Ronaldinho spielt jetzt ultra-rechts aussen

Die Sport-Ikone ist im Gespräch als Kandidat für die Senatswahlen in Brasilien – für eine ultrarechte Partei. Schon andere frühere Fussballstars machten politische Karriere. Ein Überblick.

Glanzvolle Fussballerkarriere: Ronaldinho.

Glanzvolle Fussballerkarriere: Ronaldinho. Bild: Reuters

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Ronaldo de Assis Moreira, bestens bekannt als Ronaldinho, war einer der ganz Grossen des Weltfussballs. Seit seinem letzten Engagement bei Fluminense Rio de Janeiro im Jahr 2015 lässt der 37-jährige seine Karriere als Futsal-Spieler in Indien ausklingen. Nächstes Jahr ist für den zweimaligen Weltfussballer und Weltmeister 2002 endgültig Schluss mit Fussball, wie das Newsportal «Goal» Anfang Dezember berichtete. Ronaldinho wurde mit folgender Aussage zitiert: «Wenn ich dann den Fussball hinter mir gelassen habe, konzentriere ich mich auf meine Musikprojekte und meine Fussballschulen.»

Medienberichte aus Brasilien sorgen nun für Aufsehen und Aufregung: Ronaldinho möchte für eine ultrarechte Partei kandidieren und sich im Bundesstaat Minas Gerais im kommenden Oktober als Senator aufstellen lassen. Der einstige Star von Paris St. Germain, FC Barcelona und AC Milan ist laut Medienberichten angetan von den Ideen des Rechtspopulisten Jair Messias Bolsonaro. Dieser wird auch als «Trump Brasiliens» bezeichnet. Voraussetzung für eine Kandidatur von Ronaldinho ist allerdings die Wahl von Bolsonaro im März zum Vorsitzenden der neu zu gründenden Patriotischen Partei.

Bolsonaro will bei der Präsidentenwahl 2018 antreten. Laut neuesten Umfragen liegt er auf Platz 2 hinter dem früheren Präsidenten Lula, der trotz Korruptionsskandalen erneut für das höchste Staatsamt antreten wird. Bolsonaro ist ein umstrittener Politiker, weil er zum Beispiel Sympathien für die frühere Militärdiktatur äusserte. Zudem fiel er durch homophobe, frauenfeindliche und sexistische Aussagen auf. Ronaldinho hat offensichtlich keine Berührungsängste mit Homo-Hassern. Für ein Foto posierte Ronaldinho mit dem tschetschenischen Despoten Ramsan Kadyrow.

Ronaldinho Gaúcho, wie er in Brasilien genannt wird, äusserte sich nicht zu den Medienberichten. Zu Wort meldete sich jedoch sein Bruder Roberto Assis, der auch Manager des früheren Fussballstars ist. Ronaldinho werde derzeit von mehreren Parteien umworben. Die Meldungen über eine Senatskandidatur würden aber nicht zutreffen. Das seien alles Spekulationen.

Romario und Pele

Ronaldinho wäre in sehr guter Gesellschaft, wenn er als Ex-Fussballstar in die Politik gehen würde. Zwei andere Fussball-Ikonen Brasiliens machten bereits politische Karriere. Romario, Weltfussballer und Weltmeister von 1994, war 2011 für die Sozialisten in die Abgeordnetenkammer Brasiliens gewählt worden. Letztes Jahr wollte er für das Bürgermeisteramt von Rio de Janeiro kandidieren, zog dann aber seine Bewerbung zurück. Seit zwei Jahren ist der frühere Goalgetter von Brasilien und des FC Barcelona Mitglied des Senats im Bundesstaat Rio de Janeiro.

Politiker war auch Pele, der vielleicht beste Fussballer aller Zeiten. Der dreifache Weltmeister (1958, 1962, 1970) amtete von 1995 bis 1998 als Sportminister unter dem Staatspräsidenten Fernando Henrique Cardoso. Die nach ihm benannte Lex Pele war zwar ein Fortschritt im Kampf gegen Korruption und Leibeigenschaft im Fussball. In seiner Ministerzeit vermarktete er jedoch hemmungslos seinen Heldenstatus. Dazu kam der Umgang mit zwielichtigen Funktionären von Fifa und brasilianischem Fussballverband. All dies schadete dem Image des heute 77-jährigen Pele.

Politiker nach Fussballerkarriere

Insgesamt sind es wenige Fussballstars, die auch als Politiker eine respektable Karriere machten. Dazu zählt etwa George Weah, «Afrikas Fussballer des Jahrhunderts», der 2005 für das Amt des Staatspräsidenten von Liberia kandidierte. Der Volksheld scheiterte erst in der Stichwahl gegen die spätere Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson Sirleaf. Seit zwei Jahren gehört Weah dem Senat von Liberia an.

Weah hatte in Europa für die AC Milan gespielt, wie auch Kacha Kaladse, der in seiner Heimat in die Politik ging und eine Blitzkarriere machte. Kaladse, zweifacher Gewinner der Champions League, beteiligte sich 2012 an der Gründung des Parteienbündnisses Georgischer Traum. Im Kabinett von Premierminister Bidsina Iwanischwili wurde Kaladse im Jahr 2012 Vizepremier und Minister für Energie und Naturressourcen.

Mit Gianni Rivera war ein weiterer Milan-Spieler erfolgreich in der Politik. Er begann bei den Christdemokraten und wechselte in den 1990er-Jahren zum Wahlbündnis «L’Ulivo». Von 1996 bis 2001 diente er in der Regierung von Romano Prodi als Unterstaatssekretär im Verteidigungsministerium. Von 2005 bis 2009 gehörte Rivera dem Europäischen Parlament an. Rivera hatte in den 1960er-Jahren für die AC Milan und die Squadra Azzurra gespielt. Er wurde Europameister und Vizeweltmeister. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.12.2017, 15:14 Uhr

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