«Unser Respekt gegenüber Menschenrechten ist makellos»

Venezuelas Botschafter in der Schweiz, César Méndez, sieht Präsident Maduro und sich selbst auf der richtigen Seite der Geschichte.

Venezuela befindet sich gemäss Botschafter César Méndez unter Beschuss von «Terroristen». Foto: Carlos Garcia Rawlins (Keystone)

Venezuela befindet sich gemäss Botschafter César Méndez unter Beschuss von «Terroristen». Foto: Carlos Garcia Rawlins (Keystone)

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Vor wenigen Tagen wurden das Innenministerium und das oberste Gericht in Venezuela von einem Helikopter aus beschossen. Wie schätzen Sie diese Tat ein?
Die beiden Institutionen und ihr Personal sind Opfer eines Terroraktes geworden. Überall auf der Welt würden die Behörden gegen die intellektuellen und materiellen Urheber einer solchen Tat vorgehen und sie bestrafen. Die Absicht dieser Leute besteht darin, eine legitime Regierung zu stürzen, die das Volk in transparenten Wahlen bestimmt hat. Es ist auffällig, dass viele ausländische Regierungen schweigen, während zahlreiche internationale Medien eine Tat zu banalisieren versuchen, die sich so innerhalb der sozialen und politischen Dynamik Venezuelas nie zuvor ereignet hatte.

Bilder – Angriff auf das oberste Gericht in Caracas

Besteht die Gefahr eines Bürgerkrieges in Venezuela?
Die Gegner der Regierung und jene, die von aussen Gewalt in unserem Land schüren, würden gerne einen Bürgerkrieg entfachen. Ich glaube an Werte wie Frieden, Freiheit, Fröhlichkeit, Respekt und Weisheit, die unser Volk schon immer ausgezeichnet haben. Ich bin sicher, dass diese Werte einen Konflikt zwischen Brüdern verhindern werden. Präsident Nicolás Maduro hat für den 30. Juli zur Wahl einer Verfassunggebenden Versammlung aufgerufen, die hoffentlich die Basis für einen konstruktiven Dialog schaffen und die angespannte Situation in meinem Land entkrampfen wird.

Die Situation in Ihrem Land ist angespannt, weil Venezuela die weltweit höchste Inflation hat, weil Versorgungsmangel herrscht, weil sich vor Supermärkten kilometerlange Schlangen bilden und weil die Wirtschaftsleistung vergangenes Jahr um unglaubliche 19 Prozent abgestürzt ist. Wer ist für dieses Desaster verantwortlich? Mein Land ist in den letzten drei Jahren Opfer einer ökonomischen und finanziellen Kampagne geworden, wie es sie nie zuvor in unserer jüngeren Geschichte gegeben hatte. Dasselbe ist 1973 der chilenischen Regierung unter Salvador Allende widerfahren. Es gibt Schwierigkeiten bei der Verteilung von Lebensmitteln, weil gewalttätige, von der Opposition aufgestachelte Gruppierungen Transporte und Lagerhallen für Lebensmittel und Medikamente überfallen und in Brand stecken.

Ich muss zugeben, dass die meisten Venezolanerinnen und Venezolaner in der Schweiz auf der Seite der Opposition stehen.

Und was ist mit dem Absturz der Wirtschaft?
Was den Rückgang des Bruttoinlandproduktes betrifft: Daran hat der Zerfall des Erdölpreises, unseres wichtigsten Exportproduktes, einen grossen Anteil. Trotz dieser Schwierigkeiten hat die Regierung ihre Sozialprogramme aufrechterhalten und beispielsweise 1,6 Millionen Wohnungen und Häuser gebaut. Sie erhöht regelmässig die Löhne der Arbeiter, um die Inflation zu kompensieren. Ausserdem hat Venezuela nie aufgehört, seine Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland zu bezahlen. Wir haben mehr als 100 Jahre lang auf das Erdölgeschäft vertraut und die Diversifizierung unserer Wirtschaft vernachlässigt. Aber dieses Problem wird nun angepackt – und das stört grosse internationale Unternehmen, die uns lieber als Konsumenten statt als Produzenten von Nahrungsmitteln und Konsumgütern sehen.

Die UNO, die EU, Amnesty International und selbst die sozialistische Internationale verurteilen die Regierung Ihres Landes wegen systematischer Verletzungen der Menschenrechte.
Damit bin ich nicht einverstanden. Es gibt Personen in den von Ihnen erwähnten Organisationen, die aus politischen und ökonomischen Gründen progressive Regierungen zu torpedieren versuchen. Wir sind stolz auf unseren makellosen Respekt gegenüber den Menschenrechten und auf unsere zutiefst humanistische Verfassung. Venezuela war zwischen 2012 und 2015 Mitglied des UN-Menschenrechtsrates und wurde danach für weitere drei Jahre bestätigt. Das widerlegt das Gerede von den Menschenrechtsverletzungen in Venezuela.

Video – Frau attackiert Botschafter Méndez in der Migros

Wie reagiert die venezolanische Gemeinschaft in der Schweiz auf die Ereignisse in ihrem Land?
Es gibt in der Schweiz nicht sehr viele venezolanische Landsleute. Die meisten sind gut ausgebildet und stellen für die Regierung und die Gesellschaft der Schweiz keinerlei Belastung dar. Ich muss zugeben, dass die meisten Venezolanerinnen und Venezolaner in der Schweiz auf der Seite der Opposition stehen. Ich akzeptiere dies, ausser bei jenen, die sich von extremistischen Gruppierungen dazu anstacheln lassen, Andersdenkende anzugreifen oder zu beleidigen.

Überfällt Sie nie der Verdacht, auf der falschen Seite der Geschichte zu stehen?
Ich stamme aus einer ärmlichen Familie, die aber reich an Werten ist. Ich liebe den Frieden, habe einen tiefen Respekt vor anderen Menschen und unterstütze jedes Projekt zugunsten des Friedens und des menschlichen Wohlergehens. Deshalb glaube ich, auf der richtigen Seite des Lebens und der Geschichte zu stehen.

Das Interview wurde per Mail geführt.

Erstellt: 03.07.2017, 16:02 Uhr

César Méndez

Venezolanischer Botschafter in der Schweiz.

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