Trump will allein mit Kim sprechen

Bis zu zwei Stunden: So lange will Donald Trump zunächst mit Kim Jong-un allein verhandeln – fast ohne Zeugen.

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«Toll in Singapur zu sein, Spannung liegt in der Luft!», twitterte der amerikanische Präsident nach der Ankunft am Ort seines Gipfeltreffens mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Sich den Friedensnobelpreis verdienen will Trump im Verlauf eines Gesprächs unter vier Augen mit dem Mann aus Pyongyang. «Im Anschluss an die Begrüssung werden sich Präsident Trump und Präsident Kim zu einem Einzelgespräch mit ausschliesslich Übersetzern treffen. Dann folgt ein erweitertes bilaterales Treffen und ein Arbeitsessen», heisst es in der Erklärung des Weissen Hauses.

Bis zu zwei Stunden soll das Einzelgespräch dauern. Neben Trump und Kim Jong-un befinden sich dann lediglich zwei Dolmetscher im Raum: Weder ein Protokollant noch ein Berater, der Trump in heiklen Momenten das Einmaleins der Denuklearisierung erklären könnte, werden zugegen sein.

In Washington wird dies mit Nervosität registriert. Was wird Trump, der selbsternannte Grossmeister des Deals, in diesen zwei Stunden tun? Vor allem, da er ja bereits ankündigte, nach nur einer Minute zu wissen, mit wem er es zu tun habe. Seinen Instinkten will Trump vertrauen. Was aber geschähe, wenn der US-Präsident nach 60 Sekunden zum Schluss käme, seine Gegenüber sei ein Idiot und des Gipfeltreffens mit ihm, Trump, unwürdig?

Trump kann mit Autokraten

Weil der Nordkoreaner von eher kleiner Statur, Trump hingegen gross ist, könnte der Amerikaner in Versuchung geraten, buchstäblich von oben herab zu agieren. Worauf der Gipfel platzte. Andererseits ist Kim Jong-un ein Autokrat, und mit Autokraten kann Trump. Siehe seine freundliche Begegnung 2017 mit Wladimir Putin am Rande des G20-Gipfels in Hamburg. Oder seine lobenden Worte für Rodrigo Duterte, den philippinischen Drogenkrieger. Xi Jinping ist gleichfalls ein Favorit Trumps.

Nun also Kim Jong-un. Trump darf sich etwas darauf einbilden, dass es dazu gekommen ist. Verlaufen die zwei Stunden erfolgreich, das heisst mit einer Abschlusserklärung, die den Kriegszustand auf der koreanischen Halbinsel beendet und einen verifizierbaren Abbau des nordkoreanischen Atomarsenals verspricht, ist Trump König. Solch ein Ergebnis könnte die US-Kongresswahlen im Herbst beeinflussen. Und Trump einmal mehr die Gelegenheit geben, seine Vorgänger im Weissen Haus als Versager darzustellen. Wie schon beim Handelsstreit mit den Europäern: Obama, Clinton und Bush waren Luschen. Trump hingegen wird es richten.

Big Macs für Nordkorea?

Zwei Stunden also, in denen der Präsident Geschichte machen wird. So oder so. Vielleicht zieht Kim ihn über den Tisch. Trumps Eitelkeit hat sich gewiss bis Pyongyang herumgesprochen. Zumal der Nordkoreaner das Fiasko beim G7-Gipfel in Québec sicherlich verfolgt hat. Wer Trump tüchtig die Stiefel putzt, bekommt etwas dafür. Zum Beispiel eine Kette von McDonald’s in Pyongyang.

Was sich im Zeitraum von zwei Stunden wirklich abspielte, wird danach nur schwer zu rekonstruieren sein. Zeugen gibt es keine ausser den Dolmetschern. Und die werden schweigen. Die Dynamik des Treffens kann anschliessend vielleicht entschlüsselt werden. Wenn beide Seiten widersprüchliche Darstellungen liefern, wird es allerdings schwierig.

Labil oder doch stabil

Eindeutige Signale würde das Gipfel-Paar senden, wenn es zwar nicht Hand in Hand, aber immerhin Seite an Seite durch einen Park wandelte und so eine freundschaftliche Beziehung dokumentierte. Oder wenn Kim Jong-un aus dem Verhandlungszimmer stürmte, weil Trump ihn wie Trudeau behandelte – inklusive der Beleidigung, «schwach» und «unehrlich» zu sein.

In Washington würde das einen Schock auslösen. Schon wieder! Nach Trumps Auftritt in Québec sprach der ehemalige CIA-Direktor Michael Hayden aus, was viele Amerikaner dachten: Trump habe «labil und unstet» gewirkt in Kanada. In Singapur kann der Präsident zeigen, dass er stabil ist. Zwei Stunden Zeit hat er dafür.

Erstellt: 11.06.2018, 19:49 Uhr

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