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Trump legt sich mit einer ganzen Sportliga an

Der US-Präsident kritisiert neue NFL-Regeln, die Spieler vor schweren Gehirnverletzungen schützen sollen - und erntet dadurch den Spott einer Basketball-Ikone.

«Das sind keine Patrioten»: Trump kritisiert afroamerikanische Footballspieler.
«Das sind keine Patrioten»: Trump kritisiert afroamerikanische Footballspieler.
Brendan Smialowski, AFP

Es bleibt nach wie vor unergründlich, warum Donald Trump Präsident werden wollte und was er im Präsidentenamt erreichen möchte. Will er eine politische Agenda umsetzen? Oder möchte er lediglich als die lauteste Windmaschine, die jemals im Weissen Haus dröhnte, in die US-Geschichte eingehen?

Das gesamte Wochenende über und auch am Montag noch keilte Trump. Gegen die überwiegend afroamerikanischen Profis der Football-Liga NFL, weil sie sich aus Protest gegen Polizeibrutalität und den sozialen Zustand Afroamerikas weigerten, beim Abspielen der amerikanischen Nationalhymne Haltung einzunehmen. Des weiteren keilte Trump einmal mehr gegen Kim Jong-un, auch gegen Basketball-Superstar Stephen Curry, gegen Gott und die Welt eben.

Video: Trump beschimpft US-Sportler als «Hurensöhne»

Trump sät damit Zwietracht, seine Partei – sofern sie überhaupt seine Partei ist – baumelt unterdessen im Wind. Diese Woche möchten die Republikaner wohl zum allerletzten Mal versuchen, ihre seit Monaten laufende Zombie-Vorstellung, nämlich die Zerstörung von Obamacare, doch noch erfolgreich zu beenden. Es ist ein verzweifeltes Unterfangen, das wahrscheinlich scheitern wird.

Wen kümmert's noch?

Trump allerdings regt diese Endlosschlaufe eines grandiosen politischen Misserfolgs nicht mehr wirklich auf. Dass er den Amerikanern im Wahlkampf das beste Gesundheitswesen auf Erden inklusive einer umfassenden Krankenversicherung für alle zu einem erschwinglichen Preis versprochen hat: Wen kümmert’s noch? Trump jedenfalls nicht. Zumal der Präsident von der neuesten republikanischen Version, benannt nach ihren Sponsoren, den Senatoren Graham und Cassidy, absolut keine Ahnung hat.

Zwar würde der Entwurf ein Sechstel der US-Volkswirtschaft umkrempeln, Trump aber hat keinen blassen Dunst, was genau in dieser Vorlage steht. Dass sie womöglich 20 Millionen Amerikanern die Krankenversicherung wegnimmt: Na und? Dass sie das Versichern bereits existierender Krankheiten gefährdet: Ist mir egal. Dass sie die medizinische Versorgung von Millionen ärmerer Bürger in Frage stellt: Nicht mein Problem.

Lieber legt sich der Herr im Weissen Haus mit den Spielern der National Football Liga an. Sie seien keine Patrioten, twitterte er, und machte den Sport an, weil er durch neue Regeln etwas gezähmt wird. Die Regeln sollen verhindern, dass die NFL-Spieler schwere Gehirnverletzungen erleiden. Eine Obduktion von 111 NFL-Hirnen ergab, dass 110 schwere Schäden aufwiesen.

Er will Gladiatoren

Viele der Ex-Spieler sind mit 50 ballaballa. Oder sie können kaum noch gehen wegen schwerer Gelenkschäden und sonstigen Verletzungen. US-Football ist nichts für Memmen. Trump indes, ein Weichei, das sich vor dem Vietnamkrieg drückte und auch mit 20 auf einem NFL-Feld keine Minute überstanden hätte, kritisiert die neuen Regeln zum Schutz der NFL-Spieler. Er will Gladiatoren. Weil es so amerikanisch ist: Wir lassen uns nicht verweichlichen!

Basketball-Ikone LeBron James fand die treffende Beleidigung, als er den Präsidenten wegen dessen Attacken auf die Sportprofis angriff: Trump sei ein «Gammler». Das Hin und Her zwischen Trump und den Sportsgrössen bestimmte das US-Wochenende. Die deutschen Wahlen und der Rest blieben Fussnoten. Die Parteifreunde des Präsidenten mühen sich währenddessen, den politischen Handlungsbedarf in Washington abzutragen. Deshalb ihr allerletzter Versuch, Obamacare zu kippen.

Video: LeBron James kritisiert Trump

Es ist eine lausige Vorlage, über die nun abgestimmt werden soll. Aber die republikanischen Geldgeber sind derart erzürnt über das Spektakel vergeblicher Obamacare-Abstimmungen, dass sie nochmals Dampf machten. Wahrscheinlich reicht es wieder nicht – nach sieben Jahren Agitprop und sieben Monaten Polit-Zirkus!

Trump lässt dies kalt, er zieht weiter zum nächsten Krach. Vielleicht mit dem Iran. Den Atomdeal kapiert er natürlich nicht. Und ihn sich erklären zu lassen: Dafür fehlt ihm die Geduld, das Grundwissen, das Interesse. Stattdessen wird er bald wieder auf irgend etwas oder irgend jemanden losgehen, per Twitter einen Aufreger loslassen und sich freuen, danach im Rampenlicht zu stehen. Präsident will er nicht wirklich sein. Lieber ist er ein Enfant terrible mit einer Hosentasche voller Knallerbsen.

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