Palin wollte Aufklärungsbuch aus Bibliothek entfernen

Die «New York Times» hat wenig Schmeichelhaftes über Sarah Palin enthüllt: Unter anderem versuchte sie, die Stadtbücherei Wasillas zu zensurieren.

Soll Politik zu persönlich nehmen: Sarah Palin und ihr Mann Todd.

Soll Politik zu persönlich nehmen: Sarah Palin und ihr Mann Todd. Bild: Keystone

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Die Aufregung um die republikanische Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin reisst nicht ab: In einem weithin zitierten Artikel in ihrer Sonntagsausgabe enthüllt die «New York Times», dass die Gouverneurin von Alaska zum Teil nicht qualifizierte Schulfreunde in hohe Staatsämter hievte und als Bürgermeisterin der Gemeinde Wasilla ein Buch über Homosexualität aus der Stadtbücherei entfernen wollte.

«Eine Überprüfung ihres schnellen Aufstiegs und ihrer Amtszeit als Bürgermeisterin von Wasilla und danach als Gouverneurin ergibt, dass ihr instinktiver Stil und ihr Hang, Kritiker anzugreifen, im Widerspruch zu ihrem sorgfältig gepflegten öffentlichen Image steht», urteilt die Zeitung unter Berufung auf ihr zugespielte E-Mails sowie nach einer Serie von Interviews vor Ort in Alaska.

So habe Palin etwa für einen Topposten bei der Landwirtschaftsbehörde Alaskas eine Schulfreundin eingestellt, die als Qualifikation ihre Liebe zu Kühen als Kind angegeben habe. Als Palin den Staatshaushalt Alaskas kürzte, beriet sie neben dem Direktor der Haushaltsbehörde nur ihr Ehemann Todd, ein Fischer und Ölarbeiter. Loyalität und Geheimhaltung prägten Palins Regierungsstil, schreibt die «New York Times». Nachdem Palin 1996 zur Bürgermeisterin von Wasilla gewählt worden war, entliess sie altgediente Stadtbedienstete und installierte konservative Mitarbeiter. Nach der Entlassung des Direktors des Stadtmuseums sei den drei verbliebenen Angestellten von einem Mitarbeiter Palins bedeutet worden, sie müssten sich untereinander auf eine weitere Entlassung einigen, worauf alle drei Museumsangestellten den Dienst quittiert hätten.

Bei Auslandsreisen übertrieben

Als Stadträtin versuchte Palin 1995 die Bücherei von Wasilla zur Entfernung eines Buchs zu bewegen, das Kindern Homosexualität erklärt. Als die Bibliothekarin Palin empfahl, sich selbst ein Urteil zu machen, lehnte die Stadträtin ab. «Sarah sagte, sie brauche dieses Zeug nicht zu lesen», erinnerte sich die Bibliothekarin. Es habe sie «beunruhigt», dass Palin das Buch entfernen wollte, ohne es gelesen zu haben, sagte die Bibliothekarin der Zeitung.

Ebenfalls am Wochenende hatte die Zeitung «Boston Globe» berichtet, Palin habe den Umfang ihrer Auslandsreisen übertrieben. Die Gouverneurin hatte auf eine entsprechende Frage angegeben, nach Irland, Deutschland, Kuwait sowie in eine Kampfzone im Irak gereist zu sein. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass Palins Aufenthalt in Irland nur der Betankung des Flugzeugs diente, gestand eine Sprecherin der Gouverneurin ein, Palins Besuch im Irak habe sich auf einen Übergang an der Grenze zu Kuwait beschränkt. Palin beschrieb den Trip als «Reise meines Lebens» und gab an, ausserdem Kanada und Mexiko besucht zu haben.

Damit nicht genug: Amerikanische Journalisten beschuldigten den Wahlkampfstab von Palin und Senator John McCain, die Zahl der Anwesenden bei republikanischen Wahlkampfveranstaltungen vorsätzlich übertrieben zu haben. So wurde die Zahl der Zuhörer bei einem gemeinsamen Auftritt von McCain und Palin in Fairfax im Staat Virginia mit 23'000 angegeben, betrug unabhängigen Schätzungen zu Folge jedoch nicht mehr als 8000 Besucher.

Auch andernorts wurden die Teilnehmerzahlen übertrieben, wobei sich Sprecher der beiden Kandidaten auf angebliche Schätzungen örtlicher Dienststellen sowie des «Secret Service» beriefen. Auf Fragen von Journalisten gaben diese jedoch an, die Anzahl der Anwesenden nicht gezählt zu haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.09.2008, 10:04 Uhr

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