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Sie bringt den Protest auf die Bühne – auch nackt

Die chilenische Sängerin Mon Laferte macht ihre Auftritte zu Kundgebungen gegen die Machthaber.

«In Chile wird gefoltert, vergewaltigt und gemordet.» Foto: Eric Jamison/Invision/AP
«In Chile wird gefoltert, vergewaltigt und gemordet.» Foto: Eric Jamison/Invision/AP

Das Monster wartet schon, wenn die chilenische Sängerin Mon Laferte in Viña del Mar auftritt. Jedes Jahr Ende Februar findet in dem mondänen Badeort an der chilenischen Küste das Festival Internacional de la Canción statt, einer der ältesten und grössten Musikwettbewerbe Lateinamerikas.

Millionen Fernsehzuschauer hat das Spektakel, dazu kommt das Publikum ins extra für das Festival gebaute Amphitheater, 20'000 Menschen, die nicht nur dumpfe Jubelmasse sind, sondern aktiver Teil der Inszenierung. Künstler wurden in den vergangenen Jahren immer wieder ausgebuht und von der Bühne gepfiffen. Kritische Transparente, auch gegen die aktuelle Politik, gehören zur festen Tradition. «Das Monster» wurde das Publikum darum bisher genannt, doch dieses Jahr ist alles anders.

Regierung will Monster zähmen

Seit vier Monaten wird Chile von schweren Protesten erschüttert. Sie richten sich gegen Ungleichheit und Repression im Land. Wegen der Unruhen musste die Regierung schon den Weltklimagipfel und ein Treffen der Apec-Staaten absagen. Das Festival von Viña del Mar findet nun statt, aber unter schweren Sicherheitsvorkehrungen. Witze auf der Bühne sind verboten, genauso wie jedwede Transparente im Publikum.

Regierung und Veranstalter, so scheint es, wollen das Monster zähmen. Nur kommt ihnen dabei eine Frau in die Quere: Mon Laferte, momentan die erfolgreichste Künstlerin des Landes – und zudem eine der bekanntesten Kritikerinnen der aktuellen Regierung.

36 Jahre alt ist Laferte, und Ungleichheit kennt sie aus eigener Erfahrung. Geboren unter dem bürgerliche Namen Norma Monserrat Bustamante Laferte, ist sie nur ein paar Kilometer entfernt vom Amphitheater in einer Sozialsiedlung aufgewachsen. Das Geld war knapp. Um etwas zur Haushaltskasse beizutragen, begann Laferte in Bars zu singen, 2003 nahm sie dann an einer Realityshow teil, ihre Stimme machte sie berühmt, es folgte ein erstes Album und weitere Auftritte im Fernsehen.

Vom TV-Sternchen zur Anti-Heldin

Nach ein paar Jahren aber wollte Laferte dem Image des TV-Sternchens entfliehen. Sie schmiss alles hin, zog nach Mexiko-Stadt, trat wieder auf der Strasse auf und erkämpfte sich erneut einen Plattenvertrag. 2018 erschien dann «Norma», ein Album, live und auf Band aufgenommen.

Auch sonst hatte Laferte sich längst vom TV-Sternchen zur Anti-Heldin gewandelt: Veganerin, Feministin, Aktivistin. Als in Chile Mitte Oktober Massendemonstrationen ausbrachen, flog Laferte sofort nach Hause, um bei den Protesten aufzutreten.

«In Chile wird gefoltert, vergewaltigt und gemordet.»

Bei der Verleihung der Latin Grammys im November, bei der die chilenische Sängerin den Preis für das beste alternative Album gewonnen hatte, sorgte Laferte für einen Skandal: Sie erschien mit nackten Oberkörper auf dem roten Teppich, in grossen Lettern stand über ihren Brüsten mit Filzstift geschrieben: «In Chile wird gefoltert, vergewaltigt und gemordet».

Der konservativen Regierung von Sebastian Piñera war das ein Dorn im Auge, die chilenische Polizei eröffnete sogar eine Untersuchung gegen Mon Laferte, weil sie die Carabiñeros der Brandstiftung beschuldigt hatte. Bei ihrem Besuch in Viña del Mar soll sie darum nun vor Gericht erscheinen, kurz bevor sie dann am Montagabend die Bühne betreten wird.

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