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Sind Trump und Saudiarabien bald beste Freunde?

Saudiarabien hofiert US-Präsident Donald Trump auf dessen erster Auslandsreise nach Kräften. Was das Königreich im Schilde führt.

«Schlacht zwischen Gut und Böse»: Präsident Trump äussert sich am Gipfeltreffen in Saudiarabien zum Kampf gegen den Terrorismus. (21. Mai 2017)
«Schlacht zwischen Gut und Böse»: Präsident Trump äussert sich am Gipfeltreffen in Saudiarabien zum Kampf gegen den Terrorismus. (21. Mai 2017)
Keystone
Donald Trump mit dem saudischen König Salman in Riad. (21. Mai 2017)
Donald Trump mit dem saudischen König Salman in Riad. (21. Mai 2017)
AP Photo/Evan Vucci
Der erste Touchdown in Europa: Am Mittwoch will sich der mächtigste Mann der Welt mit Papst Franziskus treffen.
Der erste Touchdown in Europa: Am Mittwoch will sich der mächtigste Mann der Welt mit Papst Franziskus treffen.
Andrew Medichini, Keystone
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Saudiarabien fährt ein schillerndes Reiseprogramm für seinen Besucher auf. Für die zwei Tage, an denen Donald Trump in Riad weilt, trommelte das Königreich eine bunte Mischung aus weiteren Gästen zusammen, darunter der Moderator Bret Baier vom bei Trump und seinen Anhängern beliebten Sender Fox News und US-Countrysänger Toby Keith, der vor einem ausschliesslich männlichen Publikum auftreten soll.

Trumps Entscheidung für Saudiarabien als Ziel seiner ersten Auslandsreise sendet eine klare Botschaft an das ölreiche Königreich: Die Spannungen im US-saudischen Verhältnis unter Präsident Barack Obama gehören der Vergangenheit an. Auch die Regierung in Riad hofft auf eine Annäherung und zählt buchstäblich die Sekunden bis zu Trumps Ankunft am Samstag. Unter dem Motto «Gemeinsam siegen wir» startete sie eine Website mit einer Countdown-Uhr. Im Kampf gegen Extremisten werde «die Grundlage für einen Neuanfang gelegt werden», heisst es dort auf Englisch, Arabisch und Französisch.

Ein Umbau Saudiarabiens

Die Seite wirbt zugleich für ein von Kronprinz Mohammed bin Salman, dem ehrgeizigen Sohn von König Salman, vorgelegtes Reformvorhaben mit dem Titel «Vision 2030». Der Plan sieht eine Neuordnung der Wirtschaft und einen Umbau des Landes vor. Erreicht werden soll das Ziel durch eine grössere Öffnung für Investment und Unterhaltung.

Entsprechend ist ein geplanter US-arabisch-islamischer Gipfel aus Sicht der Gastgeber der Höhepunkt von Trumps Besuch. Hier will das Königreich seine Reichweite und Zugkraft präsentieren. König Salman hat dazu für Sonntag mehr als 50 arabische und muslimische Staats- und Regierungschefs nach Riad eingeladen. Auf dem Programm stehen ein gemeinsames Bankett mit Trump und «das Schmieden einer neuen Partnerschaft» im Kampf gegen Extremismus, wie der König ankündigte. Auch der von den USA seit zehn Jahren gemiedene sudanesische Präsident steht auf der Gästeliste. Saudiarabien sei hoch erfreut darüber, die erste Station auf Trumps Reise zu sein, sagt Simon Henderson, Experte für die Golfregion beim Washington Institute. Genauso entzückt sei das Land «von der Rückkehr zu starken diplomatischen Beziehungen zu den USA und erfreut über die Möglichkeit, vor der arabischen und der muslimischen Welt die saudische Führungsstärke zur Schau zu stellen, indem man es schafft, jeden zu zahlreichen, überlappenden Gipfeltreffen nach Riad zu holen».

Strategische Interessen im Vordergrund

Das Königreich galt lange als einflussreichstes Zentrum der islamischen Welt. Jedes Jahr pilgern Millionen Muslime zu den heiligen Stätten in Mekka und Medina. Diese Tatsache erwähnte auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster, als er die Reisepläne des Präsidenten bekanntgab.

Und obwohl die saudiarabische Regierung den freundschaftlichen Aspekt von Trumps Besuch betont, stehen nach Ansicht von Kritikern doch klar strategische Interessen im Vordergrund. «Präsident Trump wird nicht nach Riad kommen, weil er uns liebt», schrieb der Autor Siad al-Dris in der panarabischen Tageszeitung «Al Hajat». «Die Staats- und Regierungschefs aus den Golfstaaten und muslimischen Ländern werden nicht nach Riad kommen, weil sie ihn lieben. Es sind die gemeinsamen Interessen dieser internationalen Führer, die sie in Riad zusammenbringen.» Als ein Beispiel nannte Al-Dris die Bekämpfung des Terrorismus.

Keine Einladung für den Iran und Syrien

Der Iran und Syrien wurden zu den Treffen nicht eingeladen. Beide Länder gehören nicht einer islamischen Militärallianz an, die Saudiarabien im Kampf gegen den Terror schmiedet. Das Königreich unterstützt Bemühungen zum Sturz der syrischen Regierung, die auf den Iran und auf Russland als ihre engsten Verbündeten zählt. Mit auf der Gästeliste stand dagegen Sudans Präsident Omar al-Baschir, und dass obwohl der Internationale Strafgerichtshof gegen ihn Haftbefehl wegen mutmasslicher Kriegsverbrechen in Darfur erlassen hat. Al-Baschir sagte dann aber aus «persönlichen Gründen» ab.

Trumps scharfe Rhetorik gegenüber Teheran stiess in Saudiarabien auf offene Ohren, steht sie doch in hartem Kontrast zu Obamas versöhnlicheren Tönen, die schliesslich zum Atomabkommen mit dem Iran führten. Der stellvertretende saudische Kronprinz Mohammed sagte kürzlich, Obama habe mit Blick auf Syrien «viele wichtige Chancen verschwendet».

Schiiten als Gefahr

Das sunnitisch geführte Königreich sieht den Einfluss des schiitisch regierten Irans in Syrien, Bahrain, im Jemen, Libanon und Irak als Gefahr für seine Sicherheit. Prinz Mohammed hat jeden Dialog mit Teheran ausgeschlossen und warf dem Iran vor, «die islamische Welt kontrollieren» zu wollen. Die Stiftung des Prinzen ist Gastgeber eines Forums, vor dem sich Trump am Sonntag mit einer Rede an die muslimische Welt wenden will.

Turki Aldachil, Betreiber des Nachrichtensenders al-Arabiya, der im Besitz saudiarabischer Investoren ist, schrieb, Trumps Besuch stelle das wieder her, «was Obama ruiniert hat». Trumps frühere Kritik an Saudiarabien und sein Einreiseverbot gegen Muslime bezeichnete Adachil als Wahlpropaganda, die «nichts mit seinen tatsächlichen politischen Programmen zu tun hat».

Auch Trump dürfte seinen Gastgebern kaum auf die Füsse treten. Dass er das Thema Menschenrechte ins Zentrum seiner Gespräche mit der Königsfamilie am Samstag rücken wird, gilt als unwahrscheinlich. Stattdessen dürfte es nach Erwartung von Analysten vor allem um drei Dinge gehen: milliardenschwere Waffengeschäfte, engere Wirtschaftsbeziehungen und eine Isolierung des Irans.

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