Trump-Gegnerin setzt sich mit Gentest dem Spott aus

Elizabeth Warren gilt als demokratische Hoffnungsträgerin. Wie andere lenkt sie mit fragwürdigen Showeinlagen vom Wesentlichen ab.

Diese Woche gab die Senatorin das Ergebnis eines Gentests bekannt, der ihre indianische Abstammung untermauerte: Elizabeth Warren.

Diese Woche gab die Senatorin das Ergebnis eines Gentests bekannt, der ihre indianische Abstammung untermauerte: Elizabeth Warren. Bild: Brian Snyder/Reuters

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Knapp drei Wochen vor den US-Kongresswahlen und noch immer hoffnungsvoll, wenigstens im Repräsentantenhaus eine Mehrheit zu erringen, steht sich die Demokratische Partei mal wieder selbst im Weg. Anstatt sich auf Donald Trumps wirblige Präsidentschaft, das marode US-Gesundheitswesen und die im Gefolge der republikanischen Steuersenkungen für Konzerne und Reiche explodierenden Haushaltsdefizite zu konzentrieren, lenken demokratische Stars durch fragwürdige Showeinlagen vom Wesentlichen ab. Damit schüren sie den Verdacht parteiloser Wechselwähler, die Partei sei nicht reif für einen wirklichen Machtwechsel.

Nicht nur wäre es besser, wenn sich die unvermindert umstrittene Hillary Clinton TV-Auftritte für eine Weile versagen und keine Stellungnahmen zu Ehemann Bills Affäre mit Monica Lewinsky abgeben würde, wie neulich geschehen. Auch die von Posaunenstössen begleitete Offenbarung der demokratischen Senatorin und wahrscheinlichen Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren (Massachusetts), ein genetischer Test habe eine Verbandelung mit einem indianischen Ahnen erwiesen, gehört in diese Kategorie.

«Pocahontas»-Hohn des US-Präsidenten

Bereits vor Jahren hatte Warren die Existenz eines amerikanischen Ureinwohners in ihrem Stammbaum publik gemacht. Nicht nur betonte sie, dass einer ihrer Vorfahren ein Cherokee-Indianer war. Sie verfasste zudem fünf Rezepte für ein indianisches Kochbuch mit dem Titel «Pow Wow Chow» (Pow-Wow-Futter) und wurde an der Universität von Pennsylvania sogar als «Ureinwohnerin» geführt.

Bald begann Donald Trump die mögliche Konkurrentin und prominente Vertreterin des links-progressiven Parteiflügels als «Pocahontas» zu verhöhnen, wobei er wohl eher an die Heldin eines Disney-Zeichentrickfilms und nicht an die historische Figur einer Indianerin namens Pocahontas während der amerikanischen Kolonialzeit dachte. Sogar eine Wette bot Trump an: Wenn Warren ihre indianische Abstammung nachweisen könne, werde er eine Million Dollar für eine wohltätige Organisation stiften.

Indianervertreter kritisieren Warren

Die Senatorin hatte offenbar genug von Trumps Anwürfen und gab am Montag das Ergebnis eines Gentests bekannt, der ihre indianische Abstammung untermauerte – vielleicht zu einem Fünfzigstel, vielleicht auch nur zu einem Tausendstel. Statt das Thema damit aus der Welt zu schaffen, erwuchsen Warren jetzt neue Probleme: Diverse Indianervertreter meldeten sich zu Wort und kritisierten die Teil-Indianerin.

Der Stamm der Cherokees verurteilte Warrens Ahnenforschung als «unangemessen und falsch» und als Desaster für «legitime» Indianer, derweil Gyasi Ross vom Stamm der Blackfeet klagte, Warren missbrauche «indigende Ahnen» als Requisiten des Wahlkampfs. Trump liess sich natürlich nicht lumpen: «Pocahontas wird verrissen», twitterte er höhnisch.

Anstatt zu zeigen, dass Warren jetzt eine ernst zu nehmende «Präsidentschaftsanwärterin» sei, wie Jonathan Bernstein von Bloomberg News glaubte, erwies sich der Gentest als Rohrkrepierer: Warren hatte sich lächerlich gemacht, wenn auch auf relativ hohem Niveau, wie ein Vergleich mit dem republikanischen Senator Lindsey Graham (South Carolina) zeigte: Unter Verweis auf den Gentest der Demokratin witzelte Graham auf Fox News, es wäre schrecklich, wenn seine DNS «iranische» Ahnen verriete.

Erstellt: 19.10.2018, 20:28 Uhr

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