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Penibel kalkuliert

Nike macht einen von Donald Trump verabscheuten Sportler zum Gesicht der neuen Kampagne.

«Glaube an etwas, auch wenn das heissen sollte, alles andere zu opfern»: US-Footballer Colin Kaepernick in der neuen Nike-Kampagne. Video: Tamedia/AFP/AP

Nike hat ein neues Gesicht: Es ist ein gefallener Engel, dunkelhäutig, von Donald Trump verwünscht. Nike hat Colin Kaepernick für seine neue Kampagne verpflichtet. Der 30-Jährige war einst Football-Quarterback, bis er vor zwei Jahren vor den Spielen bei der Nationalhymne auf die Knie ging und damit gegen Polizeibrutalität und Rassenungleichheit protestierte. Trump nannte darauf Kaepernick und seine Nachahmer Hurensöhne. Die Tirade wirkte, seither will kein Club mehr den Amerikaner anstellen.

Kaepernick sagt zu seinem neuen Job: «Glaube an etwas. Auch wenn es bedeutet, alles zu opfern.» Klingt gut. Genauso wie das Verhalten von Nike: Die Marke legt sich mit Trump an. Ein Konzern macht plötzlich Politik. Ist ungewöhnlich. Vorbei die Zeiten, als ein Michael Jordan über seine Nike-Schuhkollektion sagte: «Auch Republikaner kaufen Schuhe.»

Man kann die Kampagne deshalb als mutig bezeichnen. Denn American Football ist noch immer ein weisser Sport, er wird zwar mehrheitlich von schwarzen Spielern gespielt (68 Prozent), die Fans aber sind zu 83 Prozent weiss, viele von ihnen konservativ eingestellt. Die Liga NFL gilt als Trump-hörig, loyale Republikaner rufen bereits zum Nike-Boykott auf, Fans verbrennen ihre Schuhe und Socken. Ein Shitstorm ist im Anzug.

Doch wenn man sich vor Augen führt, wie Nike Steuern spart und seine Tochterfirmen auf der ganzen Welt nebulös verschleiert, dann muss die neue Kampagne eine penibel kalkulierte Güterabwägung sein, die sich am Ende lohnen wird.

Erstens: Die Kaepernick-Kampagne schenkt Aufmerksamkeit, die härteste Währung dieser Welt. Zweitens: Nike kauft sich mit Kaepernick den Rebellen und kommerzialisiert damit eine Gegenkultur. Ziel: Sie massentauglich zu machen – es lockt viel Geld und noch mehr Zuspruch ausserhalb des Trump-Lands. Und drittens: Der Sportartikelhersteller produziert selbstverständlich eine neue Kaepernick-Kleiderlinie, inklusive Schuhen und T-Shirt. Nike verspricht sich hohe Einnahmen. Eben doch: Just do it.

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