Reporter ohne Furcht und Tadel

Jorge Ramos, der berühmteste Journalist Lateinamerikas, stellte Präsident Maduro allzu kritische Fragen – und wurde ausgewiesen.

Bekannt für seine Hartnäckigkeit: der investigative Reporter Jorge Ramos. Bild: Reuters

Bekannt für seine Hartnäckigkeit: der investigative Reporter Jorge Ramos. Bild: Reuters

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Er ist der Prototyp des investigativen Reporters: Jorge Ramos, 60 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in Mexiko, mittlerweile US-Staatsbürger. Im Verlauf seiner Karriere hat er über den Fall der Berliner Mauer geschrieben, über die Terrorattacken in New York, den Krieg im Irak und in Afghanistan. Seit dreissig Jahren moderiert er die spanischsprachige Nachrichtensendung «Noticiero Univisión», hat acht Emmys gewonnen und elf Bücher geschrieben. Damit ist er nicht nur der bekannteste lateinamerikanische Journalist, sondern fast schon so etwas wie ein Popstar: laut Umfragen so beliebt wie Fussballer Lionel Messi und Sängerin Shakira.

Es ist deshalb fraglich, ob sich der venezolanische Präsident Nicolás Maduro einen Gefallen getan hat, als er am Montag genau diesen Journalisten festsetzte, in einen dunklen Raum sperrte und schliesslich ausser Landes schaffen liess. Denn Ramos ist populär und vernetzt genug, dass weltweit über den Vorfall berichtet wurde.

Während Maduro bislang vor allem regierungsfreundliche Medien empfing, bat er in den vergangenen Tagen auch kritischere Journalisten wie von der britischen BBC oder Euronews zum Interview. Am Montagabend traf er dann auf Ramos. Bekannt für seine Hartnäckigkeit und besonders ­bohrende Fragen an die Adresse von Machthabern, machte Ramos seinem Namen alle Ehre. Er fragte Maduro nach der humanitären Krise im Land, Menschenrechtsverletzungen, die ihm vorgeworfen werden, nach politischen Gefangenen, von denen Maduro 900 eingesperrt haben soll. 17 Minuten lang sei das Gespräch ohne Zwischenfälle verlaufen, berichtete Ramos später, auch wenn der Präsident wenig erfreut gewesen sei über seine Fragen.

Für Ramos sind Konflikte mit Machthabern nicht neu

Doch dann zeigte der Journalist ihm auf seinem iPad ein selbst gedrehtes Video. Darauf zu sehen waren Jugendliche, wie sie Esswaren aus einem Müllwagen klauben und auf Maduro schimpfen. Der Präsident tauge nichts und müsse weg. Anstatt etwas dazu zu sagen, stand Maduro danach auf und verliess den Raum, sein Informationsminister beklagte, das ganze Interview sei eine von Washington gesteuerte Inszenierung. Ramos und sein fünfköpfiges Fernsehteam wurden in ein Zimmer gesperrt, und Maduros Mitarbeiter konfiszierten ihre Kameras, Rucksäcke, Mobiltelefone und persönliche Gegenstände sowie das gedrehte Filmmaterial. Nach einer Nacht im Hotel wurde ­das gesamte Filmteam von Maduros Agenten an den Flughafen begleitet, in ein Flugzeug gesetzt und nach Miami geflogen. Laut Ramos wurden er und sein Team auch mit einem Einreiseverbot belegt.

Bildstrecke: Trump lässt Ramos rauswerfen

Für Ramos sind Konflikte mit Machthabern nicht neu. 2015 rückte er dem damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump so auf den Leib, dass der ihn zunächst aus dem Raum bringen liess, ihn dann aber zurückholte und als «ehrlichen Typen» bezeichnete: «Jetzt mag ich ihn.»

Nach dem Vorfall in Venezuela twitterte Ramos: «Ich möchte dem US State Departement und der amerikanischen Botschaft in Caracas danken. Sie haben dafür gesorgt, dass wir in Venezuela beschützt und sicher waren.» Ob Ramos plant, demnächst wieder aus Venezuela zu berichten, ist nicht bekannt.

Erstellt: 27.02.2019, 20:20 Uhr

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