Streit um Venezuelas Botschaft: Wasser und Strom abgestellt

Wer darf die Räumlichkeiten der venezolanischen Botschaft in Washington nutzen? Selbst darüber zanken sich Maduros Gegner und Anhänger.

«Kollektiv zum Schutz der Botschaft»: Maduro-Anhänger besetzten Räume der Botschaft Venezuelas in den USA.

«Kollektiv zum Schutz der Botschaft»: Maduro-Anhänger besetzten Räume der Botschaft Venezuelas in den USA. Bild: AFP

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Der Kampf zwischen Venezuelas oppositionellem Interimspräsidenten Juan Guaidó und seinem sozialistischen Widersacher Nicolás Maduro tobt auch auf Nebenschauplätzen. Einer davon ist die venezolanische Botschaft in Washington D.C. Da die beiden Länder ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen haben, ist das Botschaftspersonal abgereist. Und weil die US-Regierung Juan Guaidó als legitimen Präsidenten anerkennt, sollten nun eigentlich dessen Vertreter in den USA, Carlos Vecchio, und seine Mitarbeiter das Gebäude beziehen.

Genau dies verhindert eine Gruppe madurotreuer Amerikaner mit venezolanischen Wurzeln. Sie haben ein «Kollektiv zum Schutz der Botschaft» gegründet und halten die Räumlichkeiten seit einem Monat besetzt. An Fenster und Mauern haben sie Transparente mit Aufschriften wie «Hände weg von Venezuela!» gehängt, während vor dem Gebäude Maduro-Gegner Stände aufgestellt haben, Flugblätter verteilen und lautstark gegen die Besetzung protestieren.

Belagerungstaktik der Oppositionellen

Wie in solchen Fällen üblich glauben sich beide Seiten im Recht. Die Besetzer behaupten, Maduro sei nach wie vor Venezuelas einziger und legitimer Präsident. Weil sie sich mit seinem Einverständnis in der Botschaft aufhielten, stünden sie unter dem Schutz des Wiener Übereinkommens über diplomatische Beziehungen. Die Gegenseite argumentiert, Maduro sei nicht mehr der legitime Präsident, weshalb sein von den USA anerkannter Nachfolger zu bestimmen habe, wer in den Räumen der diplomatischen Vertretung arbeite.

Guaidós Botschafter Carlos Vecchio hat die US-Behörden aufgefordert, das Botschaftsgebäude zu räumen. Da sich dies offensichtlich hinzieht, sind die venezolanischen Oppositionellen zu einer eigentlichen Belagerungstaktik übergegangen. Die Besetzer beklagen, sie seien von Nahrungsmitteln und Medikamenten abgeschnitten. Zusätzlich hat nun die zuständige Elektrizitätsgesellschaft auf Vecchios Wunsch die Strom- und Wasserversorgung unterbrochen. Ein amerikanischer Maduro-Anhänger verurteilte dies als «unverschämte Verletzung des internationalen Rechts».

Gescheiterter Sozialismus unter Maduro

Er befürchtete einen Dominoeffekt: «Wer kann verhindern, dass andere Länder gegenüber US-Botschaften dasselbe tun?» Ein anderer Verteidiger des venezolanischen Sozialismus beklagte, die Besetzer könnten jetzt nicht einmal mehr das bisschen Reis mit Bohnen kochen, das ihnen übrig geblieben sei. Denn sie hätten nur einen Elektroherd.

Vecchio wiederum begründete die Massnahme auf Twitter mit den Worten: «Wir haben uns entschlossen, die Besetzer ein wenig am venezolanischen Lebensgefühl unter Maduros gescheitertem Sozialismus teilhaben zu lassen» – dies in Anspielung auf die häufigen Stromausfälle, die das südamerikanische Land wegen der miserablen Infrastruktur heimsuchen. Die Besetzer antworteten, auch ohne Strom und fliessendes Wasser ausharren zu wollen.

Erstellt: 10.05.2019, 16:59 Uhr

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