«Sagt Katar ab und bezahlt die Frauen»

Die erfolgreichen US-Fussballerinnen symbolisieren den politischen Aufbruch der Amerikanerinnen. Und sie stehen für weitere Forderungen.

Nicht «nur» Fussball: Morgan Rapinoe & Co. fordern Verband und Politik heraus. (Reuters/Denis Balibouse/7. Juli 2019)

Nicht «nur» Fussball: Morgan Rapinoe & Co. fordern Verband und Politik heraus. (Reuters/Denis Balibouse/7. Juli 2019)

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Der Triumph der amerikanischen Fussballerinnen bei der WM in Frankreich ist mehr als nur ein Sieg in einem Sport, der in den USA immer populärer wird: Indem das US-Frauenteam die ungleiche Bezahlung von weiblichen und männlichen Fussballern angeprangert hat, sendet es ein Signal, das weit über die Welt des amerikanischen Fussballs hinausreicht. Es war also nicht weiter verwunderlich, dass beim Endspiel am Sonntag in Lyon auf den Tribünen Sprechchöre erschallten, in denen «gleiche Bezahlung» verlangt wurde.

Obwohl sich US-Fussballer nicht gerade mit sportlichen Erfolgen hervorgetan haben, erhalten sie vom Verband wesentlich mehr Geld und Unterstützung als das Frauen-Team, das immerhin vier Weltmeisterschaften gewonnen hat. «Diese Diskussion muss jetzt auf die nächste Ebene rücken», forderte Megan Rapinoe, der Star des US-Teams: «Zu fragen ‹sind wir das wert, sollten wir gleiche Bezahlung haben, ist der Markt für Frauen und Männer gleich?› – das ist vorbei, die Fans wollen das nicht mehr und die Spielerinnen auch nicht».

Republikaner gegen neues Gesetz ab

Im März hatten die Fussballerinnen Klage eingereicht gegen ihre schlechtere Bezahlung durch den US-Fussballverband – und im selben Monat hatte die demokratische Mehrheit im Washingtoner Repräsentantenhaus ein Gesetz verabschiedet, das die Bezahlung von Frauen in der Arbeitswelt verbessern soll. Unter anderem sieht das Gesetz vor, dass Arbeitgeber künftig begründen müssen, warum sie weiblichen Angestellten für die gleiche Arbeit weniger zahlen als männlichen.

Lediglich sieben von 199 republikanischen Abgeordneten aber votierten für die Vorlage. Die republikanische Mehrheit im Senat wird dem Gesetz daher kaum wie erforderlich zustimmen: Viermal seit 2012 haben die Republikaner entsprechende Vorstösse abgelehnt, auch jetzt dürfte das Gesetz des Repräsentantenhauses im Senat beerdigt werden.

Frauen laufen Republikanern davon

Ob Zugang zu Verhütungsmitteln, ob die Bewahrung der seit 1973 höchstrichterlich verfügten Abtreibungsfreiheit, ob gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit oder andere Anliegen von US-Frauen, darunter verstärkte Kontrolle von Schusswaffen und mehr Umweltschutz: Die Republikanische Partei ist zu einem Bollwerk des Status quo geworden – und sie zahlt dafür einen politischen Preis: Bei den Kongresswahlen 2018 stimmten 59 Prozent der Wählerinnen für die Demokraten, nur 40 Prozent für Donald Trumps Partei.

Besser ausgebildete Frauen sowie junge Amerikanerinnen sind den Republikanern seit 2016 in Scharen davongelaufen, besonders für sie ist der Sieg des US-Teams in Frankreich ein Ansporn. Denn sie teilen die Forderung der Fussballerinnen nach gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit und deren Abneigung gegen Donald Trump. Der Präsident war sich am Sonntag unschlüssig, ob er angesichts der erwarteten Absage vieler Fussballerinnen das US-Team überhaupt ins Weisse Haus einladen möchte. «Wir haben uns darüber noch keine Gedanken gemacht», so Trump.

Kontrast zur WM 2022

Die Atmosphäre der Frauen-WM in Frankreich und die Begeisterung in den Stadien hat in den USA überdies für einen Kontrast zur geplanten Fussball-WM der Männer im November und Dezember 2022 in Qatar gesorgt. Während offen lesbische Spielerinnen in Frankreich unbesorgt auftraten und wie Megan Rapinoe sogar gefeiert wurden, bestraft Qatar Homosexualität mit Gefängnis.

Die Weltmeisterschaft am Persischen Golf sei ein «Festival der Korruption und des Todes», befand der US-Publizist Franklin Foer auf dem Webportal The Atlantic mit Blick auf die umstrittene Vergabe der Weltmeisterschaft an Katar sowie die Todesfälle unter ausländischen Arbeitern beim Bau der Stadien. «Sagt Katar ab und bezahlt die Frauen», lautete Foers Fazit.

Erstellt: 09.07.2019, 18:28 Uhr

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