Trumps «Pitbull» muss bezahlen

Die Hausdurchsuchung des FBI bei seinem persönlichen Anwalt bringt Donald Trump in eine heikle Lage.

Bei ihm stand das FBI vor der Hotelzimmertür: Donald Trumps Anwalt Michael Cohen. Bild: Reuters/Jonathan Ernst

Bei ihm stand das FBI vor der Hotelzimmertür: Donald Trumps Anwalt Michael Cohen. Bild: Reuters/Jonathan Ernst

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Michael Cohen ist Jurist. Insofern wusste er, was los war, als am Montag die Herren vom FBI mit einem Durchsuchungsbefehl vor der Tür seines Hotelzimmers an der New Yorker Park Avenue standen, wo er derzeit lebt, weil seine Wohnung renoviert wird. Er liess sie herein, und sie nahmen mit: Computer, Unterlagen, Dokumente – die ganze vertrauliche Korrespondenz, die ein Anwalt mit seinen Klienten so führt und in der all die Geheimnisse dieser Klienten schwarz auf weiss niedergeschrieben sind, die harmlosen und die nicht ganz so harmlosen.

Kein Wunder also, dass Cohens Klienten jetzt nervös sind. Genauer gesagt: Cohens Klient, denn der 51-Jährige arbeitet nur für einen einzigen Mann – Donald Trump, einst Immobilienunternehmer in New York, heute Präsident der USA. Sein Titel klingt fast bescheiden: Trumps persönlicher Anwalt. Doch Cohen ist auch mit weniger harmlosen Begriffen beschrieben worden: Trumps Pitbull, Trumps Ausputzer, Trumps Wachhund. Man könnte es auch so sagen: Cohen weiss vermutlich Dinge über Trump, die für diesen durchaus unangenehm sein könnten – und er weiss es, weil es sein Job ist, diese unangenehmen Dinge für Trump zu erledigen.

«Eine Schande»: Trump über das Vorgehen des FBI gegen Michael Cohen. Video: AFP/Tamedia

In diese Kategorie fallen zum Beispiel die 130'000 Dollar, die Cohen im Herbst 2016, wenige Tage vor der US-Präsidentschaftswahl, über eine ausländische Briefkastenfirma an die Pornodarstellerin Stormy Daniels bezahlt hat. Daniels verpflichtete sich im Gegenzug dazu, nicht öffentlich über eine Nacht zu sprechen, die sie nach eigenen Angaben etwa zehn Jahre zuvor mit Trump verbracht haben will. Die genauen Umstände dieser Zahlung sind unklar.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als habe Trumps Anwalt im Auftrag seines Klienten einer Frau Schweigegeld bezahlt, damit diese nicht kurz vor der Wahl von ihrer Affäre mit dem damaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten erzählt. Allerdings bestreitet Trump sowohl jede sexuelle Beziehung zu Daniels als auch jegliches Wissen über Cohens Zahlung an sie. Cohen will auf eigene Faust und Kosten gehandelt haben, ohne Auftrag des Chefs und ohne das Geld von Trump zurückerstattet bekommen zu haben. Wirklich glaubhaft ist das nicht, und selbst wenn es so war, könnte Cohen gegen Betrugs- und Wahlkampfspendengesetze verstossen haben. Deswegen tauchte jetzt die New Yorker Staatsanwaltschaft bei ihm auf.

Mueller steckt dahinter

Für Trump ist die Lage heikel. Entsprechend reagierte er. Die Durchsuchung sei eine «Schande», ein Angriff, «auf alles, wofür wir stehen». Denn die New Yorker Staatsanwälte wurden von Sonderermittler Robert Mueller auf Cohens Spur gebracht. Mueller untersucht die russischen Einmischungsversuche bei der Wahl 2016. Er will herausfinden, ob Trump oder seine Mitarbeiter davon wussten, dabei geholfen oder später versucht haben, die Aufklärung durch die Justiz zu behindern. Cohens Name ist im Zusammenhang mit diesen Ermittlungen immer wieder aufgetaucht. Dass Mueller jetzt mit dem grössten Kaliber auf einen so engen Trump-Vertrauten wie Cohen schiesst, der alle krummen Deals der Vergangenheit kennt, muss den Präsidenten beunruhigen.

Für Michael Cohen ist der Besuch des FBI vor allem eine bittere Lektion, die auch andere schon lernen mussten: Wer sich mit Trump einlässt, muss irgendwann dafür bezahlen.

Erstellt: 10.04.2018, 20:39 Uhr

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