USA: Putin mischt sich mit Hackerangriffen in US-Wahlkampf ein

Die US-Regierung ist überzeugt, dass Russland hinter der Enthüllung von Emails der demokratischen Parteiführung steckt. Steinmeier warnt vor Konfrontation zweier Grossmächte.

Will er die US-Präsidentschaftswahl beeinflussen? Der russische Präsident Wladimir Putin, hier im Kreml in Moskau. (6. Oktober 2016)

Will er die US-Präsidentschaftswahl beeinflussen? Der russische Präsident Wladimir Putin, hier im Kreml in Moskau. (6. Oktober 2016)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Washington hat Moskau offiziell beschuldigt, hinter den Hackerangriffen auf die Demokratische Partei zu stecken. Zwei US-Behörden werfen Russland vor, sich mit den Cyberattacken in die US-Wahlen eingemischt zu haben.

Aufgrund des Ausmasses dieser Angriffe sei davon auszugehen, dass «nur Russlands höchstrangige Regierungsverantwortliche diese Aktivitäten genehmigt haben können», erklärten am Freitag das Homeland-Security-Ministerium und das Amt des Geheimdienstkoordinators in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Diese Cyberattacken zielten darauf ab, «sich in den US-Wahlprozess einzumischen». Dabei handle es sich um Methoden, die für Russland nicht neu seien, hiess es in der Erklärung. Moskau habe «ähnliche Taktiken und Techniken eingesetzt, um die öffentliche Meinung in Europa und Eurasien zu beeinflussen».

Russland stand schon in den vergangenen Monaten im Verdacht, hinter dem Cyberangriff auf die Parteizentrale der Demokraten zu stecken. Doch ist es nun das erste Mal, dass die US-Regierung diesen Vorwurf offiziell erhebt.

Strafmassnahmen noch offen

Der Druck auf die US-Regierung war zuletzt erhöht worden, damit diese Russland zum Drahtzieher der Hackerangriffe auf politische Gruppen, darunter die Parteiführung der Demokraten, ausruft. Russland und die USA liegen bereits in anderen Themen wie dem Konflikt in Syrien über Kreuz.

Das Weisse Haus teilte nicht mit, ob die offizielle Zuschreibung der Verantwortung Strafmassnahmen gegen Russland nachziehen wird. Die USA würden «zu einer Zeit und an einem Ort unserer Wahl» darauf eingehen, hiess es aus Regierungskreisen. Welche Schritte Washington bereits ergriffen hat oder in Zukunft gegen Moskau ergreifen wird, wird die Öffentlichkeit demnach nicht zwangsläufig erfahren.

Die US-Behörden ermitteln zu Cyberattacken auf das Demokratische Nationalkomitee und den Wahlkampfausschuss der demokratischen Kongressabgeordneten. Auch auf Wahldatensysteme in mindestens zwei US-Staaten hat es Angriffe gegeben.

Enthüllungen führten zu Rücktritt

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte im August gehackte E-Mails von Mitgliedern und Mitarbeitern des Parteivorstandes der Demokraten veröffentlicht. Daraus ging hervor, dass das Führungsgremium im Vorwahlkampf stark zugunsten von Hillary Clinton und somit gegen ihren Rivalen Bernie Sanders voreingenommen war. Die Enthüllungen führten zum Rücktritt von Parteichefin Debbie Wasserman Schultz.

Später wurde bekannt, dass der Hackerangriff auf die Demokraten noch umfangreicher war. Schon damals verdächtigen Experten und Regierungskreise russische Hacker mit Verbindungen zu Regierungsorganisationen.

Steinmeier warnt vor Konfrontation

Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnt angesichts der Spannungen zwischen den USA und Russland. «Der Konfliktstoff zwischen Russland und den USA wächst an», sagte Steinmeier der «Bild»-Zeitung. «Reste an Vertrauen scheinen aufgebraucht. Wenn es so weitergeht, fallen wir zurück in Zeiten der Konfrontation zwischen zwei Grossmächten.»

Die Situation mit dem Kalten Krieg gleichzusetzen sei allerdings falsch, sagte Steinmeier den Angaben zufolge weiter. «Die neuen Zeiten sind anders, sind gefährlicher. Früher war die Welt zweigeteilt, aber Moskau und Washington kannten ihre roten Linien und respektierten sie.»

(woz/SDA/AP)

Erstellt: 07.10.2016, 23:20 Uhr

Artikel zum Thema

USA beenden Syrien-Gespräche mit Russland

Die Verhandlungen über einen Waffenstillstand in Syrien liegen auf Eis. Die Spannungen zwischen den USA und Russland haben sich verschärft. Mehr...

Cancellara und Schurter im Hacker-Wirbel

Nun erscheinen auch die Namen von Fabian Cancellara und Nino Schurter auf einer der Listen, die eine anonyme Gruppierung bei der Welt-Anti-Doping-Agentur gehackt hat. Mehr...

Russische Hacker bezichtigen US-Sportler des Dopings

Gestohlene Dokumente der Welt-Anti-Doping-Agentur sollen beweisen, dass verschiedene amerikanische Athleten verbotene Substanzen einnahmen – auch während der Olympischen Spiele. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Mamablog Wenn Kinder sich selbst im Weg stehen

Sweet Home Die neue Moderne

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...