Papst spricht vor US-Kongress über Flüchtlinge und Homoehe

Als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche besuchte Papst Franziskus das versammelte US-Parlament in Washington. Er scheute sich nicht, heikle politische Themen anzusprechen.

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Papst Franziskus äusserte sich in einer historisch bedeutsamen Rede vor dem US-Kongress zu so umstrittenen Themen wie der Flüchtlingskrise, der Todesstrafe und dem Klimawandel. Als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche sprach er heute auf englisch an einer gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus in Washington. Er rief unter anderem dazu auf, die Armut zu bekämpfen und den Reichtum gerecht zu verteilen.

Angesichts der weltweiten Flüchtlingskrise forderte der 78-jährige Argentinier eine «menschliche, gerechte und brüderliche» Reaktion. «Wir dürfen nicht über ihre Anzahl aus der Fassung geraten, sondern müssen sie vielmehr als Personen sehen, ihnen ins Gesicht schauen», verlangte er.

Die «Flüchtlingskrise, die ein seit dem Zweiten Weltkrieg unerreichtes Ausmass angenommen hat», stelle die Welt vor grosse Herausforderungen. «Wir müssen eine heute allgemeine Versuchung vermeiden: alles, was stört, auszuschliessen», sagte er.

Einwanderung ist in den USA ein wichtiges Wahlkampfthema, vor allem wegen des starken Zustroms von Migranten aus Lateinamerika an der südlichen US-Grenze zu Mexiko. Während Präsident Barack Obama Millionen illegale Einwanderer vor der Abschiebung bewahren will, wollen Republikaner wie Präsidentschaftsbewerber Donald Trump sie in ihre Heimatländer zurückschicken.

Klimawandel, Todesstrafe und Homoehe

Franziskus rief ebenfalls zum Kampf gegen den Klimawandel auf. «Ich bin überzeugt, dass wir etwas verändern können, und habe keinen Zweifel, dass die Vereinigten Staaten – und dieser Kongress – dabei eine wichtige Rolle zu spielen haben», sagte er. Nun sei der Moment für «mutige Handlungen und Strategien». Im Kongress sperren sich die Republikaner gegen die Klimaschutzinitiativen von Präsident Barack Obama.

Der Papst bekräftigte in der Rede ausserdem seine Ablehnung der Todesstrafe, die in 31 der 50 US-Bundesstaaten und auf US-Bundesebene erlaubt ist. Weiterhin warnte er vor religiösem Fundamentalismus, vor der keine Glaubensrichtung gefeit sei. «Es bedarf einer feinen Ausgewogenheit, um die im Namen einer Religion, einer Ideologie oder eines Wirtschaftssystems verübte Gewalt zu bekämpfen und zugleich die Religionsfreiheit, die Meinungsfreiheit und die persönliche Freiheit zu schützen.»

Mit Blick auf die in den USA erlaubte Homoehe zeigte sich der Papst besorgt, dass die Familie «vielleicht wie nie zuvor von innen und von aussen bedroht» sei. «Grundlegende Beziehungen wie die eigentliche Basis von Ehe und Familie werden in Frage gestellt», so das Kirchenoberhaupt.

Auch die Richter des Supreme Court, des Obersten Gerichts, US-Vizepräsident Joe Biden und weitere Regierungsvertreter waren anwesend. Vor der Ansprache war der Papst mit dem republikanischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, John Boehner, zusammengekommen.

Zehntausende warteten auf den Papst

Auf der Prachtmeile National Mall im Herzen Washingtons warteten etwa 50'000 Menschen darauf, dass sich der Papst nach der Rede auf dem Balkon des Kongressgebäudes zeigt. «Buenos días», begrüsste Franziskus die Gläubigen auf Spanisch, als er an der Seite Bidens, Boehners und des republikanischen Mehrheitsführers im Senat, Mitch McConnell, heraustrat.

Franziskus hält sich seit Dienstag zu seinem ersten USA-Besuch in Washington auf. Am Mittwoch wurde er von Präsident Obama im Weissen Haus empfangen. Weitere Stationen der Reise sind New York, wo der Papst am Freitag eine Rede vor der UNO-Vollversammlung hält, sowie am Samstag und Sonntag das Weltfamilientreffen in Philadelphia. (ij/sda/afp)

Erstellt: 24.09.2015, 19:59 Uhr

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