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Romney startet millionenschwere Kampagne gegen Gingrich

Der republikanische Präsidentschaftsanwärter Mitt Romney lag bisher gegen Newt Gingrich klar in Rücklage. Nun sind seine Umfragewerte sprunghaft angestiegen – dank einer Kampagne.

Machen das Rennen wohl unter sich aus: Mitt Romney (links) und Newt Gingrich bei einer gemeinsamen TV-Debatte am 15. Dezember 2011.
Machen das Rennen wohl unter sich aus: Mitt Romney (links) und Newt Gingrich bei einer gemeinsamen TV-Debatte am 15. Dezember 2011.
Keystone

Zwei Wochen vor den ersten Vorwahlen zur Nominierung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten in den USA gerät der bislang aussichtsreichste Bewerber Newt Gingrich zunehmend unter Druck. Anhänger seines Konkurrenten Mitt Romney schalteten in den vergangenen Tagen Anzeigen im Wert von über einer Million Dollar, in denen der ehemalige Präsident des US-Repräsentantenhauses Gingrich als kühler Politprofi dargestellt wird.

Wie der «San Francisco Chronicle» schreibt, nimmt die Kampagne vor allem auf Gingrichs Vergangenheit ab 1999 Bezug, als er als Politikberater und TV-Kommentator waltete und gleichzeitig hohe Geldbeträge der Hypotheka bank Freddie Mac in Empfang nahm. Es soll sich um Beträge in der Höhe von 1,6 bis 1,8 Millionen Dollar gehandelt haben, die Gingrich für eine umstrittene «strategische Beratung» erhielt. Gingrich reagierte umgehend auf die Kampagne: «Es ist enttäuschend, ‹Freunde› zu haben, die solche Unwahrheiten über mich verbreiten», sagte er gestern.

Romney im Umfragehoch

Die Anzeigen wirkten sich sogleich positiv auf Romneys Beliebtheit aus: Eine gestern veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup sah die Zustimmungswerte für Gingrich unter republikanischen Wählern bei 26 Prozent. Am 8. Dezember hatte er noch bei 37 Prozent gelegen. Romneys Umfragewerte lagen fast unverändert bei 24 Prozent.

Eine Umfrage des TV-Senders CNN prognostiziert gar, dass die beiden Kandidaten momentan gleichauf liegen. Demnach fallen Romney und Gingrich je 26 Prozent der Wähleranteile zu.

Imagekorrektur mittels TV-Auftritt

Gleichzeit versucht der Mormone Romney sein konservatives Image zu korrigieren. Seine stets etwas hölzern wirkenden Wahlkampfauftritte zeigten ihn als besonnenen und abgewogenen, aber eben auch etwas langweiligen Präsidentschaftskandidaten. Die US-Medien kreideten ihm stets an, dass er nicht aus seiner Haut kann.

Mit seinem Auftritt in der TV-Show von David Lettermann am letzten Samstag wollte er das Gegenteil beweisen und setzte dabei auf die Karte Selbstironie. Seine vielbeachtete, silberne Haarmatte entlarvte er mit einem Augenzwinkern als «Perücke» und fügte sogleich an, dass es Zeit sei, einen Präsident zu haben, der wie ein «Spielshow-Moderator aus den 70er-Jahren» aussehe. Ob Romney mit dieser Charmeoffensive in der Wählergunst weiter steigt, bleibt abzuwarten. Das Publikum jedenfalls lächelte und applaudierte brav.

Gingrich mit Vorteil gegenüber Obama

Zwei Wochen vor der ersten Vorwahl in Iowa hat Romney definitiv Boden gut gemacht. Das zeigt auch eine weitere Umfrage der Nachrichtenagentur AP, die besagt, dass der ehemalige Gouverneur von Massachusetts auch im direkten Vergleich mit Barack Obama gut im Rennen liegt – nämlich gleichauf. Bei seinem Gegenkandidat sieht es diesbezüglich weniger gut aus: Gegen Gingrich führt der Präsident mit 51 zu 42 Prozent.

Mit dem sogenannten Caucus im US-Staat Iowa beginnen am 3. Januar kommenden Jahres die Vorwahlen der Republikaner. Das Ergebnis gilt als richtungsweisend für die folgenden Abstimmungen über den Präsidentschaftskandidaten.

Christliche Interessengruppe kritisiert Gingrich wegen Scheidungen

Gingrich kann sich jedoch mittlerweile selbst seiner konservativen Basis nicht mehr sicher sein. Wegen seiner zwei Scheidungen rief eine christliche Interessengruppe aus Iowa konservative Wähler auf, Gingrich die Unterstützung zu entziehen.

Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zur Wahlkampffinanzierung hatte sich die Intensität der politischen Kampagnen in den USA zuletzt deutlich verschärft. Privatpersonen, Verbände und Unternehmen dürfen den Kandidaten nun Spenden in unbegrenzter Höhe zukommen lassen und so deren Wahlkampf unterstützen.

Gingrich hatte das Urteil scharf kritisiert und angekündigt, die beteiligten Richter notfalls zwangsweise von US-Marshals vorführen zu lassen, sollten sie einer Ladung vor den Kongress nicht folgen. Romney sprach sich im Fernsehsender Fox gegen einen solchen Schritt aus. Die Justizvollzugsbehörden gegen Richter einzusetzen, sei weder verfassungsgemäss noch praktikabel.

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