«Unser Atom-Arsenal ist mächtiger als je zuvor»

US-Präsident Donald Trump lässt den Streit mit Nordkorea weiter eskalieren. Die Kritik an der verbalen Kraftmeierei nimmt zu.

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Im Konflikt zwischen den USA und Nordkorea wächst nach einem verbalen Schlagabtausch beider Staatschefs die Furcht vor einer militärischen Eskalation. Die Führung in Pyongyang drohte heute mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam als Präventivschlag, wenn es Anzeichen für eine Provokation seitens der Vereinigten Staaten gebe.

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor den Tonfall verschärft und Nordkorea mit «Feuer und Zorn» gedroht, wie es die Welt noch nie erlebt habe. Darauf reagierte Nordkorea harsch. Das Land ziehe ernsthaft einen Angriff auf Guam in Erwägung und prüfe dies sorgfältig, hiess es in Erklärungen der Armee, die am Mittwoch von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreitet wurden. Ein solcher Plan könne jederzeit umgesetzt werden, sobald Machthaber Kim dies befehle.

Die USA nutzen Guam, das 3500 Kilometer von Nordkorea entfernt liegt, als militärischen Vorposten. Neben B-52-Langstreckenbombern hat die Armee dort auch einen U-Boot-Verband und Tausende Soldaten stationiert. Die Insel wird vom Raketenabwehrsystem Thaad geschützt.

Guam liegt etwa 2100 Kilometer östlich der Philippinen und 3250 Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernt im Pazifik. (Karte: Google Maps)

«Entspannen und das Paradies geniessen»

Guams Gouverneur Eddie Calvo reagierte gelassen auf die Drohungen aus Pyongyang. Das US-Aussengebiet sei «auf alle Eventualitäten vorbereitet», sagte Calvo in einer Fernsehansprache. Guams Sicherheitsberater George Charfauros sagte, die 162'000 Inselbewohner sollten sich «entspannen und das Paradies geniessen».

US-Aussenminister Rex Tillerson bemühte sich später um eine Deeskalation. Er glaube nicht, dass von Nordkorea eine unmittelbare Bedrohung ausgehe, sagte er auf dem Flug nach Guam. Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un verstehe keine diplomatischen Formulierungen. Daher habe Trump ihm eine starke Botschaft in einer Sprache gesandt, die er begreife.

Trump selbst betonte heute die Stärke des amerikanischen Atomwaffen-Arsenals. «Hoffentlich werden wir dieses Arsenal nie einsetzen müssen», sagte er. Die USA würden jedoch immer die mächtigste Nation der Welt sein, schrieb er auf Twitter.

«Nicht sicher, ob Trump bereit ist zu handeln»

In den USA gab es jedoch auch Kritik an Trumps verbaler Aufrüstung. Der demokratische Abgeordnete Eliot Engel kritisierte, dass Trump mit seiner Drohung eine «absurde rote Linie» gezogen habe.

Zudem sagte der republikanische Senator John McCain, «grosse Führungspersönlichkeiten» drohten ihren Feinden nur, wenn sie auch zum Handeln bereit seien. «Ich bin mir nicht sicher, ob Präsident Trump bereit ist zu handeln», sagte der Vietnamkriegs-Veteran, der vor einer «ernsthaften Konfrontation» mit Nordkorea warnte.

Nordkoreas engster Verbündeter China rief zur Ruhe und einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf, um eine politische Lösung zu finden. Alle Beteiligten sollten Worte und Taten vermeiden, die die Probleme verschärfen könnten.

Aus dem südkoreanischen Präsidialamt verlautete, man halte eine friedliche Lösung für wahrscheinlich. In Südkorea und Japan sind noch immer Zehntausende US-Soldaten stationiert. Formal befinden sich die USA und Südkorea noch im Krieg mit Nordkorea, da der Konflikt von 1950 bis 1953 nur mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensvertrag endete.

Drohung wegen Zeitungsbericht

Anlass für Trumps Drohung war ein Zeitungsbericht, demzufolge Nordkorea erhebliche Fortschritte bei seinem Raketenprogramm gemacht hat. Pyongyang habe einen atomaren Sprengkopf entwickelt, der klein genug für seine Interkontinentalraketen sei, berichtete die «Washington Post» unter Berufung auf eine Analyse des US-Militärgeheimdienstes DIA. Das würde bedeuten, dass Nordkorea näher am Ziel einer Atomrakete ist als bisher angenommen.

Pyongyang treibt trotz internationaler Sanktionen seit Jahren sein Raketen- und Atomwaffenprogramm voran. Im Juli testete Nordkorea zwei Interkontinentalraketen, mit denen das Land nach Einschätzung von Experten das US-Festland treffen könnten. Der UNO-Sicherheitsrat verschärfte am Samstag die Strafmassnahmen gegen Pyongyang. (rub/nag/sda)

Erstellt: 09.08.2017, 15:15 Uhr

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Nordkorea hat einen zu lebenslanger Haft verurteilten kanadischen Geistlichen freigelassen. Der etwa 60 Jahre alte Mann sei aus Gesundheitsgründen auf freien Fuss gesetzt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch. Die Entscheidung habe das Zentralgericht gefällt. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt. Zuvor hatte das Büro des kanadischen Premierministers Justin Trudeau mitgeteilt, eine Delegation, die über die Freilassung des Pastors verhandeln solle, sei am Dienstag in Pjöngjang eingetroffen.

Der Pfarrer stammt aus Südkorea und war nach Angaben von Unterstützern während einer humanitären Aktion in Nordkorea verhaftet worden. Ein Gericht befand ihn 2015 für schuldig, versucht zu haben, die Staatsordnung mit Hilfe der Religion zu stürzen und die USA und Südkorea bei der Entführung von Nordkoreanern zu unterstützen. (AP)

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