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«Trump-Angststörung» – Amerikas neue Krankheit

Immer mehr Menschen müssen in Therapie, weil sie unter politischem Stress leiden. Auch Anhänger des US-Präsidenten sind betroffen.

Gefühl von Hilflosigkeit und Angst um die Zukunft: Anhänger von Hillary Clinton nach der Wahl Donald Trumps 2016.
Gefühl von Hilflosigkeit und Angst um die Zukunft: Anhänger von Hillary Clinton nach der Wahl Donald Trumps 2016.
Reuters

«Trump Anxiety Disorder»: Der Ausdruck ist in den Vereinigten Staaten derzeit in aller Munde. Damit ist ein Gefühl von Unsicherheit gemeint, das seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump grassiert und zu regelrechten Angststörungen führen kann.

Laut einem Bericht von CBC News müssen sich deswegen immer mehr Menschen in Therapie begeben. Der Sender hat mit Psychologen im ganzen Land gesprochen, die von einem ungewöhnlich starken Anstieg von Patienten mit diesem Symptomen berichten.

«Es besteht eine kollektive Angst vor dem Ende der Welt.»

Elisabeth LaMotte

Ihre Klienten würden unter politischem Stress leiden, sagte Elisabeth LaMotte vom D.C. Counseling and Psychotherapy Center. «Es herrscht eine grosse Verunsicherung über die potenzielle Tragweite der Entscheidungen des Präsidenten und eine kollektive Angst vor dem Ende der Welt.» Das sei sehr verwirrend und beunruhigend, sagte die Psychologin.

Gegner und Anhänger betroffen

Betroffen sind demnach nicht nur Gegner Trumps – auch dessen Anhänger leiden unter dem aktuellen Klima in den USA. Kritiker des Präsidenten weisen laut LaMotte sehr ähnliche Ängste auf wie Patienten, die von Eltern mit Persönlichkeitsstörung und einem Mangel an Empathie grossgezogen wurden. Unterstützer Trumps fühlen sich auf der anderen Seite «sozial oder familiär isoliert», weil sie mit ihrer politischen Einstellung auf viel Unverständnis und Hass stossen.

Der Washingtoner Psychologe Steve Stosny erzählte CBC von einem Beamten der Trump-Regierung, der bei ihm in Therapie kam, weil sein Job im Weissen Haus zum Bruch mit seiner liberal eingestellten Familie führte. Zu Hause habe man nicht verstanden, wie der Mann für Trump arbeiten konnte. «Seine Tochter begann ihn zu hassen und seine Frau trennte sich schliesslich von ihm», sagte Stosny, «obwohl der Mann schliesslich kündigte.»

«Über 40 Millionen erwachsene Amerikaner leiden an einer Angststörung.»

American Psychology Association

Der Begriff «Trump Anxiety Disorder» stammt aus einem gemeinsamen Essay der Harvard Medical School und der Yale School of Medicine, das im vergangenen Jahr erschien. Die Angststörung basiert demnach auf Symptomen, die «spezifisch auf die Wahl von Donald Trump und das daraus resultierende gesellschaftspolitische Klima» zurückzuführen sind. Dazu gehören Kontrollverlust und Hilflosigkeit, Sorgen über das Geschehen im Land und übermässiger Zeitvertreib auf Social-Media-Plattformen.

Eine Umfrage der American Psychology Association ergab, dass über die Hälfte der Befragten auf Trumps Präsidentschaft mit Stresssymptomen reagieren. Seit der Wahl 2016 nahmen Angstzustände, die auf politischen Stress zurückzuführen sind, um 5 Prozent zu. Allgemein leiden über 40 Millionen erwachsene Amerikane­rinnen und Amerikaner an einer Angststörung, so die Schätzung der Psychiater.

Anstieg politisch bedingter Wut

Trump selbst und seine Anhänger haben für dieses neue Phänomen indes einen eigenen Ausdruck: «Trump Derangement Syndrome». Sie betrachten die Ängste also als geistige Verwirrung, unter der nur Anti-Trump-Personen leiden. Der Präsident hat das auf Twitter selbst schon so bezeichnet.

Noch ist die «Trump Anxiety Disorder» keine offizielle Diagnose, aber das könnte sich bald ändern, wenn es nach den befragten Therapeuten geht. Sie stellen einen grundsätzlichen Anstieg von politisch bedingter Wut und Angst in den USA fest – unabhängig von der politischen Zugehörigkeit. «Ob bewusst oder nicht: Ich glaube, wir betrachten Trump als Bezugsperson», glaubt Psychologin LaMotte.

Video – Trump krebst zurück

«Es war ein Versprecher»: Nach der harschen Kritik an seinem Treffen mitWladimir Putin versucht sich der US-Präsident zu erklären. (Video: Tamedia)

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