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«Paranoide Version eines noch gewalttätigeren Amerikas»

Die US-Waffenlobby will die Schulen künftig von bewaffneten Polizisten bewachen lassen, um Amokläufe wie jenen von Newtown zu verhindern. Gegner des Waffengesetzes sind entsetzt.

Computerspiele als Sündenbock.
Computerspiele als Sündenbock.
Keystone
Die Pressekonferenz der NRA wurde von einer Aktivisten gestört, die ein Transparent in die Höhe hielt. «NRA – Blut an euren Händen» stand darauf zu lesen.
Die Pressekonferenz der NRA wurde von einer Aktivisten gestört, die ein Transparent in die Höhe hielt. «NRA – Blut an euren Händen» stand darauf zu lesen.
Keystone
Die Aktivistin der Gruppe Code Pink musste den Raum daraufhin verlassen.
Die Aktivistin der Gruppe Code Pink musste den Raum daraufhin verlassen.
AFP
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Die US-Lobbyorganisation National Rifle Association (NRA) hat für ihre Forderung nach mehr bewaffneten Wachen an Grundschulen harsche Kritik geerntet. «Sie haben eine paranoide, verstörende Vision eines noch gefährlicheren und noch gewalttätigeren Amerikas gezeigt, in dem jeder bewaffnet und kein Ort mehr sicher ist», sagte der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg am Freitag. Der parteilose Politiker plädiert seit Jahren für schärfere Waffengesetze.

Die stellvertretende Direktorin des Anti-Waffen-Gruppe Code Pink, Medea Benjamin, warf der NRA Realitätsverweigerung vor: «Sie haben die Schuld für die Gewalt auf alle möglichen Dinge geschoben – nur nicht auf die Waffen selbst.»

Eine Woche nach dem Massaker an einer Grundschule in der US-Kleinstadt Newtown mit 28 Toten hatte die Waffenlobby auf einer seltenen Pressekonferenz mehr bewaffnete Wachen an Schulen als Lösung für das Gewaltproblem präsentiert. Zugleich machte die NRA auch Medien und sogenannte Ballerspiele für die Tat verantwortlich. «Das Einzige, das einen bösen Typen mit einer Waffe stoppt, ist ein guter Typ mit einer Waffe», forderte NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre.

Anders als bei früheren Amokläufen hatte die Organisation keine Beileidsbekundungen für die Angehörigen der Opfer veröffentlicht. Überdies schaltete sie ihre Facebook-Seite im Internet vorübergehend ab und verbreitete keine Mitteilungen im Kurznachrichtendienst Twitter.

NRA macht Medien und Videospiele für Gewalt verantwortlich

Nun kam die einflussreiche Waffenlobby aus der Deckung. NRA-Vizepräsident LaPierre machte die Medien, Videospiele, Filme und Musikvideos für die Gewalt in der Gesellschaft verantwortlich. «In einer Abwärtsspirale wetteifern Konzerne darum, zu schockieren und jeden Standard der zivilisierten Gesellschaft zu verletzen», sagte der NRA-Chef. Manche hätten versucht, politisches Kapital aus dem Massaker zu schlagen. Deshalb habe die NRA zunächst «respektvoll geschwiegen».

Mindestens zwei Gegner der Waffenlobby unterbrachen die Pressekonferenz mehrfach. Ein Mann hielt ein Plakat mit der Aufschrift «Die NRA tötet unsere Kinder» hoch. Waffen in Schulen sei keine Antwort, riefen die Protestler, während sie von Sicherheitskräften abgeführt wurden.

US-Präsident Barack Obama setzt sich derweil für eine Verschärfung der Waffengesetze ein. Bereits im Januar wolle er den Abgeordneten im Kongress konkrete Vorschläge vorlegen, wie die Waffengewalt in den USA eingedämmt werden könne.

Von der Notwendigkeit einer Verschärfung der Waffengesetze wollte LaPierre indes nicht viel wissen: «20'000 andere Gesetze haben nichts gebracht.»

26 Glockenschläge erinnern an Opfer

Bei der Gedenkfeier in Newtown erinnerten 26 Glockenschläge an die 20 Kinder und sechs Erwachsenen, die dem Blutbad in einer Grundschule zum Opfer gefallen waren. Der Täter hatte zuvor schon seine Mutter erschossen und sich danach das Leben genommen. US-Präsident Barack Obama erinnerte im Weissen Haus mit einer Schweigeminute an die Opfer.

In einer Videobotschaft berichtete Obama von einer Welle der Zustimmung für eine Verschärfung des Waffenrechts. Den Unterzeichnern einer Online-Petition versicherte er: «Wir hören Sie.»

Es ermutige ihn, dass viele Waffenbesitzer meinten, man könne Schritte zur Verhinderung tödlicher Schiessereien unternehmen, die sowohl die Rechte der Amerikaner wahrten als auch ihre Kinder schützten. «Ich werde alles in meiner Macht als Präsident stehende tun, diese Bemühungen voranzubringen, denn wenn wir als Land auch nur eine einzige Sache tun können, um unsere Kinder zu schützen, dann sind wir in der Pflicht, es zu versuchen.»

Schiesserei in Pennsylvania

Kurz nach der Pressekonferenz von NRA-Vizepräsident LaPierre wurden vier Menschen bei einer Schiesserei an einer Landstrasse im US-Staat Pennsylvania getötet. Unter den Todesopfern sei auch der mutmassliche Schütze, teilte eine Polizeisprecherin mit.

Der Vorfall ereignete sich nach Angaben von Staatsanwalt Rich Consiglio in der Ortschaft Frankstown. Die Schiesserei habe sich «über etliche Meilen» erstreckt. Der mutmassliche Täter erschoss am Vormittag an einer Landstrasse zunächst zwei Männer sowie eine Frau und ergriff danach in einem Jeep die Flucht. Als Polizisten am Tatort eintrafen, eröffnete der Verdächtige den Angaben zufolge das Feuer auf sie.

Der flüchtige Angreifer rammte dann mit seinem Fahrzeug frontal einen Polizeiwagen, stieg aus und gab einen weiteren Schuss ab, bis er schliesslich von einer Polizeikugel tödlich verletzt wurde. Drei Polizisten wurden beim Feuergefecht verwundet, schweben jedoch nicht in Lebensgefahr.

dapd/sda/mw/chk

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