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Rockaway, alleingelassen

Die Supermärkte sind verbarrikadiert, Anwohner verpflegen sich in der Suppenküche. Ein Jahr nach Wirbelsturm Sandy sucht man auf der Rockaway-Halbinsel in New York vergeblich nach Normalität.

Ohne Läden ist der Alltag für die Anwohner kompliziert geworden: Der verbarrikadierte Supermarkt am Rockaway Beach Boulevard. (24. Oktober 2013)
Ohne Läden ist der Alltag für die Anwohner kompliziert geworden: Der verbarrikadierte Supermarkt am Rockaway Beach Boulevard. (24. Oktober 2013)
AFP
20 Prozent der Antwohner leben unterhalb der Armutsgrenze: Gratisopened a free health clinic in Rockaway, Queens.
20 Prozent der Antwohner leben unterhalb der Armutsgrenze: Gratisopened a free health clinic in Rockaway, Queens.
AFP
Ein Schild verspricht Geschädigten Hilfe.
Ein Schild verspricht Geschädigten Hilfe.
AFP
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Auch ein Jahr nach Hurrikan Sandy sind die Wunden auf den Rockaways im Stadtteil Queens noch nicht verheilt. Auf der langgezogenen Halbinsel im äussersten Südosten der US-Metropole New York sind Supermärkte mit Sperrholz verbarrikadiert, Wohnhäuser notdürftig wieder hergerichtet und Suppenküchen weiter eine Anlaufstelle für Menschen, die bei dem zerstörerischen Wirbelsturm ihr Hab und Gut verloren haben. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung lebt in dem Stadtteil unterhalb der Armutsgrenze. Die glitzernden Wolkenkratzer von Manhattan scheinen hier Lichtjahre entfernt.

«Die Leute müssen den Bus nehmen, wenn sie frische Lebensmittel kaufen wollen», sagt Noah Barth, der für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in den Rockaways tätig ist. «Die Versorgung ist hier weiter ein grosses Problem, mit ernsten Folgen für die Gesundheit.» Margaret Lacy Cunningham, die in einem der Wohnsilos am äussersten Rand der Rockaways wohnt und im Rollstuhl sitzt, beklagt die Einöde seit dem Durchzug von Sandy. Der Alltag sei viel komplizierter geworden, sagt sie. «Wir brauchen einen Supermarkt. Wir brauchen ein Restaurant, wo Leute sitzen und reden können.»

Mindestens 159 Tote

Am Abend des 29. Oktober 2012 erreichte Sandy die Ostküste der Vereinigten Staaten, zuvor sorgte der Hurrikan bereits in der Karibik für tödliche Verwüstungen. Das Unwetter trifft in New Jersey mit voller Wucht auf Land und verwandelt die Küstengebiete des US-Bundesstaates in ein Katastrophengebiet. Auch in der Millionenmetropole New York herrscht Ausnahmezustand: Wasser fliesst durch Strassen und U-Bahnschächte, durch die Explosion eines Umspannwerks sitzen in Manhattan hunderttausende Menschen im Dunkeln.

Erst am nächsten Tag wird das ganze Ausmass der Verheerungen sichtbar: Strandpromenaden und Strassen sind unterspült, Häuser eingestürzt, Autos weggeschwemmt. Der Wahlkampf zwischen Präsident Barack Obama und dem republikanischen Herausforderer Mitt Romney kommt wenige Tage vor dem Urnengang für kurze Zeit zum Erliegen.

Nach Schätzungen der Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten sterben durch Sandy mindestens 159 Menschen. Der Hurrikan verursacht Schäden in Höhe von mehr als 65 Milliarden Dollar. Mindestens 650'000 Häuser werden beschädigt oder zerstört, etwa 8,5 Millionen Menschen sind zeitweise ohne Strom.

Soziale Probleme noch grösser

Auf den Sturm folgt eine Welle der Solidarität. Auch in die Rockaways kommen damals Freiwillige aus dem ganzen Land, um bei der Verteilung von Kleidung und Nahrung zu helfen. «Wir haben insgesamt rund 80'000 Mahlzeiten verteilt,» erinnert sich Pastor Les Mullings, der einer Kirchengemeinde in dem Stadtteil vorsteht. Doch eine langfristige Verbesserung lässt auf sich warten. Schon vor Sandy sei die Lage schwierig gewesen, sagt Mullings. «Alle sozialen Probleme, die wir seit Jahren haben, sind durch Sandy vergrössert worden.»

Die Hilfsgelder vom Staat haben in den Augen des Pastors nicht viel gebracht. Familien, die zuvor von 800 Dollar im Monat gelebt hätten, hätten plötzlich Anspruch auf eine Einmalzahlung von bis zu 50'000 Dollar gehabt. «Ohne angemessene Aufsicht», sagt Mullings. Nicht wenige Hilfsempfänger hätten sich neue Autos oder Schmuck gekauft. «Jetzt ist das Geld weg», erzählt der Pastor. Einige stünden nun wieder bei der Lebensmittelausgabe seiner Kirche in der Schlange.

AFP/kpn

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