Russische «Agentin» bekennt sich schuldig

Sie unterwanderte konservative US-Zirkel und die Waffenlobby. Nun erhält Maria Butina wohl eine Gefängnisstrafe.

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Eine junge Russin hat vor der US-Justiz gestanden, als «Agentin» ihres Heimatlandes konservative Zirkel der Vereinigten Staaten unterwandert zu haben. Die 30-jährige Maria Butina bekannte sich am Donnerstag vor einem Bundesgericht in Washington einer entsprechenden «Verschwörung» gegen die USA schuldig.

Butina hatte enge Kontakte zur Waffenlobby NRA geknüpft und auch in hochrangigen Kreisen der Republikanischen Partei von Präsident Donald Trump verkehrt. Ihr Schuldplädoyer legte sie nun im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung mit der Staatsanwaltschaft ab.

Die Strafe für die Russin wurde noch nicht verkündet. Die Strafverfolger empfahlen bis zu ein halbes Jahr Haft. Nach Verbüssen ihrer Strafe wird Butina wohl nach Russland abgeschoben. Sie befindet sich bereits seit Juli im Gefängnis.

Fianziert vom Vizepräsident der Zentralbank

Nach Angaben der Ermittler knüpfte Butina ihre Kontakte zu den Republikanern in der Absicht, Einfluss auf die US-Aussenpolitik zu nehmen. Sie habe seit März 2015 den Plan verfolgt, «inoffizielle Kommunikationswege mit Amerikanern herzustellen, die Macht und Einfluss auf die US-Politik ausüben».

Für dieses Ziel nutzte sie den Angaben zufolge auch ihre Beziehung zu dem republikanischen Politikberater und NRA-Mitglied Paul Erickson, mit dem sie in Washington zusammenlebte. Ihr 26 Jahre älterer Liebhaber führte sie in die republikanischen Kreise ein.

Angeleitet und finanziert wurde Butina nach Erkenntnissen der US-Ermittler teilweise von Alexander Torschin, der Vizepräsident der russischen Zentralbank ist und Staatschef Wladimir Putin nahe steht.

Beziehung war nur ein «notwendiger Aspekt»

Butina reiste mehrfach in die USA, bevor sie sich dann 2016 mit einem Studentenvisum in der Hauptstadt niederliess. Dort machte sie an der American University einen Masters-Abschluss in internationalen Beziehungen. An der Uni erzählte sie relativ offen herum, dass sie eine Putin-Connection habe.

Über ihr Zusammenleben mit Erickson äusserte sich Butina in beschlagnahmten Dokumenten abschätzig, wie ein Ermittler der Bundespolizei FBI berichtete. Die Beziehung sei für sie nur ein «notwendiger Aspekt ihrer Aktivitäten» gewesen. Erickson bot einem Gerichtsdokument zufolge Anfang 2016 einem Mitarbeiter der Trump-Wahlkampagne an, ein Treffen zwischen dem Präsidentschaftsbewerber und Putin mit Hilfe Torschins zu arrangieren.

Der Fall der jungen Russin hat in den USA viel Aufmerksamkeit erweckt, auch wegen ihrer schillernden Erscheinung. Die rothaarige Frau posierte auf Fotos in den Online-Netzwerken mit Schnellfeuergewehren und anderem Schiessgerät, auf manchen trägt sie dazu einen Cowboyhut.

In US-Medien wurden Parallelen zu Anna Chapman gezogen, der 2010 in den USA aufgeflogenen - und ebenfalls rothaarigen - russischen Spionin. Auch Torschin zog diesen Vergleich: «Fragen Deine Verehrer schon nach Deinem Autogramm? Du hast Anna Chapman die Schau gestohlen», schrieb er einem Gerichtsdokument zufolge an sie.

Der Fall Butina reiht sich in die weitverzweigten Nachforschungen der US-Justiz zu versuchten russischen Einflussnahmen auf die US-Politik und den Wahlkampf 2016 ein. Dabei geht es unter anderem um den Verdacht, dass es illegale Absprachen zwischen Trump-Mitarbeitern und Moskau gegeben haben könnte. (nlu/afp)

Erstellt: 13.12.2018, 20:11 Uhr

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