«Trump pokert, Xi spielt Schach»

Wer im Handelsstreit zwischen den USA und China gewinnen kann: Finanzprofessor Alfred Mettler über die Folgen von Strafzöllen.

Säbelrasseln im Handelsstreit: Xi Jinping und Donald Trump.

Säbelrasseln im Handelsstreit: Xi Jinping und Donald Trump. Bild: Andy Wong/Keystone

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Kaum haben die USA eine neue Liste mit Strafzöllen für chinesische Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar vorgelegt, schlägt China in derselben Dimension zurück. Wie ernst ist dieser Showdown im Handelsstreit?
Es ist bis jetzt eher ein Säbelrasseln. Die Kommunikationskanäle zwischen den USA und China sind noch offen. Trumps Unfairness-Argumente gegenüber China sind für einmal nicht aus der Luft gegriffen, aber seine Massnahmen sind in erster Linie populistisch, das heisst, genau auf seine Wählerbasis gerichtet. Genau­­so wie die Retorsionsmassnahmen der Chinesen. Sie werden die Gebiete mit der Trump-Basis am härtesten treffen.

Inwieweit ist dieser Konflikt auch eine machtpolitische Kraftprobe?
In einer wirklichen Kraftprobe kann einer gewinnen, hier aber können beide nur verlieren. Trump ist ein von seinen Ideen total überzeugter Isolationist, dem es darum geht, seine Sicht der USA durchzusetzen. Für Trump muss am Schluss ein Great Deal herausschauen. Um das hinzukriegen, hat er sein eigenes Drehbuch. Allerdings scheint er China und dessen Möglichkeiten zu unterschätzen.

Besteht die Gefahr, dass der Konflikt in einen Handelskrieg ausartet?
Das Problem ist, dass Trump und sein Gegenpart Xi Jinping wahrscheinlich nicht das gleiche Spiel spielen. Trump pokert, Xi spielt Schach. Die Gefahr, dass sich das Ganze weiter hochschaukelt, ist in den letzten Wochen ein Stück wahrscheinlicher geworden.

Video – «China ist bereit für eine blutige Schlacht»

Chinas Präsident Xi Jinping warnt davor, sein Land von aussen zu spalten. (Video: Tamedia, AFP)

Will Trump auch multilaterale Verträge aus den Angeln heben?
Er hat immer betont, dass er die grossen multilaterale Verträge nicht mag. Die Transpazifische Partnerschaft ist auf Eis gelegt, das Klimaabkommen ist gekündigt, die Nafta infrage gestellt. In seiner Welt gibt es bilaterale Deals.

Trump begründet die Strafzölle auf Stahl und Alu mit der nationalen Sicherheit. Ein Hammerargument?
Es ist ein vorgeschobenes Argument, weil die nationale Sicherheit ideal zum Slogan «Let’s Make America Great Again» passt. Aber bei Stahl und Aluminium ist schwer zu begründen, wieso die nationale Sicherheit bei einem funktionierenden Weltmarkt betroffen sein soll.

Trump will mit Zöllen US-Jobs retten und neue schaffen. Geht das?
Allenfalls kurzfristig. Die Geschichte lehrt, dass sich diese Art von Protektionismus in einer vernetzten Welt im Endeffekt für niemanden auszahlt.

«Trump ist ein notorischer Schwätzer.»Alfred Mettler, Finanzprofessor

Also schaden sich die USA selber?
Solche Massnahmen bringen Trump bestenfalls kurzfristig das Wohlwollen einiger Wähler ein. Aber die neuen Jobs sind nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Und ob sie langfristig nachhaltig sind, ist höchst zweifelhaft.

Ist Trump eine Bedrohung für den Welthandel?
Trump ist ein notorischer Schwätzer. Er versucht zwar, die Regeln neu zu definieren, ist aber chaotisch in seinem Vorgehen. Aber wenn alles extrem wird und man sich gegenseitig hochschaukelt und am Schluss ein Handelskrieg entsteht, würde der Welthandel verlieren.

Donald Trump torpediert die Welthandelsorganisation WTO. Warum?
Von der WTO hält der US Präsident bekanntermassen nicht viel. Er lebt immer noch in der Welt der New Yorker Immobilien, wo ganz andere Regeln gelten. Am Ende der trumpschen Präsidentschaft wird die Position der WTO deutlich schwächer sein als heute.

Rechnen Sie mit einer Fortsetzung des protektionistischen Kurses?
Verbal auf jeden Fall, für Trump sind Schlagzeilen wichtig. In der Realität wird die Suppe nicht so heiss gegessen werden. Trump wird überall gerade so viel machen, dass er es medienwirksam aufbauschen kann.

Die US-Wirtschaft floriert derzeit. Ist das ein gekaufter Aufschwung?
Nein, das ist die logische Folge der Massnahmen, die 2008 nach der Finanzkrise von Präsident Obama und der US-Notenbank eingeleitet wurden. Wir ernten jetzt, was gesät wurde. Trump schlachtet das für sich aus, das machen im Allgemeinen alle US-Präsidenten. Aber die Ökonomie funktioniert nicht so simpel.

Erstellt: 05.04.2018, 10:24 Uhr

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Alfred Mettler

Der Finanzprofessor lehrt an der Georgia State University in Atlanta. Er wuchs in der Schweiz auf.

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