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Sie berieten ihren Sohn im Umgang mit Polizisten

Bill de Blasio wird zum Sündenbock für die New Yorker Polizisten. Zwei ihrer Kollegen sind tot. Mitschuldig an der Gewalt soll der Bürgermeister mit umstrittenen Aussagen sein.

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Die Eltern hatten ihren Sohn «geschult», wie er bei Begegnungen mit Polizisten «besonders vorsichtig sein soll»: Das Ehepaar de Blasio zusammen mit Sohn Dante. (Archivbild)
Die Eltern hatten ihren Sohn «geschult», wie er bei Begegnungen mit Polizisten «besonders vorsichtig sein soll»: Das Ehepaar de Blasio zusammen mit Sohn Dante. (Archivbild)
Keystone

Den Zorn der Polizisten zog Bill de Blasio bereits vor einigen Wochen auf sich. Der schwarze Eric Garner starb im Würgegriff eines weissen Polizisten in New York. An einer Pressekonferenz äusserte sich der Bürgermeister zum Entscheid der Geschworenen, den Polizisten nicht vor Gericht zu stellen – und erzählte von seinem schwarzen Sohn. Seine Frau und er hätten den Jungen schon lange über die Gefahren aufgeklärt, denen er sich ausgesetzt sehen könnte. Sie hätten ihn «geschult», wie er bei Begegnungen mit Polizisten «besonders vorsichtig sein soll». Wie viele Eltern würden sie sich fragen, ob ihr Kind sicher sei vor denjenigen, denen man seinen Schutz anvertraue – den Polizisten.

Diese waren gar nicht erfreut über die Anekdote, beklagten sich über fehlenden Rückhalt. Der Protest gegen de Blasio flammte nun einmal mehr auf. Auf dem Weg zu einer Pressekonferenz ging der Bürgermeister durch das Polizeicorps. Die Polizisten drehten ihm demonstrativ den Rücken zu (siehe Video). De Blasio muss als Sündenbock für den Tod ihrer Kollegen herhalten.

Patrick Lynch, Vorsteher der grössten US-Polizeigewerkschaft Patrolmen’s Benevolent Association, sagte, viele Personen hätten «Blut an ihren Händen». Die Verantwortung für den Mord an zwei Polizisten reiche «bis ins Büro des Bürgermeisters». Der frühere New Yorker Gouverneur George Pataki sprach auf Twitter vom Mord als einem vorhersehbaren Ereignis, angesichts der Anti-Polizisten-Rhetorik von de Blasio und US-Justizminister Eric Holder.

Medien debattieren über Bürgermeister

So hinterfragen auch die Medien die Rolle des Bürgermeisters. Die Nachrichtenseite «The Daily Beast» kommt zum Schluss, was de Blasio über seinen Sohn gesagt habe, sei absolut nicht aussergewöhnlich und offensichtlich wahr. Dass der Bürgermeister dafür Blut an seinen Händen haben soll, sei nicht nachvollziehbar.

Anders sieht das die «New York Post». De Blasio habe den Mord an den beiden Polizisten auf gar keinen Fall gewollt, doch verantwortlich sei er dennoch. Wer solche Macht habe, müsse bei seiner Wortwahl und in seinen Handlungen speziell vorsichtig sein, schreibt die Boulevardzeitung. In die gleiche Richtung zieht die «Daily News» aus New York. De Blasio sei für die Tat eines einzelnen Spinners zwar nicht verantwortlich zu machen. Dennoch müsse er etwas gegen die Art unternehmen, wie über Polizisten geredet werde, da er ansonsten Teil dieser Rhetorik sei. Und dies verleite, die gefährliche Lüge zu glauben, dass die Leute vor der Polizei beschützt werden müssten.

Trauer in Brooklyn: Eine Frau legt am Tatort Blumen nieder. (21. Dezember 2014)
Trauer in Brooklyn: Eine Frau legt am Tatort Blumen nieder. (21. Dezember 2014)
Keystone
«Viele haben Blut an den Händen»: Laut Polizeigewerkschafter Patrick Lynch sind auch die Proteste gegen Polizeigewalt an dem Verbrechen schuld. (20. Dezember 2014)
«Viele haben Blut an den Händen»: Laut Polizeigewerkschafter Patrick Lynch sind auch die Proteste gegen Polizeigewalt an dem Verbrechen schuld. (20. Dezember 2014)
Keystone
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Täter bereits 19-mal verhaftet

Die «New York Times» kommentiert unaufgeregt: De Blasio solle die Anfeindungen als Ausdruck der Trauer und des Schocks verstehen und nun alles daran setzen, die Stadt zu einen – wie er es einst versprochen hatte.

Doch nicht nur de Blasio, sondern auch die Polizei könnte bald mit neuer Kritik konfrontiert sein: Der Polizistenmörder von New York war gemäss Medienberichten polizeilich bekannt. Er sei bereits 19-mal verhaftet worden, unter anderem wegen illegalen Waffenbesitzes.

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