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Unruhen in Kirgisien: Schreitet nun Russland ein?

Russlands Präsident Medwedew erwägt nun doch militärische Hilfe nach Kirgisien zu entsenden. Die Zahl der Todesopfer ist auf 117 angestiegen.

Ein Land im Ausnahmezustand: Regierungstruppen patrouillieren in der kirgisischen Stadt Osch.
Ein Land im Ausnahmezustand: Regierungstruppen patrouillieren in der kirgisischen Stadt Osch.
Keystone

Der russische Präsident Dmitri Medwedew will wegen der blutigen Unruhen im Süden des zentralasiatischen Landes Kirgisien nun doch die Frage eines militärischen Beistands erörtern lassen. Dazu treffen sich an diesem Montag in Moskau die Gremien der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS), einer Militärorganisation früherer Sowjetstaaten, wie der Radiosender Echo Moskwy berichtete.

In der Stadt Osch war die Lage laut kirgisischen Medien am Montagmorgen etwas ruhiger, während es in Dschalal-Abad zu neuen ethnischen Zusammenstössen zwischen Kirgisen und Usbeken kam. Die Zahl der Toten stieg nach offiziellen Angaben auf 117. Mehr als 1500 Menschen wurden verletzt. Zehntausende Usbeken sind auf der Flucht.

Die ethnischen Auseinandersetzungen im Fergana-Tal müssten nun so rasch wie möglich beendet werden, sagte Medwedew nach Angaben der Agentur Interfax. Bei der Krisensitzung der OVKS sollten alle Mittel ausgelotet werden, um den «Bürgerfrieden» im Süden Kirgistans wiederherzustellen.

Unterfinanziertes Militär

Medwedew reagierte damit auf eine neue Bitte der kirgisischen Übergangsregierungschefin Rosa Otunbajewa, Friedenstruppen zur Verstärkung zu schicken. Russland hatte dies am Samstag zunächst abgelehnt. Das Militär des Hochgebirgslandes an der Grenze zu China gilt als chronisch unterfinanziert und schwach.

Russland hatte am Sonntag ein Sonderkontingent mit Fallschirmjägern in drei Militärmaschinen nach Kirgisien transportieren lassen. Die Soldaten sollten aber nur den russischen Stützpunkt im nordkirgisischen Kant beschützen, hiess es. Nur im Süden ist die Führung nicht mehr Herr der Lage. Kirgisien kommt seit dem Sturz des autoritären kirgisischen Präsidenten Kurmanbek Bakijew Anfang April nicht mehr zur Ruhe.

Bakijew als Drahtzieher vermutet

Die Interimsregierung vermutet Bakijews Familienclan hinter den Krawallen. Provokateure sollen durch gezielte Morde unter Kirgisen und Usbeken die seit langem in Spannung lebenden Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufgebracht haben.

Die Usbeken geben die Zahl der Toten mit über 500 an. Das Rote Kreuz beklagte, dass viele Leichen ohne vorherige Identifizierung begraben würden. Es sind die schwersten Zusammenstösse seit 20 Jahren.

SDA/jak

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