Wie die US-Wirtschaftsbosse für den Klimaschutz kämpfen

Mit allen Mitteln versuchten sie zu verhindern, dass Trump aus dem Klimavertrag von Paris aussteigt. Sie fürchten enorme Verluste.

Die Industrie der Zukunft: Windenergie-Park Tehachapi Pass im US-Bundesstaat Kalifornien.

Die Industrie der Zukunft: Windenergie-Park Tehachapi Pass im US-Bundesstaat Kalifornien. Bild: Getty Images/Ashley Cooper

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«Amerikas bedeutendste Vorstandsvorsitzende bitten Sie, am Pariser Abkommen festzuhalten», heisst es in dem Werbespot, der in den USA seit dieser Woche im Fernsehen läuft. Die Namensliste, die folgt, ist imposant und widerlegt die in Europa oft geäusserte These, die US-Wirtschaft warte nur darauf, die lästigen Vorgaben des Klimaschutzvertrags endlich loszuwerden.

Die Chefs der Grossbank J. P. Morgan, des Unterhaltungsriesen Disney und des Elektroautobauers Tesla haben unterzeichnet. Sie kommen der Umwelt nur selten ins Gehege oder profitieren gar vom Ökoboom. Andere Unternehmen hätte man auf der Liste weniger erwartet: Der Kraftwerksriese General Electric, der Chemiegigant Dow Chemical und der Waschmittelhersteller Procter & Gamble gehören zum Kern der alten US-Industrieelite.

«Regierungen wechseln»

Noch vor 10 oder 15 Jahren wäre eine solch breite Allianz kaum vorstellbar gewesen. Doch die meisten US-Konzerne haben mittlerweile erkannt, wohin die Reise weltweit geht und dass der Trend weg von der Kohle und hin zu erneuerbaren Energien, intelligenten Technologien und mehr Energieeffizienz langfristig nicht aufzuhalten sein wird. Entsprechend haben sie ihre Strategien und Investitionspläne geändert – eine Kurskorrektur, die nach Ansicht von Jeff Eckel, Chef der Energie-Finanzierungsgesellschaft Hannon Armstrong, «unumkehrbar» ist, Trump hin oder her. Oder wie Lynn Good, Chefin des Stromriesen Duke Energy, es kürzlich lapidar ausdrückte: «Regierungen wechseln.»

Selbst Ölriesen wie Exxon Mobil und Conoco Phillips haben beigedreht, sie wittern vor allem im Geschäft mit dem deutlich saubereren Erdgas neue, lukrative Ertragsmöglichkeiten.

Taktisch geschickt packten die Konzernbosse in ihren Anzeigen, Aufrufen und Telefonaten mit dem Weissen Haus Trump bei seinem Kernversprechen: der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Nur ein Festhalten am Pariser Abkommen könne garantieren, dass amerikanische Unternehmen auf wichtigen Zukunftsmärkten in führender Position vertreten seien und international nicht ins Hintertreffen gerieten, heisst es etwa in einer Anzeige, die eine weitere grosse Gruppe von Konzernen vor Trumps Ausstiegs-Entscheid in Tageszeitungen wie der «New York Times» geschaltet hat.

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Und weiter: «Indem es die Märkte für innovative, saubere Technologien erweitert, generiert das Abkommen Jobs und wirtschaftliches Wachstum.» Zu den Unterzeichnern gehören Techriesen wie Apple, Google, Facebook und Microsoft, aber auch viele eher konventionelle Konzerne wie die Bekleidungshersteller Gap und Levi Strauss.

Führende US-Manager wie Apple-Chef Tim Cook haben sich in den vergangenen Tagen noch einmal persönlich darum bemüht, Trump von einem Ausstieg aus dem Vertrag abzuhalten. Tesla-Gründer Elon Musk schrieb im Kurzmitteilungsdienst Twitter, er habe «alles, was ich tun kann», unternommen, um Trump davon zu überzeugen, am Abkommen festzuhalten. Doch so gross und so beeindruckend die Phalanx der Paris-Befürworter in der US-Wirtschaft auch ist – ihr stehen einflusreiche Gegner in Washington entgegen.

Kohleproduzent als Einflüsterer

Nach Informationen des Nachrichtenportals «Politico» haben regierungsinterne Klimaschutzgegner wie Trumps Chefstratege Stephen Bannon und der Chef der Umweltbehörde EPA, Scott Pruitt, in den vergangenen Wochen dafür gesorgt, dass der amerikanische Präsident vor allem die Stimmen von Paris-Kritikern zu hören bekam. Dabei kam Bannon und Pruitt offenbar zugute, dass das eher Paris-freundliche Beraterlager um Trumps Tochter Ivanka und ihren Ehemann Jared Kushner wegen Kushners mutmasslicher Verstrickung in die Russlandaffäre politisch geschwächt ist und mit anderen Dingen beschäftigt war.

Zu denen, die in Managerkreisen eigentlich in der Minderheit sind, auf diesem Wege aber womöglich Gehör fanden, zählt Robert Murray, Chef des Kohleproduzenten Murray Energy. Er erklärte öffentlich, Trump müsse sein Wahlversprechen umsetzen und das Pariser Abkommen aufkündigen. Statt auf liberale Berater, so Murray, sollte der Präsident lieber «auf diejenigen hören, die ihn gewählt haben».

Erstellt: 02.06.2017, 08:18 Uhr

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