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Papst Franziskus lobt Castro und Obama

Havanna bejubelt den Heiligen Vater: Als dritter Papst besucht Franziskus den Karibikstaat Kuba. Dabei geht es nicht um Politik – eigentlich.

Heimreise: Papst Franziskus schaut aus dem Fenster einer American-Airlines-Maschine. (27. September 2015)
Heimreise: Papst Franziskus schaut aus dem Fenster einer American-Airlines-Maschine. (27. September 2015)
Nicholas Kamm, AFP
Der Heilige Vater bedankt sich bei den freiwilligen Helfern seiner Reise. (27. September 2015)
Der Heilige Vater bedankt sich bei den freiwilligen Helfern seiner Reise. (27. September 2015)
Laurence Kesterson, Keystone
Hunderte warten auf Papst Franziskus. (19. September 2015)
Hunderte warten auf Papst Franziskus. (19. September 2015)
Desmond Boylan, Keystone
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Papst Franziskus hat zum ersten Mal kubanischen Boden betreten. Das Flugzeug des katholischen Kirchenoberhauptes landete am Samstagmittag auf dem José-Martí-Flughafen der Hauptstadt Havanna, wo er von Präsident Raúl Castro mit einem Handschlag begrüsst wurde. Auch Havannas Erzbischof, Kardinal Jaime Ortega, war bei dem Empfang auf einem ausgerollten Roten Teppich dabei.

Tausende Kubaner jubelten Franziskus anschliessend mit kubanischen und vatikanischen Flaggen zu, als er mit dem neuesten Papamobil durch die Strassen von Havanna fuhr. Entlang des Weges sangen Nonnen das Vaterunser zu traditioneller kubanischer Musik. Eine Frau hielt ein Schild mit der Aufschrift «Franziskus, du bringst uns Hoffnung» in den Händen. Sein Ziel war das Anwesen des vatikanischen Botschafters. Dort verbringt Franziskus die Nacht.

«Ein Beispiel der Aussöhnung»

Der Papst lobte bei der Empfangszeremonie auf dem Flughafen die Entspannung der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA – bei den Gesprächen hatte der Vatikan eine entscheidende Vermittlerrolle gespielt. Die geglückten Verhandlungen bezeichnete er als «ein Beispiel der Aussöhnung für die gesamte Welt». Franziskus forderte Castro und US-Präsident Barack Obama gleichzeitig auf, weiter an der Normalisierung der amerikanisch-kubanischen Diplomatie zu arbeiten.

Franziskus sagte weiter, er wolle in sein Grusswort «ganz besonders all diejenigen einbeziehen, die ich aus verschiedenen Gründen nicht treffen kann». Dies ist ein möglicher Fingerzeig in Richtung politischer Dissidenten, aber auch an die kubanische Bevölkerung.

Religiöse Freiheiten gefordert

Papst Franziskus hat zudem mehr religiöse Freiheiten in dem kommunistischen Karibikstaat eingefordert. Die Kirche wolle das kubanische Volk mit seinen Hoffnungen und seinen Sorgen begleiten, «in Freiheit und mit allen notwendigen Mitteln und Freiräumen», betonte der 78-Jährige am Samstag bei seiner Ankunft auf dem Flughafen in Havanna.

Er werde «für diese geschätzte Nation bitten, dass diese auf den Wegen der Gerechtigkeit, des Friedens, der Freiheit und der Versöhnung voranschreite», sagte der Papst.

Präsident Castro lobte bei dem Empfang die Kritik des Papstes am globalen Wirtschaftssystem. Dieses habe «Geld in ein Idol verwandelt», sagte er in seiner langen Begrüssungsrede. Kubas kommunistische Regierung habe dagegen «eine gleichberechtigte Gesellschaft mit sozialer Gerechtigkeit begründet». Er rief erneut zu einem Ende des seit Jahrzehnten von den USA aufrechterhaltenden Handelsembargos gegen Kuba und eine Rückgabe des US-Marinestützpunktes in der Guantánamo-Bucht auf.

Politik zunächst im Vordergrund

Damit stand die Politik zunächst mehr im Vordergrund als der Glaube, obwohl politische Themen eigentlich weitgehend hinter verschlossenen Türen zur Sprache kommen sollten. Papst-Berater Guzman Carriquiry sagte, dem Heiligen Vater gehe es in Kuba in erster Linie um die Stärkung des katholischen Glaubens auf der sozialistisch geführten Inselrepublik.

Es wird erwartet, dass der Papst am Sonntag auch Raúls Bruder Fidel Castro trifft. Eine grosse Messe auf dem Plaza de la Revolución ist ebenfalls geplant wie ein offizielles Treffen mit Präsident Castro.

Gespräche mit Dissidenten stehen nicht auf dem Programm. Auch die beiden vorherigen Päpste, die Kuba besucht hatten – JohannesPaul II. und Benedikt XVI. – hatten darauf verzichtet.

Am Dienstag reist Franziskus in die USA weiter. Der US-Besuch, der Franziskus unter anderem zu den Vereinten Nationen in New York und nach Philadelphia führt, stand schon länger fest, der Stopp auf Kuba wurde erst relativ kurzfristig ins Programm aufgenommen. Es wird erwartet, dass Franziskus in den USA besonders auf die Rolle der Zuwanderer aus Lateinamerika eingeht. Sie stellen rund 38 Prozent der Katholiken in den Vereinigten Staaten.

(SDA)

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