Schlammschlacht um Bezos' Intimfotos

Der Sex-Skandal um Jeff Bezos zieht immer weitere Kreise: Der Amazon-Boss meldet einen Erpressungsversuch. Ist Saudiarabien darin verwickelt?

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Der reichste Mann der Welt, ein Sex-Skandal mit politischen Hintergründen – und jetzt offenbar ein Erpressungsversuch: In einem Blogpost auf dem Webportal Medium hat Amazon-Besitzer Jeff Bezos am Donnerstag das amerikanische Regenbogenblatt National Enquirer und dessen Besitzer American Media Inc. (AMI) beschuldigt, ihn erpressen zu wollen.

Das Blatt hatte im Januar intime SMS-Texte von Bezos an seine Geliebte Lauren Sanchez zusammen mit Fotos des Paars veröffentlicht. Kurz zuvor hatten Bezos und seine Ehefrau McKenzie bekanntgegeben, dass sie sich scheiden lassen werden.

Der Besitzer von AMI, David Pecker, ist ein langjähriger Freund von Präsident Trump. Im August 2018 hatten ihm US-Staatsanwälte Immunität zugesichert, um die Rolle des National Enquirer bei einer nicht veröffentlichten Geschichte über eine angebliche Affäre Trumps mit dem Playboy-Model Karen McDougal aufzuklären. Das Blatt hatte Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016 unterstützt und nach Aussagen ehemaliger Mitarbeiter negative Stories über Trump aufgekauft und in einem Safe aufbewahrt.

Man werde notfalls intime Fotos von Bezos und Sanchez veröffentlichen, darunter «ein Selfie unter der Gürtellinie»Drohung des «Enquirer»

Die Beziehung zwischen dem Präsidenten und Jeff Bezos ist seit geraumer Zeit problematisch: Trump neidet dem Amazon-Mogul offenbar seinen Reichtum, auch bringt die von Bezos 2013 gekaufte Zeitung «Washington Post »den Präsidenten mit ihrer kritischen Berichterstattung regelmässig zur Weissglut.

Bezos startete Ermittlungen

Kaum hatte der «National Enquirer» seine Schmutzgeschichte über Bezos veröffentlicht, meldete sich Trump zu Wort: Der Amazon-Besitzer sei «von einem Konkurrenten abgeschossen worden, dessen Berichterstattung weitaus sorgfältiger ist als die der Lobbyisten-Zeitung ‹Amazon Washington Post›».

Video: Amazon-Gründer trennt sich von seiner Frau

Jeff Bezos und seine Frau haben Im Januar ihre Scheidung bekannt gegeben. Das Ex-Paar hat vier Kinder. Video: Reuters

Nach der Publizierung der Enquirer-Story hatte Bezos umgehend den renommierten Sicherheitsexperten Gavin de Becker und dessen Team angeheuert, um herauszufinden, wie die SMS-Texte in den Besitz von AMI gelangt waren. Der Verdacht fiel zunächst auf den Bruder von Lauren Sanchez, einen Anhänger Donald Trumps und Freund des republikanischen Tricksters und Trump-Vertrauten Roger Stone. Der Bruder wies dies zurück, berichtete jedoch, laut Insidern beim «Enquirer» hätte Pecker den Amazon-Boss düpieren wollen, «um Trump glücklich zu machen».

Offenbar erregte die Investigativ-Arbeit von de Becker sowie dessen Vermutung, hinter der Sex-Story steckten politische Implikationen und womöglich sogar eine Verbindung zu Saudiarabien, zusehends den Unmut von AMI und Pecker: In einer Serie von Mails an de Beckers Anwalt Martin Singer drohte AMI mit Vergeltungsmassnahmen, wenn Bezos und sein Team ihre Ermittlungen nicht einstellten. Die Recherchen des National «Enquirer» seien nicht politisch motiviert oder von «externen Kräften» bestimmt und anderslautende Behauptungen deshalb eine Diffamierung.

Drohungen des «Enquirer»-Chefredaktors

Falls Bezos nicht nachgebe, müsse er mit Konsequenzen rechnen, so ein AMI-Anwalt. Dylan Howard, der Chefredaktor des «National Enquirer», präzisierte diese Drohung in einem weiteren Mail: Man werde notfalls intime Fotos von Bezos und Sanchez veröffentlichen, darunter «ein Selfie unter der Gürtellinie».

Ausschnitt aus der E-Mail des Enquirer-Chefredaktors an Bezos Team. Quelle: Medium

Statt einzuknicken aber ging Bezos in die Offensive: «Wenn sich jemand in meiner Stellung nicht gegen diese Art der Erpressung wehren kann, dann kann sich niemand dagegen wehren», schrieb er in seinem Blogpost – und stellte die Mails von Howard und AMI ins Netz. «Statt zu kapitulieren und der Erpressung nachzugeben, habe ich mich entschlossen, trotz der persönlichen Belastung und der angedrohten Schande zu veröffentlichen, was mir zugesendet wurde», schrieb Bezos. «Aus Gründen, die noch nicht ganz klar sind, scheint der Bezug auf Saudiarabien einen besonderen Nerv getroffen zu haben», so Bezos weiter.

Mögliche Verbindungen nach Saudiarabien

Tatsächlich war nach dem Erscheinen der «Enquirer»-Story über Sanchez und Bezos in Washington spekuliert worden, Pecker habe nicht nur Präsident Trump, sondern auch den Saudis einen Dienst erweisen wollen: Die Washington Post war nach dem von saudischen Killern verübten Mord an dem Kolumnisten Jamal Khashoggi im Oktober 2018 in Istanbul besonders hart mit dem Königreich und seinem umstrittenen Machthaber und Kronprinzen Muhammad bin Salman ins Gericht gegangen.

Im Frühjahr 2018 hatte AMI zudem eine fast hundertseitige Jubelschrift über Saudiarabien und den Kronprinzen publiziert, die in amerikanischen Supermärkten verkauft wurde. Eine mögliche Verwicklung der Saudis in den Bezos-Skandal könnte überdies klären, wie die SMS-Texte des Amazon-Chefs in den Besitz des National Enquirer gelangten.

Zu allem Überfluss meldete die «New York Times» am Donnerstag unter Berufung auf Gespräche und Telefonate, die offenbar von der NSA und anderen US-Geheimdiensten abgehört wurden, dass sich der saudische Kronprinz bereits 2017 mit dem Gedanken getragen habe, Khashoggi auszuschalten. Für Jeff Bezos gibt es nun jedenfalls kein Zurück mehr: Er ist entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen. Auch US-Strafverfolger haben sich bereits in die Angelegenheit eingeschaltet.

Erstellt: 08.02.2019, 17:52 Uhr

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