Trump tut das Richtige – auf die falsche Art

Der abgesagte Luftschlag gegen den Iran unterstreicht, dass eine US-Strategie nicht zu erkennen ist. Die Kriegsgefahr ist nicht vorbei.

Der Abschuss einer Überwachungsdrohne verschärft den Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Fakten zur US-Drohne RQ-4A Global Hawk. Video: Tamedia

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Vielleicht ändert Donald Trump ja seine Meinung in den nächsten Tagen noch. Doch mit seiner Entscheidung vom Donnerstagabend, einen Vergeltungsschlag gegen den Iran zu stoppen, tat der US-Präsident das Richtige. Die Idee, dass es im Konflikt mit dem Iran so etwas wie einen kalkulierbaren militärischen Angriff gibt, ist vermessen. Viel zu gross ist das Risiko, dass das Regime in Teheran auf die Zerstörung von Luftabwehrstellungen durch die USA mit einer weiteren Eskalation reagieren würde, die über einen Abschuss einer unbemannten Drohne hinausginge. Ein neuer Krieg im Mittleren Osten wäre die Folge.

Trump tat also das Richtige, aber er tat es auf die falsche Weise. Sie verdeutlicht, warum das Vertrauen in Trumps Regierung, mit einer aussenpolitischen Krise umzugehen, auf einem Tiefpunkt angelangt ist. Trump gab zuerst den Befehl zu einem Luftschlag, erkundigte sich dann nach eigener Aussage zehn Minuten vor Beginn des Angriffs über die vermuteten Opferzahlen – und sagte die Operation kurzerhand wieder ab. Die Weltöffentlichkeit kann dem Schauspiel dabei fast zeitgleich zuschauen. Krieg oder Frieden? In Trumps Weissem Haus werden auch die wichtigsten Fragen abgehandelt wie auf dem Set einer Reality-Show.

Dass sich der Präsident überhaupt im jetzigen Dilemma befindet, ist die direkte Folge seiner Entscheidung, aus dem funktionierenden Atomabkommen mit dem Iran auszusteigen und stattdessen eine Politik des maximalen Drucks zu betreiben, die bloss die Hardliner in Teheran ermächtigt hat. Wer dabei die US-Strategie gegenüber dem Iran vorgibt, was sie genau bezweckt, ist völlig unklar. Einen Verteidigungsminister hat Trump nach einem halben Jahr immer noch nicht. Dafür lässt er sich mit Sicherheitsberater John Bolton und Aussenminister Mike Pompeo von zwei Männern beraten, deren kriegerische Instinkte gut dokumentiert sind.

Zu einer kohärenten Politik trägt all dies nicht bei. Wenn nicht einmal in Washington Klarheit darüber besteht, worin die Politik der Trump-Regierung besteht, weiss es das iranische Regime erst recht nicht. Und das steigert die Gefahr, dass beide Staaten in einen Krieg stolpern. Einen Krieg, den niemand wollen kann.

Erstellt: 21.06.2019, 17:18 Uhr

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