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Pokerface Obama liess sich nichts anmerken

Der Startschuss zur Kommandoaktion gegen den Terroristenführer fiel bereits am Freitag. Bei seinen Terminen am Wochenende lenkte der US-Präsident gekonnt von der bevorstehenden Mission ab.

Der US-Präsident besucht die Tornado-Opfer im US-Bundesstaat Alabama. An diesem Tag ordnete Obama die Operation an.
Der US-Präsident besucht die Tornado-Opfer im US-Bundesstaat Alabama. An diesem Tag ordnete Obama die Operation an.
Keystone
Wenige Stunden später besucht er das Kennedy Space Center in Florida.
Wenige Stunden später besucht er das Kennedy Space Center in Florida.
Keystone
Erhält Glückwünsche: Obama schüttelt Admiral Mike Mullen die Hand, im Vordergrund Hillary Clinton.
Erhält Glückwünsche: Obama schüttelt Admiral Mike Mullen die Hand, im Vordergrund Hillary Clinton.
Weisses Haus
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Seit der Anordnung des Angriffs auf das Bin-Laden-Anwesen am Freitag hatte Präsident Obama eine Reihe von öffentlichen Auftritten bestritten und dabei niemals vermuten lassen, dass eine der wichtigsten Momente seiner Präsidentschaft unmittelbar bevorstand. Nachdem er seine Zustimmung zur Operation gegeben hatte, reiste er mit seiner Frau Michelle und seinen Töchtern Sasha und Malia erst in die von den Tornados verwüstete Region in den Südstaaten.

Bei drei Stopps in zwei Staaten tröstete er unter anderem die Einwohner des Ortes Tuscaloosa in Alabama, deren Ort von einem Tornado dem Erdboden gleichgemacht wurde. Anschliessend fuhr die Familie nach Cape Canaveral, obwohl der Start des Space Shuttles Endeavour, dem der Präsident beiwohnen sollte, bereits abgesagt war. Er besuchte die Nasa-Einrichtungen und gab anschliessend noch eine Rede am Miami Dade College.

Auch beim jährlichen Abendessen der Korrespondenten des Weissen Hauses am Samstag liess Obama keine Anspannung erkennen. Er liess stattdessen ein paar Spitzen gegen Donald Trump los, der ihn in den vergangen Wochen wegen Zweifeln an seiner Herkunft immer wieder kritisiert hatte.

Golf vor dem entscheidenden Einsatz

Kurz vor Beginn der Operation am Sonntag spielte der US-Präsident noch eine Runde Golf. Als er auf der Andrews Air Force Base nur neun statt seiner üblichen 18 Löcher spielte, hatten die Journalisten, die ihn begleiteten, das auf das kühle Wetter zurückgeführt. Tatsächlich ging er in Golfbekleidung direkt zu einem Treffen im Oval Office, um die letzten Vorbereitungen für die Operation gegen Bin Laden zu besprechen.

Im Situation Room des Weissen Hauses sass er anschliessend gemeinsam mit seinem nationalen Sicherheitsteam vor den Bildschirmen und wartete, ob der sorgsam ausgearbeitete, aber dennoch riskante Plan Erfolg haben würde. Es wurde kaum gesprochen und Mitglieder der Gruppe hielten immer wieder aus Spannung die Luft an, sagte der Anti-Terror-Berater des Weissen Hauses, John Brennan.

Uneinigkeit im Team

Brennan wollte keine Details darüber bekannt geben, welche Bilder Obama und sein Team gesehen hatten, es sei ihnen aber möglich gewesen, den Verlauf genau zu verfolgen. Normalerweise tragen die Mitglieder der Sondereinheit der Navy Seals, die die Aktion durchführte, Helmkameras, die Bild und Ton an ein Operationszentrum übertragen. Daten, die dann live ins Weisse Haus und ins Pentagon übertragen werden können.

Innerhalb von Obamas Team waren sich nicht alle einig gewesen, den Plan auch durchzuführen. Es gab genügend Beweise, dass Osama Bin Laden in dem Anwesen sein würde, aber Gewissheit gab es keine.

«Seufzer der Erleichterung»

Der Präsident sei besonders besorgt über die Sicherheit der Soldaten gewesen und als einer der Helikopter bei der Ankunft über dem Anwesen technische Probleme hatte, sei allen beinahe das Herz stehen geblieben, erzählt Brenner. Zum Glück habe der Notfallplan geklappt, die Seals wechselten in einen anderen Helikopter und konnten die Operation fortsetzen. Als die Spezialeinheiten schliesslich das Auffinden einer Person meldeten, von der sie annahmen, dass es Bin Laden war, habe es einen «riesigen Seufzer der Erleichterung» gegeben.

Erica Werner und Darlene Superville / dapd/jak

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