Trumps Startvorteil

Der designierte Präsident hat sich zwischen Wahl und Inauguration mit Streitereien aufgehalten, anstatt sich vorzubereiten. Davon könnte er profitieren.

Provozierte auch hier: Donald Trump bei einer Pressekonferenz im Trump Tower. Foto: Shannon Stapleton (Reuters)

Provozierte auch hier: Donald Trump bei einer Pressekonferenz im Trump Tower. Foto: Shannon Stapleton (Reuters)

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Der eine geht, der andere kommt: Am Freitag endet die Präsidentschaft Barack Obamas, es beginnt die Amtszeit Donald Trumps. Der 44. Präsident darf sich freuen, seine Zustimmungsrate liegt laut einer neuen Umfrage der «Washington Post» bei 60 Prozent. Zuletzt war Obama im Juni 2009 ähnlich beliebt.

Der 45. Präsident hingegen ist gemäss mehreren Umfragen der unbeliebteste Amtsanfänger der neueren US-Geschichte: Nur 40 bis 44 Prozent der Amerikaner sind Donald Trump zugetan, einer Mehrheit graust es vor ihm. Trump wiederum nervt das: «Die gleichen Leute, die falsche Wahlumfragen gemacht haben, sind schon wieder am Werk, und die Umfragen sind so falsch wie zuvor», twitterte er verärgert.

«Legt sich mit jeder Windmühle an»

Einmal davon abgesehen, dass die meisten Wahlumfragen so falsch nicht waren – Hillary Clinton besiegte Trump mit 48 zu 46 Prozent, die meisten Erhebungen sahen sie mit 3 Prozent vorn –, hat Trump gewiss recht: Man sollte abwarten, wohin der neue Präsident das amerikanische Gemeinwesen lenkt. Die schlechten Werte widerspiegeln jedoch nicht nur das weiterhin vorhandene Unbehagen über Trump als Präsidenten. Sie sind auch die Quittung dafür, dass er die Übergangszeit seit seinem Wahlerfolg nicht wirklich genutzt hat. «Er scheint sich mit jeder Windmühle anzulegen, die er finden kann, anstatt sich darauf zu konzentrieren, dass er das wichtigste Amt der Welt antritt», befand der Senator John McCain am Dienstag über die quijotischen Anwandlungen des designierten Präsidenten. Mal ging er auf Angela Merkel los, mal auf Meryl Streep, mal auf die afroamerikanische Bürgerrechtsikone John Lewis: Trumps Dünnhäutigkeit verstört viele Amerikaner und schlägt sich in schlechten Umfragewerten nieder. Trotzdem aber ist die Reaktion vorschnell: Präsident Trump muss gemessen werden an dem, was er zustande bringt oder nicht zustande bringt – also bitte erst ab Freitag.

Bill Clinton beliebter als Obama

Oder ab Montag: Den Montag betrachte er als seinen «ersten Tag», sagte Trump in einem Interview. Vielleicht muss er sich am Wochenende von den Feierlichkeiten zu seiner Amtseinführung in Washington erholen, vielleicht brütet er auch über allerlei Plänen, die er möglichst schnell umsetzen möchte.

Barack Obama hat derartigen Druck hinter sich und darf sich freuen, dass er nach acht Jahren fast so beliebt ist wie Ronald Reagan nach zwei Amtszeiten. In der demoskopischen Rangfolge amerikanischer Präsidenten ist Obama beliebter als Lyndon Johnson, John F. Kennedy, Dwight Eisenhower und George Herbert Walker Bush, aber unbeliebter als Bill Clinton und Franklin Roosevelt.

Ganz hinten rangieren Figuren wie Richard Nixon und George W. Bush. Ersteren mochten 24 Prozent am Ende seines Aufenthalts im Weissen Haus, Letzteren 33 Prozent. Donald Trump hat solche Bewertungen noch vor sich. Im Januar 2021 wird er irgendwo zwischen null und hundert Prozent liegen. Vielleicht hat Trump es einfacher als Obama: Wenn die Erwartungen niedrig sind, ist eine positive Überraschung leichter zu liefern.

Erstellt: 19.01.2017, 20:02 Uhr

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