Saboteure für die Reps

Hat Moskau für Donald Trump gehackt? Es wäre nicht das erste Mal, dass eine ausländische Macht einem republikanischen Kandidaten geholfen hat.

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Unverändert kontrovers wird in Washington debattiert, ob und wie Russland die amerikanische Präsidentschaftswahl durch das Hacken demokratischer Computerdaten zugunsten Donald Trumps manipuliert hat. Obwohl Präsident Obama wegen der angeblichen russischen Cyberangriffe neue Sanktionen gegen Moskau verhängt hat und FBI und CIA den Kreml für die Angriffe verantwortlich machen, sträuben sich Trump und seine Berater gegen Untersuchungen im Kongress. Es existierten «keine Beweise», dass Moskau «tatsächlich die Wahl beeinflusst habe», wiegelte etwa Trumps designierter Pressesprecher Sean Spicer am Sonntag ab.

Wirklich bewiesen ist bislang tatsächlich nichts, auch dürfte nicht helfen, dass Medien in Europa und den USA einem offenbar falschen Bericht der «Washington Post» aufsassen, wonach ein Kraftwerk im Staat Vermont von russischen Hackern attackiert worden sei. Falls Moskau aber dennoch versucht hätte, das Ergebnis der US-Wahlen zu beeinflussen, und dazu von Mitarbeitern Trumps ermuntert worden wäre: Es wäre das dritte Mal seit 1968, dass ein republikanischer Präsidentschaftskandidat durch Kungelei mit ausländischen Kräften versucht hätte, sich einen Vorteil bei einer Präsidentschaftswahl zu verschaffen.

Fast ging im Wirbel um Wladimir Putins angebliche Einflussnahme unter, dass am Dienstag erstmals ein klarer Beweis für die verräterischen Machenschaften Richard Nixons bei der Präsidentschaftswahl 1968 vorgelegt wurde. Schon lange war bekannt, dass Mitarbeiter des republikanischen Kandidaten Präsident Lyndon Johnsons Pariser Friedensverhandlungen zur Beilegung des Vietnamkriegs sabotieren wollten. Nicht wirklich nachweisbar aber war, ob Nixon persönlich in das Komplott verwickelt war.

Nixons Sabotage bewiesen

Jetzt gibt es daran keinen Zweifel mehr: Bei seinen Recherchen für eine im März erscheinende Biografie Richard Nixons stiess der Historiker John Farrell in der Nixon-Bücherei in Kalifornien auf Aufzeichnungen eines Telefonats zwischen Nixon und seinem späteren Stabschef H.R. Haldeman, die eindeutig belegen, dass der republikanische Präsidentschaftskandidat von der Sabotage wusste und sie sogar angeordnet hatte.

Laut Haldemans Mitschrift wies Nixon an, die Verhandlungen Johnsons mit Nord- wie Südvietnam durch «Querschüsse» zu behindern und zu diesem Zweck auf Südvietnams Präsidenten Nguyen Van Thieu einzuwirken. Um Johnson einen Verhandlungserfolg zu verwehren und die Wahl gegen den Demokraten Hubert Humphrey zu gewinnen, wollte das republikanische Team Thieu bewegen, die Pariser Gespräche zu boykottieren. Wenn er abwarte, bis Nixon die Wahl gewonnen habe, winke ihm ein besserer Deal, wurde Thieu versprochen. Als geheime Vermittlerin zwischen Thieu und Nixon fungierte Anna Chennault, die Witwe des US-Generals und Kriegshelden Claire Chennault.

Johnson wusste von Nixons Umtrieben, weil die Telefone von Chennault und dem südvietnamesischen Botschafter in Washington von der NSA abgehört wurden: Kurz vor der Wahl telefonierte der Präsident mit dem republikanischen Senator Everett Dirksen und warnte ihn, Nixon betreibe «Hochverrat». Nixons Verhalten sei «möglicherweise schlimmer gewesen als alles, was er bei Watergate gemacht hat», sagte John Farrell der «New York Times». Die Verhandlungen in Paris scheiterten, Hunderttausende Menschen starben, ehe der Vietnamkrieg 1975 beendet wurde.

Geheime Verhandlungen mit dem Iran

1980 wiederholte sich die Geschichte: Diesmal war es Ronald Reagans Wahlkampfmanager und späterer CIA-Direktor William Casey, der hinter dem Rücken von Präsident Jimmy Carter geheime Verhandlungen mit Abgesandten des iranischen Khomeini-Regimes aufnahm.

Ziel war es, Carters Bemühungen zur Freilassung der US-Diplomaten, die nach der Erstürmung der amerikanischen Botschaft in Teheran 1979 als Geiseln festgehalten wurden, zu torpedieren und zu verhindern, dass die Diplomaten kurz vor der US-Präsidentschaftswahl 1980 entlassen wurden. Obschon diverse Republikaner den Vorgang seit Jahrzehnten vehement abstreiten, gibt es inzwischen kaum Zweifel daran, dass Casey tatsächlich «im Trüben fischte», wie ein Untersuchungsbericht des US-Senats festhielt.

Falls sich Wladimir Putin wirklich für Donald Trump verwendet hätte und deshalb die Computer des Demokratischen Nationalkomitees sowie das E-Mail-Konto von Hillary Clintons Wahlkampfvorsitzendem John Podesta hacken liess, hätte Trump wie Reagan und Nixon vor ihm von Mauscheleien mit ausländischen Mächten profitiert. Zu seiner Verteidigung weist Trump darauf hin, dass der Befund von CIA und FBI nicht unbedingt das letzte Wort sei: Schliesslich hätten US-Dienste 2002 bekanntlich behauptet, Saddam Hussein besitze Massenvernichtungswaffen. Zumal Präsident Obama bisher nicht wirklich überzeugende Beweise für die Verwicklung Moskaus in den US-Wahlkampf vorgelegt habe.

Andererseits glauben auch republikanische Senatoren, darunter John McCain sowie Mehrheitsführer Mitch McConnell, dass die vermeintliche Einflussnahme Putins untersucht werden müsse, um Klarheit zu schaffen. Trump kann daran nicht gelegen sein: Selbst wenn sich der Verdacht verflüchtigte, besteht die Gefahr, dass womöglich finanzielle Verwicklungen des neuen Präsidenten in Russland publik werden und ihm schaden könnten. Trump behauptet, er wisse mehr zu dem Thema und werde sich in Kürze dazu äussern. Man darf darauf gespannt sein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.01.2017, 21:44 Uhr

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