seine Frau Laureen besuchen das Grab des unbekannten Soldaten in Ottawa. (23. Oktober 2014)
Trauer im Land: Premierminister Stephen Harprer und seine Frau Laureen besuchen das Grab des unbekannten Soldaten in Ottawa. (23. Oktober 2014)
The Canadian Press, Adrian Wyld, Keystone
Polizisten beim Kriegsdenkmal, hier fielen die ersten Schüsse.
Polizisten beim Kriegsdenkmal, hier fielen die ersten Schüsse.
Keystone
Wir lassen uns nicht einschüchtern: Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper.
Wir lassen uns nicht einschüchtern: Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper.
Reuters
Passanten legen Blumen für den getöteten Soldaten nieder. (22. Oktober 2014)
Passanten legen Blumen für den getöteten Soldaten nieder. (22. Oktober 2014)
Keystone
Die kanadischen Parlamentarier werden aus dem Parlamentsgebäude von Ottawa gefahren. (22. Oktober 2014)
Die kanadischen Parlamentarier werden aus dem Parlamentsgebäude von Ottawa gefahren. (22. Oktober 2014)
Keystone
Forensiker untersuchen den Tatort vor dem Kriegsdenkmal. (22. Oktober 2014)
Forensiker untersuchen den Tatort vor dem Kriegsdenkmal. (22. Oktober 2014)
AFP
Die Innenstadt Ottawas ist abgeriegelt: Ein Polizist rennt über die Strasse. (22. Oktober 2014)
Die Innenstadt Ottawas ist abgeriegelt: Ein Polizist rennt über die Strasse. (22. Oktober 2014)
Sean Kilpatrick, Keystone
Geschäfte sind geschlossen, Bewohner verlassen ihre Häuser nicht mehr: Ein Polizist sperrt die Strasse ab. (22. Oktober 2014)
Geschäfte sind geschlossen, Bewohner verlassen ihre Häuser nicht mehr: Ein Polizist sperrt die Strasse ab. (22. Oktober 2014)
Blair Gable, Reuters
Chaos im Parlamentsgebäude: Das Sitzungszimmer der kanadischen Konservativen nach der Schiesserei. (22. Oktober 2014)
Chaos im Parlamentsgebäude: Das Sitzungszimmer der kanadischen Konservativen nach der Schiesserei. (22. Oktober 2014)
Reuters
Beraten das weitere Vorgehen: Der kanadische Premierminister Stephen Harper (links) und der Polizeichef Bob Paulson. (22. Oktober 2014)
Beraten das weitere Vorgehen: Der kanadische Premierminister Stephen Harper (links) und der Polizeichef Bob Paulson. (22. Oktober 2014)
Reuters
Hier fand der zweite Anschlag statt: Das National War Memorial ist grossräumig abgesperrt. (22. Oktober 2014)
Hier fand der zweite Anschlag statt: Das National War Memorial ist grossräumig abgesperrt. (22. Oktober 2014)
AFP
Wurde nach den Schiessereien geschlossen: Die kanadische Botschaft in Washington D.C. (22. Oktober 2014)
Wurde nach den Schiessereien geschlossen: Die kanadische Botschaft in Washington D.C. (22. Oktober 2014)
AFP
Grossaufgebot: Die kanadische Polizei im Parlamentsviertel von Ottawa. (22. Oktober 2012)
Grossaufgebot: Die kanadische Polizei im Parlamentsviertel von Ottawa. (22. Oktober 2012)
Chris Wattie, Reuters
Die Polizei lieferte sich einen Schusswechsel mit den Angreifern: Sicherheitskräfte vor dem Parlamentsgebäude. (22. Oktober 2014)
Die Polizei lieferte sich einen Schusswechsel mit den Angreifern: Sicherheitskräfte vor dem Parlamentsgebäude. (22. Oktober 2014)
Chris Wattie, Reuters
Das Parlamentsgebäude wurde abgeriegelt, der Premierminister in Sicherheit gebracht: Polizisten im Einsatz. (22. Oktober 2014)
Das Parlamentsgebäude wurde abgeriegelt, der Premierminister in Sicherheit gebracht: Polizisten im Einsatz. (22. Oktober 2014)
Chris Wattie, Reuters
Reaktion auf die Schüsse: Mitglieder des Spezialkommandos der kanadischen Polizei vor dem Parlamentsgebäude. (22. Oktober 2014)
Reaktion auf die Schüsse: Mitglieder des Spezialkommandos der kanadischen Polizei vor dem Parlamentsgebäude. (22. Oktober 2014)
The Canadian Press / Adrian Wyld, Keystone
Die Umgebung wird abgeriegelt: Einsatzfahrzeuge vor dem Parlament. (22. Oktober 2014)
Die Umgebung wird abgeriegelt: Einsatzfahrzeuge vor dem Parlament. (22. Oktober 2014)
The Canadian Press, Adrian Wyld, Keystone
Erste Hilfe: Polizisten kümmern sich um das Opfer vor dem nationalen Kriegsmonument in Ottawa, Kanada. (22. Oktober 2014)
Erste Hilfe: Polizisten kümmern sich um das Opfer vor dem nationalen Kriegsmonument in Ottawa, Kanada. (22. Oktober 2014)
Michel Comte, AFP
Der verstorbene Soldat stand Wache vor dem Kriegsdenkmal: Rettungssanitäter leisten Erste Hilfe...
Der verstorbene Soldat stand Wache vor dem Kriegsdenkmal: Rettungssanitäter leisten Erste Hilfe...
Adrian Wyld, Keystone
...und bringen den Verwundeten mit einem Krankenwagen weg. (22. Oktober 2014)
...und bringen den Verwundeten mit einem Krankenwagen weg. (22. Oktober 2014)
Michel Comte
Nach Augenzeugenberichten soll der Schütze danach ins Parlamentsgebäude eingedrungen sein: Foto eines Journalisten aus dem Innern des Parlaments.
Nach Augenzeugenberichten soll der Schütze danach ins Parlamentsgebäude eingedrungen sein: Foto eines Journalisten aus dem Innern des Parlaments.
Twitter/@josh_wingrove
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Nach der Schiesserei im kanadischen Parlament steht erneut der radikale Islam im Verdacht. Der Angreifer, Michael Z., war ein kanadischer Konvertit, genau wie Martin R., der am Montag mit seinem Auto zwei Soldaten überfahren und einen davon getötet hatte. In beiden Fällen müssen die genauen Motive der Täter noch ermittelt werden. Im Fall R. sprach der kanadische Sicherheitsminister Steven Blaney schon von einer «klaren Verbindung zu terroristischer Ideologie». Premierminister Stephen Harper ordnete die Attacke von Z. als terroristischen Angriff ein.

