Trumps Übersetzer weiss, was wirklich gesagt wurde

Nur ein Versprecher? Beim Vier-Augen-Gespräch Trumps mit Putin waren noch zwei Personen dabei. Eine soll jetzt aussagen.

Die beiden waren am Montag rund zwei Stunden alleine – nur mit Übersetzern, aber ohne Berater: Donald Trump und Wladimir Putin.

Die beiden waren am Montag rund zwei Stunden alleine – nur mit Übersetzern, aber ohne Berater: Donald Trump und Wladimir Putin. Bild: BRENDAN SMIALOWSKI/AFP

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«Ich rufe zu einer Kongressanhörung mit dem Übersetzer auf, der beim Treffen von Präsident Trump mit Putin anwesend war, um aufzudecken, was die beiden privat miteinander diskutierten.» Das twitterte Jeanne Shaheen, die demokratische Senatorin aus dem Bundesstaat New Hampshire. Dieser Übersetzer könne «in unserem Auftrag» helfen herauszufinden, was Trump mit Putin teilte, was er ihm versprach.

Grund für ihre Aufforderung ist die grosse Aufregung in den USA um Donald Trumps Aussagen zur mutmasslichen Einmischung Russlands in den Wahlkampf. Der US-Präsident hatte beim Gipfel mit Putin am Montag vor den Medien gesagt: «Ich sehe keinen Grund, warum es (Russland) wäre.» Trump stellte sich nicht auf die Seite der US-Geheimdienste, die wie die Ermittlungsbehörden überzeugt von einer russischen Urheberschaft sind. «Ich habe grosses Vertrauen in meine Geheimdienstleute», sagte Trump. «Aber ich werde ihnen sagen, dass Präsident Putin in seinem Dementi heute extrem stark und kraftvoll war.» Er fügte hinzu: «Ich habe Vertrauen in beide Parteien.»

Shaheen ist nicht das einzige Parlamentsmitglied, das eine Anhörung des Übersetzers verlangt: «Der Übersetzer sollte vor den Kongress kommen, um Zeugnis davon abzulegen, was privat gesagt wurde», twitterte der demokratische Repräsentant Joe Kennedy aus dem Bundesstaat Massachusetts. «Falls die Republikaner wirklich so ausser sich sind, wie sie vorgeben», dann sollten sie sich noch heute für eine Anhörung starkmachen.

Die Republikaner hätten es in der Hand, den Übersetzer als Zeugen zur Aussage vor den Kongress zu bringen. Ob sie sich zu einem solchen Schritt bewegen, ist noch unklar.

Donald Trump krebste gestern zurück und stellte den Fall als Versprecher dar. Er habe den Satz sagen wollen: «Ich sehe keinen Grund (...), warum es nicht Russland sein sollte», das hinter den Hackerangriffen steckte. Das «nicht» habe er versehentlich weggelassen. Seine umständliche Erläuterung des angeblichen Versprechers wiederholte Trump mehrmals.

Video: Es soll ein Versprecher gewesen sein

So erklärte Donald Trump, warum er nun plötzlich von seiner Aussage vom Montag zurückkrebst. (Reuters)

Bei einer Erklärung im Weissen Haus am Dienstag bekannte er sich zudem zu den eigenen Geheimdiensten. Er akzeptiere deren Erkenntnisse, wonach Russland hinter den Hackerangriffen während des US-Wahlkampfs 2016 steckte. Trump fügte jedoch hinzu: «Es könnten auch andere Leute gewesen sein.»

In den USA untersucht Sonderermittler Robert Mueller die mutmasslichen Einmischungen Moskaus in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 und mögliche diesbezügliche Absprachen mit dem Trump-Team. Vergangene Woche hatte die US-Justiz zwölf Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes unter Anklage gestellt. Ihnen wird vorgeworfen, für Hackerangriffe unter anderem gegen das direkte Umfeld der Trump-Rivalin Hillary Clinton verantwortlich zu sein. (cpm/sda/afp)

Erstellt: 18.07.2018, 09:01 Uhr

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