Rechtspopulist Bolsonaro geht als Favorit ins Rennen

Menschenmassen stehen in Brasilien vor den geöffneten Wahllokalen Schlange. Zwischen den beiden Favoriten könnte es eng werden.

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In Brasilien hat am Sonntag die Präsidentschaftswahl begonnen. Die rund 147 Millionen Wahlberechtigten sind aufgerufen, einen Nachfolger für den Konservativen Michel Temer zu wählen. Als Favorit in der ersten Runde gilt der Rechtspopulist Jair Bolsonaro, der mit rassistischen und sexistischen Äusserungen auf Stimmenfang ging und ein Verteidiger der früheren Militärdiktatur ist.

Nach den jüngsten Umfragen kann der 63-jährige Politiker der Sozialliberalen Partei in der ersten Wahlrunde mit etwa 36 Prozent der Stimmen rechnen. Der Ex-Offizier liegt damit 14 Punkte vor dem 55-jährigen Fernando Haddad, der als Ersatzkandidat der Arbeiterpartei (PT) für den inhaftierten Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva antritt.

Erste Ergebnisse in der Nacht erwartet

Die Brasilianer sind auch aufgerufen, die Parlamentsabgeordneten und zwei Drittel der Senatsmitglieder neu zu bestimmen sowie neue Gouverneure und Regionalparlamente zu wählen. Die Wahllokale öffneten um 08.00 Uhr (13.00 Uhr MESZ). Mit ersten Ergebnissen wird kurz nach Mitternacht mitteleuropäischer Sommerzeit gerechnet, nach Schliessung der letzten Wahllokale im westlichen Amazonas-Bundesstaat Acre.

Vor allem die Benachteiligten in Brasilien trauern bis heute Lula nach, der Sozialprogramme für die Armen auflegte. Während seiner Amtszeit von 2003 bis 2010 erlebte das lateinamerikanische Land einen wirtschaftlichen Aufschwung, doch in der Amtszeit seiner Parteifreundin und Nachfolgerin Dilma Rousseff rutschte Brasilien in eine tiefe Rezession. Rousseff wurde 2016 wegen finanzieller Vergehen des Amtes enthoben.

13 Millionen sind arbeitslos

Viele Brasilianer machen die Arbeiterpartei für die wirtschaftliche Misere verantwortlich und setzen grosse Hoffnung in Bolsonaro. 13 Millionen der 210 Millionen Brasilianer sind arbeitslos. Für weiteren Unmut sorgen Korruptionsskandale, die bis in höchste Regierungskreise reichen, und die anhaltende Gewaltkriminalität. Bolsonaro steht für einen unnachgiebigen Kurs gegen Kriminelle. Wegen seiner markigen Sprüche gegen Frauen, Homosexuelle oder Schwarze wird er häufig als «Donald Trump Brasiliens» bezeichnet.

Im Parlament verfügt seine Sozialliberale Partei derzeit nur über acht der 513 Sitze. Daran dürfte sich Umfragen zufolge nach der Wahl nicht viel ändern. Wird er Präsident, müsste Bolsonaro im Parlament Bündnisse schmieden. Beobachter gehen davon aus, dass keiner der Präsidentschaftskandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erhält. Die Stichwahl ist für den 28. Oktober geplant. (sep/afp)

Erstellt: 07.10.2018, 15:29 Uhr

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