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Bushs Debakel, Reagans Vergeltung

Massenabschiebung von Diplomaten: Obamas Aktion gegen Russland in der Hacker-Affäre hat Tradition. Die spektakulärsten Fälle.

Spionierte jahrelang für Moskau: Das FBI durchsucht das Haus von Doppelagent Robert Hanssen. (20. Februar 2001)
Spionierte jahrelang für Moskau: Das FBI durchsucht das Haus von Doppelagent Robert Hanssen. (20. Februar 2001)
Keystone

35 russische Diplomaten werden aus den USA ausgewiesen. Es ist Obamas Vergeltung für die Hackerangriffe im amerikanischen Wahlkampf. Speziell an diesem Vorfall ist, dass so viele Diplomaten gleichzeitig ausgewiesen werden. Vergleichbares passierte auch im Kalten Krieg sehr selten. Das sind die grössten Fälle:

1986 – Reagans Vergeltungsschlag

Wird aus den USA abgeschoben: Der sowjetische Spion Gennadi Sacharow. (Bild: Getty Images)

55 Diplomaten auf einen Schlag – die grösste Ausweisung von diplomatischem Personal aus den USA fand Ende Oktober 1986 unter Ronald Reagan statt. Insgesamt mussten im sogenannten «Diplomatenkrieg» gar gegen 80 sowjetische Vertreter das Land verlassen. Hintergrund waren mehrere Spionagefälle, die in den Monaten zuvor aufgeflogen waren und die Administration Reagan zur Überzeugung gelangen liessen, dass es sich beim sowjetischen diplomatischen Personal in den USA zu einem grossen Teil um Spione handelte.

Zuerst lief 1985 ein hoher KGB-Mitarbeiter über und enttarnte mehrere Doppelagenten in der CIA. Zweitens wurde in den USA Gennadi Sacharow, sowjetischer Diplomat bei der UNO, wegen Spionage verhaftet. Der Kreml antwortete mit der Verhaftung eines US-Journalisten in Moskau, ebenfalls wegen des Verdachts auf Spionage.

Diese diplomatischen Zwischenfälle ebneten den Weg für Reagans Massenausweisung. Zuvor hatten sich die US-Geheimdienste lange dagegen gewehrt, weil sie befürchteten, dass Moskau zurückschlagen würde und in grosser Zahl US-Personal die Sowjetunion hätte verlassen müssen. Es kam anders: Der Kreml verbot lediglich mehr als 200 sowjetischen Angestellten, weiter für die US-Botschaft in Moskau zu arbeiten. Köchinnen, Chauffeure und Putzpersonal waren also die Leidtragenden von Reagans Vergeltungsschlag.

2001 – Bushs Debakel

Arbeitete zwei Jahrzehnte als russischer Spion: Robert Hanssen. (Bild: Keystone)

An den Kalten Krieg erinnert fühlte sich wohl auch George W. Bush im Frühjahr 2001. Er ordnete die Ausweisung von 50 russischen Diplomaten an – die zweitgrösste Zahl in der US-Geschichte. Russland antwortete seinerseits mit einigen Ausweisungen von US-Diplomaten. Was war passiert?

Nach zwei Jahrzehnten als Doppelagent wurde der FBI-Mitarbeiter Robert Hanssen enttarnt. Es war der grösste Fall von russisch-sowjetischer Spionage, der jemals in den USA bekannt geworden war. Hanssen hatte dem KGB und dessen russischen Nachfolgeorganisation unter anderem mehrmals die Namen von amerikanischen Doppelagenten genannt und dafür viel Geld erhalten.

1994 – Clintons Nachsicht

Hat dem KGB mehrere amerikanische Agenten ausgeliefert: Aldrich Ames. (Bild: Keystone)

Lediglich einen russischen Diplomaten liess Bill Clinton 1994 ausweisen: den mutmasslichen Betreuer von Aldrich Ames. CIA-Mitarbeiter Ames operierte zur gleichen Zeit wie Robert Hanssen und ebenfalls während Jahren als Doppelagent. Auch er hatte für viel Geld mehrere Russen in amerikanischen Diensten verraten. Bis zu zehn US-Spione sind vermutlich als Folge von Ames' Verrat hingerichtet worden.

2010 und 2016: Obamas andere Spione

In der Amtszeit Obamas gab es neben dem Hacker-Skandal mehrere kleinere Zwischenfälle, die zu Ausweisungen führten. Sie sorgten jeweils für grosses Aufsehen, waren aber im Vergleich zu den oben geschilderten Enttarnungen harmlos:

2016 beklagt sich US-Botschaftspersonal wiederholt über die schlechte Behandlung durch die russischen Behörden. Dramatischer Höhepunkt: die Prügelei zwischen einem Moskauer Polizisten und einem US-Diplomaten vor dem Eingang der amerikanischen Botschaft. Im russischen Fernsehen wurde später ein Video des Vorfalls gezeigt. Mit dem Hinweis, beim US-Diplomaten handle es sich um einen Spion. In der Folge mussten zwei russische Diplomaten Amerika verlassen.

Anna Chapman und andere russische «Schläfer» 2010 vor Gericht. (Bild: Keystone)
Anna Chapman und andere russische «Schläfer» 2010 vor Gericht. (Bild: Keystone)

Das Bild der rothaarigen Anna Chapman ging 2010 um die Welt. Zusammen mit neun anderen russischen Spionen wurde sie in den USA verhaftet. Die «Schläfer» waren Jahre zuvor ins Land eingeschleust worden. Erfolgreich waren sie in ihrer Spionagearbeit jedoch nicht. Nach ihrer Enttarnung wurden sie gegen vier russische Gefangene ausgetauscht, die wegen Spionage für die USA beziehungsweise Grossbritannien verhaftet worden waren. Für Chapman hat sich der Abstecher in die USA gelohnt. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat wurde sie zur gefeierten Berühmtheit.

An einer Modeschau in Moskau: Anna Chapman. (22. März 2012)
An einer Modeschau in Moskau: Anna Chapman. (22. März 2012)

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