US-Aussenminister kämpft mit Trumps Schwiegersohn

US-Aussenminister Rex Tillerson hat einen schweren Stand. Nun machte er seinem Frust Luft.

Kommen einander in die Quere: Rex Tillerson und Jared Kushner (im Hintergrund) mit Donald Trump an einem Treffen des Kabinetts im Weissen Haus. (12. Juni 2017)

Kommen einander in die Quere: Rex Tillerson und Jared Kushner (im Hintergrund) mit Donald Trump an einem Treffen des Kabinetts im Weissen Haus. (12. Juni 2017) Bild: AP Photo/Andrew Harnik/Keystone

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Die kurze politische Karriere Donald Trumps wird von einem stets wiederkehrenden Vorgang geprägt: Wer in Trumps Orbit gerät, wird unweigerlich besudelt, erniedrigt und zuweilen kompromittiert. Er oder sie muss hinter dem Präsidenten ausmisten, für ihn lügen, ihn auch dann preisen, wenn es nichts zu preisen gibt. Siehe das absurde erste Treffen des vollständigen Trump-Kabinetts vor wenigen Wochen, als die Minister den Präsidenten auf peinlichste Weise lobten.

Besonders unter diesem Phänomen leidet Trumps Aussenminister Rex Tillerson: Ein erfolgreicher Aufsteiger, der es bis zum Vorstandsvorsitzenden des Energiegiganten ExxonMobil brachte, leitet Tillerson jetzt das dezimierte US-Aussenministerium und muss mitansehen, wie ihm Trumps Schwiegersohn Jared Kushner in die Diplomatie pfuscht.

Tillersons Etat ist brutal zusammengestrichen worden, das diplomatische Corps demoralisiert, wichtige Posten im Aussenamt bleiben unbesetzt, weil die Kandidaten vom Weissen Haus blockiert werden. Zusammen mit Verteidigungsminister Jim Mattis fällt dem Texaner überdies die undankbare Aufgabe zu, hinter Trump und Kushner aufputzen zu müssen – in Sydney wie in Brüssel, in Ottawa wie im Nahen Osten.

Gezielte Indiskretionen?

Vergangene Woche entlud sich Tillersons Frust im Beisein Kushners in einer Explosion: Bei einer Besprechung im Weissen Haus mit Trumps Personalchef Johnny DiStefano, Stabschef Reince Priebus sowie Tillersons Stabschefin Margaret Peterlin beschwerte sich der Aussenminister bitter über die Widerstände des Weissen Hauses gegen seine Personalentscheidungen und über gezielte Indiskretionen über ihn. Tillerson wurde dabei so laut, dass sich Kushner anschliessend bei Peterlin beschwerte und dem Aussenminister vorwarf, er verhalte sich «unprofessionell». Mangel an Professionalität aber zeichnet vor allem den Schwiegersohn aus: Der 36-Jährige versucht sich als Welt-Diplomat, er ist Koordinator für die US-Beziehungen zu Kanada und Mexiko, Friedensvermittler in Nahost, Ansprechpartner für Peking und Hansdampf in allen Gassen des Persischen Golfs.

Dort kommt Kushner dem ehemaligen Exxon-Boss besonders in die Quere: Als die Saudis im Verein mit den Vereinigten Aarabischen Emiraten, Ägypten und Bahrain kürzlich auf Katar losgingen und dem Emirat ein Ultimatum stellten, befürwortete Tillerson einen kuwaitischen Vermittlungsversuch und wollte die Wogen glätten. Donald Trump aber spielte nicht mit: Er warf den Katarern vor, «historische Finanzierer von Terrorimus» zu sein – und stellte Tillerson damit bloss.

Uneinigkeit in der Katar-Frage: Trump und Tillerson widersprechen sich. Video: Tamedia/AFP

Der Schwiegersohn bleibt

Im Aussenamt wurde daraufhin sofort vermutet, Kushner habe seine Hand im Spiel gehabt. Der aussenpolitische Experte Mark Perry berichtet unter Berufung auf einen engen Mitarbeiter Tillersons, der Aussenminister sei überzeugt, Kushner sei den Einflüsterungen seines engen Freunds Yusef Al Otaiba, dem Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Washington, erlegen und habe den Präsidenten zu seiner Verurteilung Katars angestiftet. «Rex hat zwei und zwei zusammengezählt und kam zum Schluss, dass dieses absolut geistlose Kid eine Parallel-Aussenpolitik in den Familienräumen des Weissen Haues betreibt», zitiert Perry in der Zeitschrift «The American Conservative» Tillersons Vertrauten. In dieses Bild passt eine in der «Washington Post» wiedergegebene Bemerkung eines Trump-Mitarbeiters über die widersprüchlichen amerikanischen Signale bezüglich Katars: «Vielleicht hat Tillerson ursprünglich eine Meinung gehabt, aber der Präsident hat eben auch eine Meinung, und seine Meinung geht vor».

Bildstrecke – Die Katar-Krise

Tillersons Problem ist, dass ein Aussenminister jederzeit vom Präsidenten entlassen werden kann, ein Schwiegersohn hingegen nicht. Der Verlierer in dieser Fehde ist jedenfalls vorprogrammiert. Er heisst Rex Tillerson. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.07.2017, 13:23 Uhr

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