Als dieser ins Parlament stürmte, besprach sich Harper in einem dortigen Sitzungszimmer gerade mit seinen Kollegen der konservativen Partei über die wachsende Terrorgefahr. Er hatte das Treffen nach dem Vorfall vom Montag einberufen, den er als «extrem besorgniserregend» einstufte. Er wird sich nun einerseits verstärkt für seine Beteiligung am von den USA geführten Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) rechtfertigen müssen, andererseits dürften die kanadischen Sicherheitsbehörden unter Druck geraten. Denn sie hatten beide Täter als mögliche Extremisten auf dem Radar, konnten ihre Anschläge aber nicht verhindern. Beiden wurde der Reisepass entzogen, da man befürchtete, sie könnten sich islamistischen Extremistenorganisationen im Ausland anschliessen. Nun wurden sie in Kanada selber aktiv.

90 Personen überwacht

Der kanadische Geheimdienst CSIS hatte diesen Monat einen Bericht veröffentlicht, wonach 90 Personen wegen möglicher extremistischer Tätigkeit überwacht würden, darunter 80 mutmassliche Jihad-Rückkehrer. Martin R. stand auf der Liste. Ob auch Michael Z. aufgeführt ist, war zunächst noch unklar, wie der «Guardian» berichtet. Laut dem Geheimdienstbericht sollen zu Beginn des Jahres mehr als 130 Personen aus Kanada im Ausland terroristischen Aktivitäten nachgegangen sein. Noch vor zwei Wochen sagte der Chef des CSIS, Michel Coulombe, vor dem Parlament, man sehe keine Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Angriff. Die Warnungen der Geheimdienste nahmen in letzter Zeit jedoch zu. Und auch die Zahl der Personen, die sich radikalen Islamisten im Ausland anschliessen wollen, stieg offenbar in den letzten Monaten.

Obwohl die jüngsten Attacken von Konvertiten ausgeführt wurden, dürfte nun den traditionellen muslimischen Gemeinschaften in Kanada ein erhöhtes Misstrauen entgegenschlagen. Bereits hat sich der Polizeichef Ottawas, Charles Bordeleau, per E-Mail an muslimische Exponenten gewandt. Das Schreiben wurde vom Imam und Schriftsteller Sikander Hashmi über Twitter veröffentlicht. Wer es sonst noch erhielt, ist nicht bekannt, schreibt die «International Business Times».

Der Polizeichef schreibt, die jüngsten Ereignisse könnten die Herausforderungen für die Gemeinden vergrössern. Er erinnert an die langjährigen guten Beziehungen zwischen der Polizei und den verschiedenen Glaubensgemeinschaften. Man schütze die Sicherheit aller. «Wir ermutigen Sie, die Notrufnummer zu wählen, sollten Sie oder ein Mitglied Ihrer Gemeinde den Eindruck haben, ein lebensbedrohlicher Notfall oder ein Verbrechen sei im Gang», heisst es in der E-Mail. Die kanadische Polizei scheint darauf zu setzen, dass moderate Muslime Extremisten identifizieren und bei Verdacht auf geplante Gewalttaten auch bei den Behörden melden.

In einem offenen Brief verurteilten die «Muslime von Ottawa-Gatineau» daraufhin umgehend «diese hasserfüllten und feigen Taten, die uns alle betreffen». Die Autoren versichern: «Wir werden weiterhin unseren Teil zur gemeinsamen Sicherheit beitragen.»

Drei Anschläge verhindert

Vor den jüngsten Attacken, die einen islamistischen Hintergrund haben könnten, ist es in Kanada zu keinen Anschlägen von Jihadisten gekommen. 2006 konnte offenbar ein grosses Attentat verhindert werden. In einer koordinierten Attacke planten al-Qaida-nahe Islamisten demnach, mit Autobomben und bewaffneten Kämpfern das Gebäude des Canadian Broadcasting Center, das Parlament, den Sitz des Geheimdiensts und den Peace Tower des Parlaments zu attackieren. 18 Personen wurden festgenommen. Sie planten offenbar auch, den damaligen Premierminister und weitere Politiker zu köpfen.

2013 trugen Hinweise aus der muslimischen Gemeinde Kanadas dazu bei, zwei Personen festzunehmen, die als Teil eines al-Qaida-inspirierten Netzwerks einen Zug von New York nach Toronto entgleisen lassen wollten. Im selben Jahr konnten die Sicherheitskräfte einen Mann und eine Frau verhaften. Sie planten angeblich, am Nationalfeiertag Kochtopfbomben beim lokalen Parlament der Provinz British Columbia hochgehen zu lassen.

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