Trump will Merkel sturmreif schiessen

Warum der US-Präsident seine Angriffe auf die deutsche Kanzlerin steigert.

Trumps Beziehung zu Merkel ist geprägt von offenkundiger Anti­pathie gegenüber ihrer Person – und gegenüber ihrer Politik. (Bild: Reuters/Jonathan Ernst)

Trumps Beziehung zu Merkel ist geprägt von offenkundiger Anti­pathie gegenüber ihrer Person – und gegenüber ihrer Politik. (Bild: Reuters/Jonathan Ernst)

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Man weiss von Donald Trump, dass er zu Hause als Kind kein Deutsch sprach. Sein Vater Fred, Sohn eines deutschen Auswanderers, tat sich mit seiner Herkunft schwer: In Queens, wo die Familie lebte, erzählte er, die Trumps seien von Schweden her in die USA gekommen. Ein deutscher Begriff ist dem heutigen US-Präsidenten aber vielleicht trotzdem bekannt, es ist einer der wenigen deutschen Worte, die Einzug ins Englische gefunden haben: die Schadenfreude.

Genau so las sich jedenfalls der Tweet, den Trump am Montag absetzte, als die deutsche Kanzlerin Angela Merkel mit der bisher schwersten Krise in ihrer Regierungskoalition kämpfte. «Die Menschen in Deutschland wenden sich gegen ihre Führung», schrieb Trump. Die Einwanderungsfrage bringe die Koalition ins Wanken, hielt er fest – was stimmt. «Die Kriminalität ist stark gestiegen», schrieb er auch – was gelogen war. 2017 gab es in Deutschland so wenige Straftaten wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Am Dienstag doppelte der Präsident in einem weiteren Tweet nach: «Die Kriminalität in Deutschland ist um 10 Prozent gestiegen (die Behörden wollen diese Verbrechen nicht zugeben), seit Einwanderer ins Land gelassen wurden.» Auch das stimmt nicht. An ihrer Pressekonferenz mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron darauf angesprochen, sagte Merkel, die Kriminalitätsstatistik spreche für sich selbst.

Offenkundige Antipathie

Ein US-Präsident, der mit gezielten Lügen die Regierung eines der engsten Verbündeten zu diskreditieren versucht: Daran muss man sich erst noch gewöhnen. Der frühere US-Spitzendiplomat ­Nicholas Burns fasste zusammen, was viele in Washington denken: «Trump schwächt so die Nato und unsere Beziehung zu Europa.»

Die Attacken auf Merkel begannen schon, als Trump noch Präsidentschaftskandidat war. Sie haben eine wirtschaftspolitische Komponente, die sichtbar wird, wenn Trump sich auf deutsche Autohersteller einschiesst, die in seinen Augen der US-Autoindustrie schaden. Sie nähren sich auch aus Trumps Ärger darüber, dass Deutschland zu wenig an die Nato zahle. Da ist aber noch eine tiefere Dimension: Trumps Beziehung zu Merkel ist geprägt von offenkundiger Anti­pathie gegenüber ihrer Person – und gegenüber ihrer Politik.

Umstrittener US-Botschafter

Das beginnt bei der Einwanderung: Es sei ein grosser Fehler gewesen, dass Europa Millionen Menschen aufgenommen habe, die «stark und brutal die Kultur verändert» hätten, schrieb Trump auf Twitter. Es hört aber nicht bei der Einwanderung auf. Das zeigen die Aussagen des neuen US-Botschafters in Berlin. Kaum im Amt, gab Richard Grenell der rechten Website «Breitbart» ein Interview, in dem er ankündigte, dass er als seine Aufgabe betrachte, «andere Konservative in ganz Europa zu stärken». Später schwärmte er vom «Erwachen der schweigenden Mehrheit», welche «die Eliten und ihre Blase» ablehne.

Es sind ähnliche Töne, die auch Trumps früherer Chefstratege Stephen Bannon von sich gibt, wenn er auf Ein­ladung rechter und rechtsextremer Parteien durch Europa tourt. Trumps Agenda sei das Gegenteil dessen, was die US-Aussenpolitik in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg anstrebte, sagte Tomas Valasek, Direktor des Thinktanks Carnegie Europe, in der «New York Times». Auch damals hätten sich die USA in die europäische Politik eingemischt. Aber mit dem Ziel, die liberale Ordnung des Kontinents zu stärken, statt sie niederzureissen.

Erstellt: 19.06.2018, 19:54 Uhr

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