Trumps Lebensstil wird dem Secret Service zu teuer

Obamas Sicherheitskosten für Reisen beliefen sich auf knapp 100 Millionen Dollar. In acht Jahren. Wenn Trump so weitermacht, hat er diese Summe nach drei Jahren zusammen.

Weil Trump die Wochenenden gerne ausserhalb Washingtons verbringt und der Präsident eine grosse Familie hat, geht dem Secret Service bald das Geld aus. (Foto: EPA/Peter Foley)

Weil Trump die Wochenenden gerne ausserhalb Washingtons verbringt und der Präsident eine grosse Familie hat, geht dem Secret Service bald das Geld aus. (Foto: EPA/Peter Foley)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Trump ist teuer. Nein, nicht seine Krawatten. Die sind made in China. Sondern die Kosten für die Sicherheit des Präsidenten und seiner doch recht umfangreichen Familie. Der Chef des Secret Service, Randolph «Tex» Alles, schlägt jetzt Alarm. Wenn nichts passiert, dann gehe dem Sicherheitsdienst am 30. September das Geld aus, sagte Alles der Zeitung USA Today.

Das war zum Teil abzusehen. Unter dem Präsidenten Trump müssen elf Personen mehr geschützt werden als unter seinem Vorgänger Barack Obama. Insgesamt sind es 42 Menschen. Darunter 18 Familienmitglieder, wie etwa Trumps vier erwachsene Kinder und deren Familien.

Dazu kommen aber noch erhebliche Extrakosten. Millionen verschlingt allein Trumps Angewohnheit, beinahe jedes Wochenende entweder in seinem Golfclub «Mar-a-Lago», Florida, zu verbringen, den er gerne auch «Winter White House» nennt - oder auf seinem Landsitz in Bedminster, New Jersey. Der Schutz des Trump Towers an der 5th Avenue in New York kommt auch noch auf die Rechnung. Vor allem die ersten Monate, in denen Trumps Ehefrau Melania in New York blieb, damit Sohn Barron dort sein Schuljahr beenden konnte.

Trump diniert zudem gerne in öffentlichen Räumen. Ein Arbeitsessen mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe hielt er im sehr gut besuchten Restaurant seines Golfclubs in Florida ab. Der Sicherheitsaufwand ist da deutlich höher, als hätten beide - wie üblich - in einem Nebenraum zusammen gegessen.

Der Staat zahlt die Hotelrechnungen in Trumps eigenen Hotels

Die Golf-Anlagen sind von Haus aus nicht für die speziellen Sicherheitsanforderungen eines US-Präsidenten ausgerichtet. Die nötigen Veränderungen trägt der Staat. Die Kosten für das Sicherheitspersonal natürlich auch. Sowie die horrende Miete. Der Staat zahlt die Hotelrechnungen in Trumps eigenen Hotels. Weshalb sich Trump schon den Vorwurf gefallen lassen musste, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Nicht zu vergessen, dass die Küstenwache rund um die Uhr vor «Mar-a-Lago» patrouillieren muss, wenn Trump dort wieder den Golfschläger schwingt. Eine weitere Erschwernis: Das alles läuft, ohne dass der normale Hotelbetrieb gestört werden darf. Trump hat schliesslich Spass daran, hin und wieder überraschend auf Hochzeiten seiner Hotelgäste aufzuschlagen.

Video - Trumps Golfclub in Florida

Hier empfing er im April auch Chinas Staatschef. (Video: Tamedia/AFP)

Trumps Personalbedarf ist enorm. Im vergangenen Jahr wurde die Zahl der Secret-Service-Mitarbeiter um 800 auf 1400 aufgestockt. Allerdings nur, um im Wahljahr die Sicherheit von Präsident Obama sowie der Kandidaten Donald Trump und Hillary Clinton gewährleisten zu können. In diesem Jahr ist das Personal aber gerade mal auf 1100 Agenten zurückgefahren worden.

Wenn dann Trumps Söhne Eric und Donald Trump junior in die 13 000 Kilometer entfernten Arabischen Emirate fliegen, dann ist immer auch Sicherheitspersonal des Secret Service dabei. Der Grund für die Reise war übrigens die Einweihung eines Luxus-Golfclubs, der mit dem Namen Trump geschmückt wurde.

Demokraten werden Budget anheben

Für das kommende Jahr rechnet der Secret Service mit Mehrkosten von gut 60 Millionen Dollar. Knapp die Hälfte davon geht für die erweiterte Familie drauf. Der Rest für die präsidialen Golf-Reisen. Zum Vergleich: Obamas Sicherheitskosten für Reisen beliefen sich auf knapp 100 Millionen Dollar. Allerdings in acht Jahren. Trump wird diese Summe schon nach gut drei Jahren beisammen haben, wenn er so weitermacht.

Und es geht ja nicht nur ums Geld. Die Beamten haben bereits unzählige Überstunden angesammelt. Viele haben die dafür vorgesehenen Obergrenzen längst erreicht. Im September aber kommen in New York gut 150 Staatschefs zur Woche der Vereinten Nationen zusammen. Das gilt in den USA als ein «Nationales Sondersicherheitsereignis» unter der Leitung des Secret Service. Dessen Chef Alles fragt sich, wie er das stemmen soll. «Normalerweise sind wir zu dem Zeitpunkt nicht schon derart leergelaufen.»

Pleitegehen wird der Secret Service nicht. Die Demokraten haben zugesichert, dass sie das Budget anheben werden. Der Secret Service hat auch keine Wahl, er muss das Personal irgendwie bereitstellen. Zur Not auch ohne Bezahlung. Schon jetzt ist klar, dass etwa 130 wieder angeheuerte ehemalige Secret-Service-Beamte auf einen Teil ihrer Entschädigung für Hunderte von Überstunden werden verzichten müssen. Wenn Trumps Präsidentschaft scheitert, dann jedenfalls nicht daran, dass keiner auf ihn aufgepasst hat.

Bildstrecke - Trump und die Sonnenfinsternis

(Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 22.08.2017, 21:15 Uhr

Artikel zum Thema

Trumps direkter Blick in die Sonne erntet Spott

Donald Trump konnte sich einen ungeschützten Blick in die Sonne während der Sonnenfinsternis nicht verkneifen. Und sorgt damit für Gelächter im Internet. Mehr...

Die Pannenserie von Trumps Secret Service

Der US-Präsident sollte sich statt um die Mexiko-Grenze mehr Sorgen um die Grenze zum eigenen Haus machen. Denn da kommt es zu immer mehr Zwischenfällen. Mehr...

Secret Service fasst Mann erst nach 17 Minuten

Video Nun wurden Details zur Sicherheitspanne beim Weissen Haus bekannt: Einem 26-jährigen Eindringling gelang es, über den Zaun zu klettern und an einem Türgriff zu rütteln. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Dank Hightech sicherer im Schnee unterwegs

Gewinnen Sie mit Bächli Bergsport und Mammut ein Lawinenverschütteten-Suchgerät der neusten Generation.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Besuch aus der Heimat: Die Schweizergardisten im Vatikan stehen stramm, denn Bundesrat Alain Berset ist auf Visite. (12. November 2018)
(Bild: Peter Klaunzer) Mehr...