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Trumps heikles Geheimnis

Beleidigungen unter der Gürtellinie können Donald Trump nichts anhaben. Doch er fürchtet eine geheime Tonbandaufnahme.

Schenken sich nichts: Marco Rubio, Donald Trump und Ted Cruz (von links). (25. Februar 2016)
Schenken sich nichts: Marco Rubio, Donald Trump und Ted Cruz (von links). (25. Februar 2016)
David J. Philiip, Keystone
Da waren es nur noch fünf: Die republikanischen Präsidentschaftsbewerber während der Nationalhymne. (25. Februar 2016)
Da waren es nur noch fünf: Die republikanischen Präsidentschaftsbewerber während der Nationalhymne. (25. Februar 2016)
David J. Philiip, Keystone
Geht ein bisschen unter: Ben Carson (links). (25. Februar 2016)
Geht ein bisschen unter: Ben Carson (links). (25. Februar 2016)
David J. Philiip, Keystone
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«Arbeitgeber mit Dumpinglöhnen», «Clinton-Unterstützer», «Pleitegeier» oder «Mann mit kleinem Penis»: Die Vorwürfe, die Donald Trump von seinen republikanischen Mitkonkurrenten zu hören bekommt, werden heftiger. Je höher sein Wähleranteil, desto mehr zielen seine Gegner unter die Gürtellinie.

Trump kontert jeweils schnell, direkt und zumeist noch geschmackloser. Zuletzt auf Fox News: Seinen Konkurrenten Marco Rubio sprach er während der TV-Debatte konsequent mit «little Marco» an – eine Anspielung auf dessen Körpergrösse. Der Geschäftsmann versteht es wie kein anderer, die Aufmerksamkeit von sich weg zu lenken. Attacken können ihm nichts anhaben: Mit Michigan, Mississippi und Hawaii stellten sich soeben drei weitere Staaten hinter seine Wahl.

Auf den «kleinen» Mann gezielt: Trump kontert Rubio auf Fox News. (Quelle: Youtube)

Dabei gibt es etwas, das Trump wirklich fürchtet: ein Gespräch, das er am 5. Januar mit der «New York Times» geführt hatte – «off the record», also ohne dass es auf Tonband hätte aufgenommen werden sollen. Hätte: Denn gemäss «Buzzfeed» existiert ein Mitschnitt, der Teile des Gesprächs wiedergibt.

Darin soll Trump seine extremen Positionen zur Migrationspolitik relativiert haben. Konkret geht es um die von ihm angekündigte Deportierung der rund elf Millionen illegalen Migranten. Trump soll im Gespräch mit der «New York Times» diesbezüglich plötzlich «mehr Flexibilität» eingeräumt haben. Das steht im Gegensatz zum Hardliner-Image, um das er sich stets bemüht: gnadenlose Deportierung der Migranten und Bau einer hohen Grenzmauer – bezahlt von der mexikanischen Regierung.

Für solch kompromisslose Aussagen wird Trump von seinen Unterstützern geliebt, dafür wählen sie ihn. Deshalb ist es gut nachvollziehbar, dass Cruz und Rubio nun bei jeder Gelegenheit auf eine Veröffentlichung der geheimen Aufnahmen pochen. Es scheint, als lägen darin die letzten verzweifelten Hoffnungen, Trump den Wahlsieg doch noch streitig zu machen. Der Attackierte betont derweil, es sei wichtig, dass «gewisse Dinge» unter Verschluss blieben. Genau deshalb würden Gespräche «off the record» geführt.

Kritisch aus medienethischer Sicht

Das geheime Tape hat inzwischen eine landesweite Debatte ausgelöst: Die Frage, ob der Inhalt veröffentlicht werden solle oder gar müsse, beschäftigt die Gemüter. Die Experten sind geteilter Meinung: Medienethikerin Kelly McBrude sagt zu CNN, dass die Bevölkerung einerseits wissen müsse, wen sie wähle und welche Positionen ihr Kandidat vertrete. Andererseits gehöre es zur journalistischen Praxis, dass Gespräche «off the record» geführt werden: Das helfe den Journalisten herauszufinden, wie eine Person in Wahrheit ticke. Aus medienethischer Sicht sei eine Veröffentlichung jedoch problematisch und widersetze sich dem Versprechen, das man dem Interviewpartner gegenüber geäussert habe.

Rubio plädiert für eine Veröffentlichung der Aufnahme. (Quelle: Youtube)

Paul Farbi, Reporter der «Washington Post», glaubt, dass sich eine Veröffentlichung nicht mehr vermeiden lasse: «Beim Interview waren rund 30 Leute anwesend. Teile des Gesprächs wurden zudem digital aufgezeichnet.» Der Weg ins Netz würde durch einen einzigen Mausklick geebnet. Rubio appelliert nun bei jeder Gelegenheit an Trump: Nur er könne bewirken, dass die Wahrheit auf legale Weise ans Licht komme: «Gib der ‹New York Times› dein Einverständnis. Nur so erfahren wir, wer du wirklich bist.»

Unabhängig von einer möglichen Veröffentlichung verrät die Episode zweierlei über Trump: Der Republikaner scheint in seinen Positionen wankelmütig. «Opportunistisch», sagen seine Gegner Cruz und Rubio. Trump sieht dies naturgemäss anders: «Es ist wichtig für einen Präsidenten, flexibel zu sein.» Zudem erhärtet sich der Eindruck, dass der Unternehmer in gewissen politischen Positionen weniger extrem ist als seine Gegnerschaft.

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