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«Schlampiger Steve»

Wegen der wüsten Abrechnung mit Donald Trump wenden sich einflussreiche Verbündete von Stephen Bannon ab. Ihm droht die Bedeutungslosigkeit, er bleibt aber gefährlich für Trump.

Michael Wolffs Trump-Enthüllungsbuch ist jetzt schon ein Bestseller: «Fire and Fury».

Wenn Super-Egos sich streiten, fliegen die Fetzen. Die Vorabveröffentlichungen aus der Generalabrechnung von Stephen Bannon im Buch «Fire and Fury» («Feuer und Wut») hat Donald Trump mit Wut und Wucht zurückgeschlagen. Zunächst erklärte der US-Präsident seinen früheren Chefstrategen für verrückt. Ein paar Tweets später liess Trump verlauten, dass das Buch von Michael Wolff voller Lügen sei, Tatsachen verdrehe und sich auf Quellen beziehe, die nicht existierten. Dabei bezeichnete Trump Bannon, den er im letzten August gefeuert hatte, als «sloppy Steve».

«Schlampiger Steve» ist also der Schmähnamen für Trumps neuen Erzfeind. Es gehört zu Trumps Gewohnheiten, seinen ärgsten Rivalen Schmähnamen zu geben. Hillary Clinton zum Beispiel beschimpfte er als «crooked Hillary», also als unehrlich und kriminell.

Die Enthüllungen aus dem Weissen Haus haben Bannon nicht nur die Verachtung seines einstigen Freundes Trump eingebracht. Bedrohlicher für die politischen Ambitionen Bannons ist die Abwendung von wichtigen Verbündeten, wie die «New York Times» berichtet.

Mercer-Clan distanziert sich von Bannon

So hat sich Rebekah Mercer, eine milliardenschwere Sponsorin der Republikaner, von Bannon distanziert. Sie und ihre Familie hätten seit «vielen Monaten» nicht mehr mit Bannon kommuniziert und seine politische Agenda finanziell nicht gefördert. In einer seltenen Stellungnahme betonte Mercer, dass Bannons jüngste Handlungen und Aussagen nicht unterstützt würden. Mercer stellte sich klar hinter den US-Präsidenten. Die Familie Mercer gehörte zu den einflussreichsten Trump-Unterstützern im Wahlkampf. Und sie hält einen Minderheitsanteil am rechtspopulistischen Newsportal «Breitbart», zu dem Bannon nach seinem Rauswurf im Weissen Haus zurückgekehrt war.

Bilder: Bannon vs. Trump

Steve Bannon verlässt die Internetseite Breitbart. Zuletzt war er wegen seiner Äusserungen im Enthüllungsbuch «Fire and Fury» massiv unter Druck geraten.
Steve Bannon verlässt die Internetseite Breitbart. Zuletzt war er wegen seiner Äusserungen im Enthüllungsbuch «Fire and Fury» massiv unter Druck geraten.
Keystone
Am 5. Januar erschien «Fire and Fury: Inside the Trump White House».
Am 5. Januar erschien «Fire and Fury: Inside the Trump White House».
Evan Vucci, Keystone
Steve Bannon (mit Michael Flynn, 5. von rechts, Jared Kushner, 4. v.r. und Ivanka Trump, 3. v.r.) an einer Medienkonferenz des Präsidenten. (10. Februar 2017).
Steve Bannon (mit Michael Flynn, 5. von rechts, Jared Kushner, 4. v.r. und Ivanka Trump, 3. v.r.) an einer Medienkonferenz des Präsidenten. (10. Februar 2017).
Carolyn Kaster, Keystone
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Bei «Breitbart» ist Bannon als geschäftsführender Verwaltungsratspräsident tätig. Das ist eine Position, die Bannon schon von 2012 bis 2016 innehatte. Das Buch «Fire and Fury» könnte ihm nun den Job kosten. Wie die «Washington Post» berichtet, herrscht bei «Breitbart» grosse Aufregung wegen des Insiderberichts aus dem Weissen Haus. Laut dem Medienbericht laufen Diskussionen zur Frage, ob Bannon von der Spitze des Nachrichtenportals entfernt werden soll.

Der Rückzug von wichtigen Geldgebern und politischen Verbündeten könnte Bannon in die Bedeutungslosigkeit befördern. Dabei hatte der kurzzeitige Chefstratege von Präsident Trump ambitionierte Pläne. «Jetzt bin ich frei», sagte Bannon bei seiner Rückkehr zu «Breitbart». «Ich habe mit «Breitbart» eine verdammte Maschine gebaut. Und mit dem, was ich jetzt weiss, werde ich die Maschine auf Hochtouren bringen.» Und weiter: «Ich habe meine Hände zurück an den Waffen. Ich ziehe für Trump gegen seine Widersacher in den Krieg.» Doch inzwischen liefert er sich einen Krieg mit Trump.

«Bannon spielte nur eine sehr begrenzte Rolle bei unserem historischen Sieg.»

Donald Trump

Trotzdem: Bannon macht erstaunliche Aussagen. «Der Präsident ist ein grosser Mann», sagte Trumps Ex-Chefstratege am Mittwochabend im Radiosender Sirius XM, nachdem der Wirbel um das Enthüllungsbuch ausgebrochen war. «Ich unterstützte ihn tagein, tagaus.» Vielleicht ist Bannon tatsächlich verrückt geworden.

Bannon weiss sehr viel, und er ist unberechenbar

Nach Ansicht vieler Beobachter wäre Trump ohne Bannon niemals Präsident der USA geworden. Der «Breitbart»-Mann war der strategische Kopf hinter der nationalistisch ausgerichteten Wahlkampagne, die den Immobilienmilliardär überraschend ins Weisse Haus brachte. Dass er zum Chefstrategen des Präsidenten gemacht worden war, steht für die grosse Bedeutung, die Bannon – wenn auch nicht sehr lange Zeit – für Trump hatte. Inzwischen behauptet Trump, dass Bannon «nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun. Er spielte nur eine sehr begrenzte Rolle bei unserem historischen Sieg.» Nach dem offenen Bruch mit Trump und seinen Verbündeten wird es für Bannon schwieriger, seinen Kampf gegen das Establishment zu führen.

Selbst wenn er bei «Breitbart» gefeuert werden sollte, wird Bannon ein unangenehmer Feind für Trump bleiben. Bannon weiss sehr viel über Trump. Und er ist unberechenbar. Insiderinformationen können auch über andere Kanäle an die Öffentlichkeit gelangen und der Präsidentschaft Trump weiteren Schaden zufügen.

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