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Trump und der fragwürdige Auftritt in Phoenix

Eine Charlottesville-Analyse der speziellen Art lieferte der US-Präsident bei einer Demo im Staat Arizona.

«Die einzigen, die Hassgruppen eine Plattform bieten, sind die Medien und die Fake News Medien»: Trump redet sich in Phoenix in Rage. (22. August 2017)

Nur einen Tag nach seiner zwar nicht gerade staatsmännischen, aber immerhin akzeptablen Rede über die künftige US-Politik in Afghanistan ging Donald Trump gestern Abend bei einer Kundgebung vor begeisterten Anhängern in Phoenix im Staat Arizona zur Tagesordnung über: Der Präsident griff die Medien scharf an, erschuf ein Lügengebäude über seine und die Reaktion amerikanischer Medien auf die rassistischen Vorfälle in Charlottesville und redete über den Kongress, ohne auch nur die geringste Ahnung von parlamentarischem Prozedere zu haben.

Immer wieder verliess Trump die geschützten Zonen des Teleprompters und driftete bei seiner Freistil-Rhetorik in Gebiete ab, in denen sich kein amerikanischer Präsident aufhalten sollte: Kleinlich und wütend, unehrlich und zuweilen grössenwahnsinnig ging es dort zu. Etwa wenn Trump behauptete, kein Präsident seit Harry Truman habe in den ersten Amtsmonaten ähnlich viel erreicht wie er.

Begnadigung für rassistischen Ex-Sherrif

Der Präsident bot ein besorgniserregendes Bild in Phoenix: Ein zutiefst unsicherer und durch die Kritik nach Charlottesville auch zutiefst verletzter Mensch, dessen Verhalten zwangsläufig Fragen nach seiner psychischen Stabilität aufwirft. Zusehends dringlicher werden diese Fragen von mächtigen Senatoren in Trumps eigener Partei gestellt.

Da spielt sich einer auf vor seinem Publikum: Donald Trump fordert bei einer Rede in Phoenix den Applaus seiner Fans ein (22. August 2017)
Da spielt sich einer auf vor seinem Publikum: Donald Trump fordert bei einer Rede in Phoenix den Applaus seiner Fans ein (22. August 2017)

Dass der bedrängte Präsident seinen Fans gestern Abend rohes Fleisch für den ideologischen Verzehr vorwarf, darunter die Zusage, er werde den wegen rassistischer Übergriffe gegen Latinos rechtskräftig verurteilten Ex-Sheriff von Phoenix, Joe Arpaio, irgendwann begnadigen, ist eine Sache. Und es kann Trump sogar verziehen werden, dass er – wieder einmal – über die Medien herfiel. Seine Anwürfe verraten vor allem, wie dünnhäutig dieser Präsident ist.

Des Senators Sorgen über Trumps geistige Verfassung

Eine andere Sache aber ist Trumps Behauptung, er habe hinsichtlich der Vorgänge in Charlottesville eigentlich nichts falsch gemacht, ja seine vorbildliche und wunderbare Reaktion sei von den Medien verzerrt worden. Wer Donald Trump bei seiner kleinen Geschichtsklitterung in Phoenix zuhörte und dabei beobachtete, wie und auf welche Weise der Präsident sich präsentierte, kommt nicht umhin, die Sorgen des republikanischen Senators Bob Corker bezüglich der geistigen Verfassung des Präsidenten zu teilen.

In Phoenix lieferte Trump den Beweis, dass diese Sorgen gerechtfertigt sind. Neue Freunde hat der Präsident gestern Abend jedenfalls keine gemacht. Seine Basis mag es lieben, aber diese Basis ist gerade mal ein Drittel der US-Wählerschaft.

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