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Trump trifft den «Anti-Trump»

Kanadas Premier Justin Trudeau ist auf Besuch bei Donald Trump in Washington.

Heikles Treffen: Kanadas Premier Justin Trudeau und US-Präsident Donald Trump. Fotos: Chris Wattie (Reuters), Joe Raedle (Getty)
Heikles Treffen: Kanadas Premier Justin Trudeau und US-Präsident Donald Trump. Fotos: Chris Wattie (Reuters), Joe Raedle (Getty)

Der eine gilt als Feminist und Darling der Linken. In seinem Wahlkampf 2015 hat er versprochen, sich für Toleranz einzusetzen und die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen. Der andere gilt als rechter Populist und Vertreter des kleinen (weissen) Mannes. In seinem Wahlkampf 2016 hat er versprochen, eine Mauer zu bauen. Kanadas Premierminister Justin Trudeau und US-Präsident Donald Trump könnten unterschiedlicher nicht sein. Am heutigen Montag treffen sie sich in Washington erstmals zu einem Gespräch.

Egal, welches Thema man aus dem politischen Zettelkasten zieht, meist­ ­vertreten die beiden Herren entgegen­gesetzte Meinungen. Kuba? Für Trudeau war Fidel Castro ein «bemerkenswerter Leader», für Trump schlicht ein «Dik­tator». Islamischer Staat? Kanada beteiligt sich nicht länger an den Luftangriffen der US-geführten Allianz in Syrien und im Irak und zog seine Bomber zurück. Trump hingegen sprach davon, der ­Terrormiliz IS «die Hölle heiss zu ­machen.»

Im Wahlkampf bezeichnete Präsidentschaftskandidat Trump den Premierminister Kanadas als «schwach».

Kanada werde unter seiner Führung die CO2-Emissionen deutlich verringern, sagte Trudeau. Spricht Trump hingegen über den Klimawandel, dann meint er oft das Wetter. Mal werde es eben wärmer, mal kälter, sagte er jüngst in einem Interview und fügte an: «Wir haben ­grössere Probleme.» «Donald Trump trifft auf den Anti-Trump», so titeln jetzt amerikanische Medien. Im Wahlkampf bezeichnete der damalige Präsidentschaftskandidat Trump den Premierminister Kanadas als «schwach». Er sollte sich schämen, sich Präsident Kanadas zu nennen. Trudeau hingegen hielt sich mit Kritik zurück. Vielleicht auch deshalb, mutmassen kanadische Journalisten, weil er es sich nicht leisten kann.

Auf die USA angewiesen

Kanadas Wirtschaft ist auf gute Handelsbeziehungen mit den USA angewiesen. 75 Prozent der kanadischen Exporte gehen in die USA. Trump aber hat das Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko (Nafta) mehrfach als «schlechtesten Deal in der Geschichte» bezeichnet. «Millionen amerikanischer Arbeiter» würden darunter leiden, so Trump, der unlängst mehreren US-Firmen mit hohen Zöllen drohte, sollten sie ihre Werke nach Mexiko verlegen. Seine Nafta-Kritik zielt meist auf das Billiglohnland Mexiko, ein Rückzug der USA aus den Verträgen würde sich aber auch auf Kanada auswirken.

Indirekt gab Trudeau, der «coole Superstar der Linken» («The Guardian»), bereits zu erkennen, dass er Trumps «America First»-Politik nicht sonderlich leiden kann. Als der US-Präsident Ende Januar per Dekret einen Einreisestopp für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern verhängte, meldete sich Justin Trudeau auf Twitter, Trumps Lieblingsmedium, und schrieb: «An alle Menschen, die vor Krieg und Terror flüchten, egal welchen Glaubens: Kanada heisst euch willkommen.»

Siegesrede: Nach seiner Wahl zum Premier von Kanada hält Justin Trudeau eine Rede in Montreal. (19. Oktober 2015)
Siegesrede: Nach seiner Wahl zum Premier von Kanada hält Justin Trudeau eine Rede in Montreal. (19. Oktober 2015)
Reuters
Der 43-jährige Trudeau ist Vorsitzender der liberalen Partei und arbeitete früher als Lehrer Barkeeper, Schauspieler und Snowboard-Lehrer. (19. Oktober 2015)
Der 43-jährige Trudeau ist Vorsitzender der liberalen Partei und arbeitete früher als Lehrer Barkeeper, Schauspieler und Snowboard-Lehrer. (19. Oktober 2015)
Reuters
Er engagiert sich für für gute Zwecke wie hier an einem Charity-Boxturnier. (6. August 2015)
Er engagiert sich für für gute Zwecke wie hier an einem Charity-Boxturnier. (6. August 2015)
Reuters
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Trudeaus Tweet wurde hunderttausendfach kopiert und zementierte seine Vision eines Landes, das Flüchtlinge mit offenen Armen aufnimmt und die Vielfalt zelebriert. Die Liberale Partei Kanadas verpasse keine Möglichkeit, sich als Insel des Multikulturalismus zu positionieren in einer Welt, in der wieder vermehrt Zäune und Mauern gebaut würden, schrieb die Flüchtlingsorganisation Rainbow Refugee. Der kanadische Ministerpräsident Trudeau hat die ersten Flüchtlinge aus Syrien persönlich empfangen und dabei zur Freude der Fernsehsender ein paar Tränen vergossen.

«Von wegen: Alle sind willkommen!»

Doch bei aller Toleranz machen kanadische Nichtregierungsorganisationen darauf aufmerksam, dass Kanada 2016 rund 38'000 Flüchtlinge aufnahm, womit das Land im internationalen Vergleich weit zurückliegt. Ausserdem würden aufgrund eines Abkommens Flüchtlinge, die erst in den USA Asyl suchten und danach weiter nach Kanada zögen, wieder in die Vereinigten Staaten abgeschoben. «Von wegen: Alle sind willkommen!», schrieb Rainbow Refugee.

Der Glanz Trudeaus sei etwas matt geworden, schrieb auch der «Toronto Star», nachdem publik wurde, dass der Premierminister das Neujahr im Haus des Millionärs Karim Aga Khan IV. verbrachte, was offenbar zu Interessenkonflikten führen könnte, da die kanadische Regierung die Aga-Khan-Stiftung mit Millionenbeträgen subventioniert.

Bei allen Unterschieden gebe es zwischen Trudeau und Trump auch Gemeinsamkeiten, schrieb der «Toronto Star». Beide wüssten, wie man aus sich eine Marke mache und wie man mit den Medien spiele. Jeder auf seine Weise.

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