«Trumponomics» in 7 Grafiken

Mehr Jobs, weniger Handelsdefizit: Kann Trump seine Wirtschaftsversprechen halten? Der Vergleich mit seinem Vorgänger Obama zeigt es.

Er werde die US-Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen, versprach Donald Trump im Wahlkampf immer wieder und brachte damit viele Unentschlossene dazu, ihm die Stimme zu geben. So war beispielsweise von einem Wachstum von 3 Prozent die Rede sowie von der Behebung des Handelsdefizites des Landes.

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Jetzt, ein Dreivierteljahr nachdem Trump das Weisse Haus übernahm, hat Reuters eine Zwischenbilanz gezogen. Die Nachrichtenagentur hat sich sieben zentrale Wirtschaftsbereiche angeschaut, um zu analysieren, ob Trump seine Versprechen einhalten kann, die er während des Wahlkampfs und in den ersten Monaten als Präsident machte. Als Vergleich dient die wirtschaftliche Entwicklung während der letzten Amtsdauer seines Vorgängers Barack Obama.

Bruttoinlandprodukt (BIP)

Im letzten Jahr wuchs die US-Wirtschaft nur um 1,6 Prozent. Es war das schlechteste Ergebnis seit 2011, aus Sicht von Experten aber mit dem weltweiten Zustand der Wirtschaft zu erklären. Viele Analysten sahen die negative Entwicklung aufgrund des eingebrochenen Ölpreises kommen. Trump sprach in erster Linie von einem Versagen seines Vorgängers Obama.

Es gibt keinen Grund, warum wir dereinst nicht 5 Prozent oder mehr erreichen könnten.Donald Trump, US-Präsident

Ende April gab sich Trump überzeugt, dass sein Land imstande sei, das Bruttoinlandprodukt massiv zu erhöhen. «Ich glaube wirklich daran. Wir sagen momentan 3 (Prozent), aber ich sage 4 in den nächsten paar Jahren. Und es gibt keinen Grund, warum wir dereinst nicht 5 oder mehr erreichen könnten», sagte er in einem Interview mit Fox News.

Seit Trumps Amtsantritt hat sich das BIP tatsächlich positiv entwickelt. 3,1 Prozent wuchs es im zweiten Quartal 2017. Wie die letzten vier Jahre unter Obama zeigen, entwickelt sich das BIP der USA aber sehr unbeständig. Viele Ökonomen glauben, dass das derzeitige jährliche Wachstum etwa 2 Prozent beträgt, wenn es zu keinen grösseren demografischen Veränderungen oder einem Wandel in der Produktivität kommt. Das entspricht ungefähr dem Durchschnitt der Jahre 2012–2016 unter Obama. Trumps Prognose war demnach etwas gar zuversichtlich.

Konsumentenpreisindex

Die USA erlebte seit den 1990er-Jahren nur eine leichte Inflation. Einige Ökonomen befürchten, dass die Kombination von Trumps verschiedenen Vorschlägen zu schneller steigenden Preisen führen könnte, wenn diese umgesetzt werden sollten.

Wie sich der Konsumentenpreisindex unter Trump entwickelt, ist aber noch schwierig abzuschätzen. Zwischen Februar und Juni sank er von 2,8 auf 1,6 Prozent. In den letzten drei registrierten Monaten bis August stieg er allerdings wieder leicht. Bei einer hohen Inflation gelten Politiker schnell als Sündenbock für die erodierende Kaufkraft von Haushalten – besonders, wenn gleichzeitig die Löhne stagnieren.

Anzahl Beschäftigte und Arbeitslosenquote

Die Zahl der Beschäftigten (ausserhalb der Landwirtschaft), in den USA als «nonfarm payrolls» bezeichnet, stieg schon unter Obama kontinuierlich. 2016 wurden pro Monat durchschnittlich gut 186’000 neue Jobs geschaffen. Mit Trump als Präsident setzt sich dieser Trend fort, wenngleich ein bisschen weniger dynamisch. 2017 stieg die Zahl der Beschäftigten bisher um monatlich 175’000.

Bei der Arbeitslosenquote sieht es ähnlich aus: Die positive Entwicklung, die schon seit 2012 anhält, hält auch in diesem Jahr an. Unter Trump fiel die Rate um 0,4 auf 4,4 Prozent.

Trump bezeichnete die Arbeitslosenquote aber auch schon als «unsinnig», weil dabei nur diejenigen Amerikanerinnen und Amerikaner gezählt werden, die aktiv einen Job suchen. Beim Rest handelt es sich in den meisten Fällen um Personen im Ruhestand, solche, die sich um die Familie kümmern oder studieren.

Erwerbsquote «im besten Alter»

Ein wichtiger Indikator ist auch die Erwerbsquote von 25- bis 54-jährigen Amerikanerinnen und Amerikanern. «Mehr als eine von fünf Personen in ihren besten Jahren arbeitet nicht», sagte Trump in einer Rede vor dem US-Kongress im Februar. Damit übertrieb er zwar leicht, aber die Quote lag damals bei 81,7 Prozent. 18,3 Prozent hatten also keinen Job.

Seither hat die Erwerbsquote ihr Niveau gehalten, liegt aktuell bei 81,6 Prozent. Diese Statistik zeigt laut Reuters vielleicht mehr als jede andere Trumps Gespür für das, was in der US-Wirtschaft falsch läuft. Zudem zeigt sie, wie sein Erfolg bei der Behebung der Mängel beurteilt werden kann.

Arbeitsplätze im Industriesektor

Für Trump ist klar: Die USA können sich nur erneuern, wenn es zu einem Aufschwung der Produktion im Land kommt. Dank seiner Handelspolitik sollen wieder viel mehr Arbeitsplätze in der Industrie geschaffen werden.

Experten sind sich indes uneinig über das Potenzial des Wachstums von Jobs im Fertigungsbereich. Selbst wenn das Produktionsvolumen steigen sollte, werden in Zukunft aufgrund der Automatisierung und besserem Management voraussichtlich weniger Arbeitskräfte eingesetzt.

Handelsdefizit

Trump und einige Mitglieder seines Teams betrachten Handelsdefizite als etwas von Natur aus schlechtes, auch wenn die meisten Ökonomen anderer Auffassung sind. «Die Jobs und der Wohlstand wurden unserem Land entrissen. Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt Handelsdefizit über Handelsdefizit», regte sich der US-Präsident im vergangenen März auf. Das Ziel der Handelspolitik seiner Regierung sei es, das Defizit zu verkleinern oder ganz zu eliminieren. Bis jetzt ist diesbezüglich noch nicht viel passiert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2017, 14:38 Uhr

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