Trump, der Immobilienmakler und seine Sicht auf den Kim-Gipfel

Römerbrief und nordkoreanische Immobilien: In Washington geht es mal wieder besonders hoch her.

Schwärmte von Kim Jong-un: Donald Trump an einer Pressekonferenz im Garten des Weissen Hauses. (15. Juni 2018)

Schwärmte von Kim Jong-un: Donald Trump an einer Pressekonferenz im Garten des Weissen Hauses. (15. Juni 2018) Bild: Evan Vucci/Keystone

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Bibelsprüche und Unsinn hart an der Schmerzgrenze, Selbstlob und Grössenwahn: Das beste Theater der Welt wird derzeit in Washington gegeben. Stets kurzweilig bildet es die groteske Präsidentschaft Donald Trumps ab. Die Amerikaner mochten sich 1776 vor dem geisteskranken britischen König George III. durch ihren Befreiungskrieg gerettet haben, die Zurechnungsfähigkeit ihres jetzigen Staatsoberhaupts ist freilich nicht immer garantiert.

Am Freitag lieferte Trump bei einer improvisierten Pressekonferenz im Garten des Weissen Hauses gleich mehrere Paradebeispiele dafür. Die Väter von verschollenen Veteranen des Koreakriegs hätten ihn gebeten, bei der Überführung der sterblichen Überreste ihrer Söhne aus Nordkorea behilflich zu sein, sagte Trump. Der Koreakrieg liegt 65 Jahre zurück, die Väter der Veteranen wären mithin über 100 Jahre alt. Trump erfindet solches Zeug.

Dass er beim Gipfel mit Kim Jong-un in Singapur einen «tollen Job» gemacht habe, versteht sich von selbst. Auch wenn die Washington Post am Freitag berichtete, der Präsident habe das für vergangenen Dienstag geplante Treffen mit dem Nordkoreaner auf Montag vorverlegen wollen. Er habe sich nach der Ankunft am Sonntag gelangweilt. «Wir sind da, warum machen wir das nicht jetzt?», wird Trump zitiert.

Aussenminister Mike Pompeo und Pressesprecherin Sarah Sanders redeten dem Präsidenten die fixe Idee aus: Die Medien seien auf Dienstag eingestellt, Trump wolle doch gewiss zur besten Sendezeit durch US-Wohnzimmer flimmern.

«Ihr versteht keinen Sarkasmus»

Der Machthaber aus Pyongyang und er hätten sich «auf Anhieb verstanden», schwärmte Trump am Freitag. Obschon der Amerikaner neidisch auf Kim war: «Wenn er redet, sitzen seine Leute aufrecht da und hören ihm zu». Er wolle, «dass meine Leute sich genauso verhalten», sagte Trump. Angesichts der erstaunten Journalisten schwächte der Präsident ab: Er habe nur gescherzt, «ihr versteht keinen Sarkasmus».

Wahrscheinlich aber war es kein Scherz. Denn Trump war höchst beeindruckt von der bewundernden Berichterstattung der nordkoreanischen Staatsmedien über ihren Diktator. Den wiederum hat Trump in Singapur liebgewonnen: Er habe Kim Jong-un «eine direkte Durchwahlnummer» gegeben, damit er jederzeit anrufen könne, «wenn er in Schwierigkeiten steckt».

Video – Trumps Propaganda-Video für Kim

Viel Pathos: Ausschnitte aus dem Film der US-Regierung zum historischen Gipfeltreffen mit Nordkorea in Singapur. (Video: Tamedia/The White House)

Trump sei eben ein Immobilienverkäufer, befand der republikanische Senator Lindsey Graham (South Carolina) beim Blick auf das seltsame Gebaren des Präsidenten: «Nordkorea ist für ihn wie eine notleidende Liegenschaft mit einem Cashflow-Problem».

Trump gibt sich bibelfest

Derweil Trump an der Sanierung von Kims Liegenschaft bastelte, wogten um ihn herum biblische Argumente für und wider die herzlose Anordnung seiner Administration, Migranten ohne gültige Einwanderungspapiere an der Grenze von ihren Kindern zu trennen. Nachdem diese Ausgeburt von Trumps zackiger Einwanderungspolitik («null Toleranz») mit einem öffentlichen Aufschrei quittiert worden war, bemühte Justizminister Jeff Sessions die Bibel als Rechtfertigung: «Weise und klar» habe der Apostel Paulus im Römerbrief, 13:1 niedergeschrieben, «die Gesetze der Obrigkeit» müssten befolgt werden.

Trumps Sprachrohr Sarah Sanders schob umgehend nach: «Ich kann sagen, dass es biblisch ist, die Gesetze durchzusetzen, das wird einige Male in der Bibel wiederholt».

Damit aber wollte sich die Abteilung für Migranten im Vatikan nicht abspeisen lassen. Als Antwort auf Trumps bibelfeste Subalterne zitierte der Stab des Papstes Franziskus aus dem Buch Deuteronomium, 10:18: Gott liebe «die Fremden und gibt ihnen Nahrung und Kleidung; auch ihr sollt die Fremden lieben, denn ihr seid Fremde in Ägypten gewesen».

Eindruck wird das nicht machen in Washington. Da braucht es schon einen wie Kim Jong-un, von dem Trump nach dem Gipfel in Singapur bewundernd meinte, er sei ein «harter Typ». Und Menschenrechtsverletzungen hätten ja auch «andere» begangen.

Erstellt: 16.06.2018, 16:57 Uhr

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