Trickst «Brasiliens Trump» mit Whatsapp?

Der linke brasilianische Präsidentschaftskandidat wirft seinem rechtspopulistischen Kontrahenten Wählermanipulation vor.

Die Vorwürfe gegen ihn sind happig: Brasilianischer Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro. (17. Oktober 2018)

Die Vorwürfe gegen ihn sind happig: Brasilianischer Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro. (17. Oktober 2018) Bild: Marcelo Sayao/Keystone

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Der linke brasilianische Präsidentschaftskandidat Fernando Haddad hat seinem rechtspopulistischen Konkurrenten Jair Bolsonaro Wahlkampftricks über den Messengerdienst Whatsapp vorgeworfen. Bolsonaro habe zusammen mit Firmen eine «kriminelle Organisation» gegründet.

Damit und mit «schmutzigem Geld» wolle er Falschnachrichten über Whatsapp verbreiten, schrieb Haddad am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Spätestens damit ist in Brasilien eine Debatte über eine mögliche Wählermanipulation über die sozialen Netzwerke entbrannt.

Bei einer Pressekonferenz in São Paulo sagte Haddad, über Whatsapp seien hunderttausende Botschaften an Wähler verschickt worden, «alle falsch», um die Wahl zu beeinflussen. Der Kandidat der Arbeiterpartei (PT) von Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva kündigte an, die brasilianische Bundespolizei und die Wahljustiz des Landes einzuschalten.

Indirekte Wahlfinanzierung?

Zuvor hatte die angesehene Tageszeitung «Folha de São Paulo» berichtet, Unternehmen hätten vor der ersten Wahlrunde am 7. Oktober ein massenhaftes Verschicken von Whatsapp-Nachrichten finanziert, die sich gegen die Arbeiterpartei richteten. Für diese Kampagne seien Verträge mit Werten von umgerechnet rund 3 Millionen Franken pro Vertrag abgeschlossen worden.

Die Kontaktdaten der Adressaten seien von Bolsonaros Wahlkampfteam geliefert worden oder bei spezialisierten Agenturen gekauft worden, berichtete die Zeitung weiter. Vor der Stichwahl am 28. Oktober sei eine neue Offensive geplant.

Die Vorwürfe wiegen schwer: In Brasilien ist eine Wahlkampffinanzierung durch Unternehmen verboten. Bolsonaros Anwalt Tiago Ayres wies die Vorwürfe am Donnerstag zurück: Es gebe keinen Beweis für eine Verbindung zwischen Bolsonaros Wahlkampfteam und den von der «Folha de São Paulo» genannten Unternehmen. Bolsonaro selbst twitterte, die Arbeiterpartei leide nicht unter Falschnachrichten, sondern unter der Wahrheit.

Der Vorsitzende von Bolsonaros Partei PSL, Gustavo Bebbiano, bezeichnete Haddads Vorwürfe als lachhaft. Sie zeugten von der «Verzweiflung» des in Umfragen weit hinten liegenden Linkskandidaten

Nachteil in Sozialen Medien?

Whatsapp ist in Brasilien weit verbreitet und hat mindestens 120 Millionen Nutzer. Der Rechtspopulist Bolsonaro, der auch als «Donald Trump Brasiliens» bezeichnet wird, ist in den sozialen Netzwerken viel präsenter als sein Konkurrent Haddad und stützt seinen Wahlkampf massgeblich auf das Internet. In den sozialen Netzwerken folgen ihm 14 Millionen Menschen – Haddad kommt nur auf rund 2,8 Millionen.

Bolsonaro hatte die erste Runde der Präsidentschaftswahl am 7. Oktober klar gewonnen: Er kam auf rund 46 Prozent und landete damit weit vor dem Zweitplatzierten Haddad mit rund 29 Prozent. Für die Stichwahl in anderthalb Wochen ist der Rechtspopulist klarer Favorit. (chk/sda)

Erstellt: 19.10.2018, 05:05 Uhr

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