«Präsident Maduro, ich halte das nicht mehr aus»

Die Nahrungsnot in Venezuela forderte bereits Tote, der Tauschhandel boomt. Für die Bevölkerung kommt nun aber Hoffnung auf.

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Hunger, Ausschreitungen, leere Schulen. In Venezuela spitzt sich die über Monate andauernde Versorgungskrise immer mehr zu, die Stromausfälle häufen sich dramatisch und die Menschen protestieren auf den Strassen. Obwohl reich an Öl, herrscht im südamerikanischen Karibikstaat blanke Not. Von Experten wird Misswirtschaft der sozialistische Regierung um Präsident Nicolás Maduro für das Elend verantwortlich gemacht – nun wird für das Staatsoberhaupt die Luft immer dünner.

«Voller Hoffnung»

Nach wochenlanger Vorbereitung ist die Verifizierung der 1,3 Millionen Unterschriften für die Absetzung Maduros im Gange, der Andrang auf die Lokale ist riesig: Als am Montagmorgen die Stände zur Validierung der Signaturen geöffnet wurden, standen die Menschen stundenlang Schlange. Sie liessen sich auch nicht vom Regen oder der tiefen Zahl an Verifizierungsmaschinen die Laune verderben, im Gegenteil. Laura Hernández, eine freiwillige Helferin der Veranstaltung, sagte gegenüber der venezolanischen Zeitung «El Nacional»: «Die Leute sind glücklich, optimistisch und voller Hoffnung.»

Der Glauben ist da, an eine Wende. An die Rückkehr genügender Stromversorgung. An die Beendung der überbordenden Kriminalität. An ein Ende der seit Monaten grassierenden Nahrungskrise. Denn mittlerweile hat die Versorgungsknappheit dramatische Ausmasse angenommen: Supermärkte werden geplündert, in Cumaná führte eine Auseinandersetzung mit der Polizei deswegen zu mehreren Verletzten und sogar Toten.

In der Hauptstadt Caracas haben die Menschen begonnen, Abfälle von Märkten, Läden und Restaurants zu durchsuchen. Gegenüber der ARD-«Tagesschau» sagte die Studentin Jhosriana Capote: «Entweder stehe ich stundenlang vor einem Lebensmittelgeschäft an, um dann sowieso nichts mehr zu bekommen, oder ich durchsuche den Müll nach etwas Essbarem.»

Mittlerweile versuchen sich die Menschen selber zu helfen. Der Tauschhandel im Internet ist zu einem wichtigen Bestandteil geworden, bei Facebook wurden mehrere Seiten lanciert, auf denen Lebensmittel oder Hygieneartikel getauscht werden. Bargeld hat fast keinen Wert mehr, deshalb wird das dort gar nicht erst akzeptiert.

Verzweifelt: Dieser User tauscht Sojaöl gegen Weizen- oder Maismehl. Bild: Screenshot Facebook.

Die Regierung selber reagiert auf den zunehmenden Druck gewohnt offensiv. In einer Rede beschuldigte Vizepräsident Aristóbulo Istúriz die Opposition, gemeinsam «mit dem nordamerikanischen Imperialismus und Europas Rechter eine soziale Explosion» provozieren zu wollen. «Die Proteste gegen uns, die ganzen Schlangen vor den Supermärkten sind alles inszenierte Faktoren, um das Volk zu verunsichern», so Istúriz, der noch anfügte: «Venezuelas Rechte ist ein Platzhalter von Europas Rechter, damit in unserem Land etwas passiert.»

Anstehen unter Schmerzen

Wie verunsichert das Volk tatsächlich ist, zeigt die überwältigende Zustimmung des Referendums. Ab drei Uhr morgens warteten bereits Menschen vor den Unterschriftenlokalen, die um acht Uhr öffneten. Ein klares Zeichen an Maduro, der das Abwahlreferendum mit aller Macht zu verhindern versucht – schafft er es, den Vorgang bis 2017 zu verzögern, könnte seine sozialistische Partei ohne Neuwahlen einen Nachfolger stellen.

Für viele Menschen keine Option, weshalb immer mehr Videos im Internet kursieren. «Präsident Maduro, ich halte das nicht mehr aus», sagt zum Beispiel ein kleines Mädchen. «Ich habe kein Wasser, kein Essen, keine Medizin. Ich habe nicht mal Shampoo.» So nehmen die Venezolaner auch Schmerzen auf sich, um eine Veränderung herbeizuführen. Luz Garai, der kurz vor einer Rückgratoperation steht, harrte unter grossen Schmerzen aus, um seine Unterschrift validieren zu lassen: «Ich bin hier für meine Kinder und Enkelkinder. Damit niemand seine Träume und Ziele begraben muss.»

Erstellt: 21.06.2016, 19:30 Uhr

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