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Über 1600 neue Brände am Amazonas – G7 sagt Hilfe zu

Emmanuel Macron verspricht Taten. Doch am Amazonas wüten immer neue Feuer und in Bolivien wird eine Million Hektar Urwald vernichtet.

Allein in Bolivien wurden innerhalb weniger Tage fast eine Million Hektar Urwald vernichtet: Ein Feuerwehrmann kämpft gegen die verheerende Brände. Foto: Keystone
Allein in Bolivien wurden innerhalb weniger Tage fast eine Million Hektar Urwald vernichtet: Ein Feuerwehrmann kämpft gegen die verheerende Brände. Foto: Keystone

Die sieben führenden westlichen Industriestaaten wollen die Bekämpfung der Waldbrände im Amazonasgebiet unterstützen. Die Hilfe der G7-Gruppe solle den betroffenen Ländern «so schnell wie möglich» zugute kommen, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Rande des Gipfeltreffens der Staatengruppe am Sonntag in Biarritz. Im ökologisch wichtigen Amazonasgebiet lodern derzeit tausende Waldbrände, vor allem Brasilien ist betroffen.

Macron verwies darauf, dass das Amazonas-Anrainerland Kolumbien am Morgen die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten habe. «Deswegen müssen wir uns bereit zeigen», sagte er in Biarritz. Die G7-Länder stünden «mit allen Ländern des Amazonasgebiets» in Kontakt. In den Gesprächen gehe es nun darum, die Details der technischen und finanziellen Hilfen festzulegen. Geplant sei ein «internationaler Mobilisierungsmechanismus».

Nach dem internationalen Aufschrei wegen der verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet wird die Brandbekämpfung spürbar verstärkt: Sieben brasilianische Bundesstaaten beantragten die Hilfe der Armee. Präsident Jair Bolsonaro hatte durch ein Dekret den Weg zur Mobilisierung von 43'000 Soldaten freigemacht. Sechs Flugzeuge zur Brandbekämpfung wurden zu ihren Einsatzorten geschickt. Das brasilianische Forschungsinstitut INPE entdeckte indes 1663 neue Brandherde, seit Jahresbeginn stieg die Zahl auf mehr als 78'000. In Bolivien wurden innerhalb weniger Tage fast eine Million Hektar Urwald durch Brände vernichtet.

Die Nasa hat ein Bild veröffentlicht, auf welchem die aktiven Brandherde in Südamerika zwischen dem 15. und 22. August 2019 zu sehen sind. Bild: Nasa
Die Nasa hat ein Bild veröffentlicht, auf welchem die aktiven Brandherde in Südamerika zwischen dem 15. und 22. August 2019 zu sehen sind. Bild: Nasa

Bolsonaro steht international unter Druck, weil er die Bedeutung der Waldbrände zunächst herunterspielte. «Es gibt überall auf der Welt Waldbrände - und das kann nicht als Vorwand für mögliche internationale Sanktionen dienen», sagte er am Freitag. Dann jedoch erliess er ein Dekret, das für vier Wochen den Einsatz von Truppen zur Verhinderung und Bestrafung von «Umweltdelikten» und zum Kampf gegen die Flammen regelt.

EU-Ratspräsident Donald Tusk machte am Samstag den Fortgang der Ratifizierung des Handelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten von einem glaubwürdigen Einsatz Brasiliens gegen die Waldbrände abhängig. Frankreich und Irland drohten mit einer Blockade des Freihandelsabkommens. Die spanische Regierung hingegen erklärte, das Abkommen werde «riesige Möglichkeiten für beide Seiten bringen» - und lehnte eine Blockade der Ratifizierung ab.

«Unser Haus brennt – da können wir nicht schweigen.»

Angela Merkel am G-7-Treffen in Biarritz

Als der französische Präsident Emmanuel Macron als Ausrichter des G7-Gipfels in Biarritz ankündigte, die Waldbrände bei dem Gipfel zum Thema zu machen, warf Bolsonaro ihm eine «kolonialistische Mentalität» vor.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel unterstützte ausdrücklich Macrons Entscheidung, die Brände auf die Tagesordnung des Gipfels zu setzen: «Unser Haus brennt - und da können wir nicht schweigen.» Durch die «schrecklichen Brände» am Amazonas sei die Welt «in ganz besonderer Weise aufgerüttelt». Im Kreise der Gipfelteilnehmer kündigte Merkel an, Bolsonaro in der kommenden Woche anrufen zu wollen, um ihm mitzuteilen, «dass wir nicht gegen ihn arbeiten», wie aus einer über den Online-Dienst Twitter verbreitete Aufnahme des Videodienstes Bloomberg Tic Toc hervorging.

Brasilianischer Häuptling ruft zum Einschreiten auf

Der brasilianische Häuptling Raoni Metuktire rief die internationale Gemeinschaft zum Einschreiten gegen Bolsonaro auf. Macron und weitere internationale Akteure könnten «Druck machen», damit das brasilianische Volk Bolsonaro «los wird» und das Parlament des südamerikanischen Staates die Absetzung des Präsidenten beschliesse, sagte Raoni der Nachrichtenagentur AFP. Das Oberhaupt des Volks der Kayapó machte Bolsonaro für die Brände verantwortlich. Er stachele die Bauern dazu an, den Regenwald in Flammen zu setzen, um zusätzliches Ackerland zu gewinnen.

(AFP)

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