Zum Hauptinhalt springen

Republikaner sind besorgt – McCain verliert Anschluss

Je näher die US-Präsidentenwahl rückt, desto nervöser werden die Republikaner. Ihr Kandidat John McCain ist deutlich hinter seinen Rivalen Barack Obama zurückgefallen.

John McCain verliert den Anschluss.
John McCain verliert den Anschluss.
Keystone

Vor dem letzten TV-Duell der beiden Konkurrenten um das Amt des US-Präsidenten kommt der Republikaner John McCain immer mehr in Bedrängnis. Er fällt er weit hinter Barack Obama zurück. In der Umfrage von CBS News und der «New York Times» lag Obama bei 53 Prozent, sein Rivale John McCain kam auf 39 Prozent. Damit wuchs die Führung Obamas einen Tag vor dem dritten und letzten TV-Duell der beiden Kandidaten um drei Prozentpunkte seit der letzten Umfrage am 6. Oktober. Der Erhebung zufolge spricht eine grosse Mehrheit Obama einen grundsätzlichen positiven Wahlkampf zu. 61 Prozent der befragten Wahlberechtigten werfen dagegen McCain vor, mehr Zeit für Angriffe auf seinen Rivalen zu verwenden, anstatt seine Regierungspläne für den Fall seiner Wahl zu erläutern.

Finanzkrise schadet McCain

Die internationale Finanzkrise, die den Wahlkampf stärker dominiert, als das vor einigen Wochen abzusehen war, hat McCain geschadet. Grund dafür ist, er wird mit der Wirtschaftspolitik des republikanischen Amtsinhabers George W. Bush in Verbindung gebracht. Sich davon abzusetzen und Neues anzubieten, ist für McCain deshalb das Gebot der Stunde.

«Er muss unter Beweis stellen, dass er in der Wirtschaftspolitik anders ist als Bush und besser als Obama», betont der frühere Präsident des Repräsentantenhauses Newt Gingrich - einer der prominenten Republikaner, die sich in letzter Zeit unverblümt über Schwächen im Wahlkampf ihres Kandidaten geäussert haben. «Wenn ihm das nicht gelingt, dann ist alles vorbei», fügt Gingrich hinzu. «Dann wird das ein sehr schlechtes Jahr für die Republikaner.»

McCain zu milde?

Andere Parteifreunde McCains, die lieber anonym bleiben wollen, werfen ihm vor, zu milde mit seinem Konkurrenten umzugehen. Die Verbindungen Obamas zu William Ayers, der in den 60er-Jahren einer Untergrundgruppe angehörte, hätten demnach schon viel früher ausgeschlachtet werden müssen und nicht erst zu einem Zeitpunkt, zu dem man in die Defensive geraten war. So nämlich stehe der 72-jährige McCain jetzt als missmutiger alter Mann dar, der mit seiner Verzweiflung den Demokraten in die Hände spiele.

«Er braucht jetzt keine Angriffsstrategie, er braucht eine Strategie für sein Comeback», resümiert Alex Castellanos, der als Medienberater für den erfolglosen Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney arbeitete. Und nach Ansicht vieler Republikaner kann McCain sein Comeback nur sichern, wenn er Alternativen in der Wirtschaftspolitik aufzeigen kann.

«Er muss einen ernsthaften neuen Plan entwickeln und diesen in ernsthafter Manier präsentieren», fordert Scott Reed, der Wahlkampfmanager des von Bill Clinton geschlagenen Kandidaten Robert Dole im Jahre 1996. «McCain kann Obama nicht damit besiegen, dass er sich einfach nur über die Gier der Finanzhändler an der Wallstreet empört.»

Ein paar Ohrfeigen für den Gegner

All diese Ratschläge zeugen von der offensichtlichen Nervosität der Republikaner. Vielerorts scheint sich Frustration auszubreiten. So meinen immer mehr Parteimitglieder, dass McCain einfach entschlossener und härter auftreten müsse. Ja, er müsse klare und überzeugende Alternativen in der Wirtschaftspolitik anbieten, meint Michael Steele vom Parteiinstitut GOPAC. Aber es könne ihm auch nichts schaden, «seinem Gegner ein paar gezielte Ohrfeigen auszuteilen».

Trotz aller Bedenken wollen die Republikaner die Wahl am 4. November keinesfalls schon als verloren akzeptieren. Natürlich könne McCain es schaffen, aber er müsse sich dafür anstrengen, lautet die einhellige Meinung. «Es liegt ganz in seiner Hand, die Wahl zu gewinnen», sagt Matthew Dowd, der vor vier Jahren Präsident Bush beriet. Dazu aber müsse er eben zu den dringendsten Fragen klarer Stellung beziehen, meint der Gouverneur von Michigan, William Milliken, und fügt enttäuscht hinzu: «Das ist nicht der McCain, dessen Nominierung ich unterstützt habe.»

Manche Republikaner sind denn schon so pessimistisch, dass es für sie eigentlich nur noch eine Hoffnung gibt - dass Obama einen schweren Fehler macht oder dass plötzlich unerwartete Ereignisse eintreten, die den Wahlkampf McCains wieder beflügeln können.

Irak war gestern

Der US-Wahlkampf wird praktisch ausschliesslich von Wirtschaftsthemen dominiert. Weder der Irakkrieg, die illegale Einwanderung noch der Terrorismus bestimmen derzeit die Debatten – der einst angekündigte Wahlkampf der Werte ist zu einem Wahlkampf der Wirtschaft geworden. Viele der so genannten «Swing States» - unter ihnen auch Ohio, wo Obama seine letzte Rede hielt – haben einen hohen Anteil an Industrie, viele Arbeiter und Arbeitslose. Ohio liegt nur wenige Stunden südlich der Autohochburg Detroit im Bundesstaat Michigan. Die Amerikaner sorgen sich angesichts der Finanzkrise um ihre Arbeitsplätze, ihre Häuser und ihre Autos. Dementsprechend richten McCain und Obama ihre Wahlkämpfe aus.

Die Lobbyisten sind frustriert

«Die Wähler haben Angst. Die Wirtschaftskrise ist so beängstigend, dass sie sich nur noch darauf konzentrieren», zitiert die Nachrichtenagentur AP den Politikprofessor Jeffrey Bosworth – auch er unterrichtet in einem der «Swing States», in Pennsylvania. Andere Lobbygruppen in den USA seien richtiggehend frustriert, weil niemand mehr über Abtreibung oder Waffenbesitz sprechen wolle, so AP. Der Fernsehsender CNN hat auf seiner Website gar ein Dossier geschaltet: «Issue Number 1: America’s Money». Besorgte Bürger können über das «Wahlkampfthema Nummer Eins» diskutieren.

Heute Abend (Donnerstag 03 Uhr MESZ) findet die dritte und letzte Fernsehdebatte der beiden Kandidaten statt. Hauptthema dürfte die Finanzkrise sein. Und die Lösungsvorschläge klassisch: McCain wird sich für möglich wenige Staatsinterventionen aussprechen, Obama den Leuten Hilfe und Geld versprechen.

sda/ap/oku/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch