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US-Armee entsorgte Leichenteile von Gefallenen auf Abfallhalde

Jahrelang landeten Körperteile von toten US-Soldaten auf einer Müllhalde. Die Angehörigen der insgesamt 274 Gefallenen wurden nie darüber informiert. Pentagon und Luftwaffe verteidigen sich.

Gefallener Held: Soldaten tragen auf der Basis Dover den Sarg eines getöteten Soldaten.
Gefallener Held: Soldaten tragen auf der Basis Dover den Sarg eines getöteten Soldaten.
Reuters
Zurück in der Heimat: Marinesoldaten tragen den Sarg eines gefallenen Kameraden auf der Dover-Basis aus dem Flugzeug.
Zurück in der Heimat: Marinesoldaten tragen den Sarg eines gefallenen Kameraden auf der Dover-Basis aus dem Flugzeug.
Reuters
Inbegriff des Heldenkults: Grab des unbekannten Soldaten in Arlington.
Inbegriff des Heldenkults: Grab des unbekannten Soldaten in Arlington.
Reuters
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Das Grabmal der Unbekannten auf dem Nationalfriedhof von Arlington liegt etwas erhöht auf einem Hügel über Washington DC. Die Anlage aus Marmor, rund um die Uhr von Infanteristen bewacht, ist nicht nur Touristenmagnet, sondern auch der Inbegriff der Heldenverehrung der US-Streitkräfte. Das Grabmal steht für das Narrativ, das US-Soldaten als selbstlose Kämpfer für die amerikanische Freiheit feiert.

Im krassen Gegensatz zum Heldenkult steht nun der jüngste Skandal der Armee, welchen die «Washington Post» aufdeckte. Laut Berichten der Zeitung hat die US-Airforce während Jahren eingeäscherte Leichenteile von gefallenen Soldaten auf einer Müllhalde entsorgt.

Angehörige wussten nichts

Konkret entledigten sich die Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten zwischen 2004 und 2008 beinahe tausend Körperfragmenten von rund 274 toten Armeeangehörigen. Die Teile wurden eingeäschert und danach auf der Abfallhalde von King George County, Virginia, deponiert – ohne das Wissen der Angehörigen. Darrell D. Jones, stellvertretender Personalchef der Luftwaffe, bestätigt die Praxis. Auf die Frage, weshalb Angehörige der Verstorbenen nichts davon wussten, verweist Jones darauf, dass man die Hinterbliebenen habe schonen wollen.

Dass das Vorgehen ein Fehler war, gesteht Jones jedoch auch ein. Gegenüber der «Los Angeles Times» sagt er: «Rückblickend muss ich sagen, dass wir das nicht so hätten machen dürfen.» Vonseiten des Verteidigungsministeriums ist man bezüglich des Falles bisher zurückhaltend bis gelassen. Ein Sprecher des Pentagons liess verlauten, Verteidigungsminister Leon E. Panetta liege es selbstverständlich sehr am Herzen, dass die gefallenen Helden und deren Familien gut behandelt würden.

Die Tatsache, dass die Familien über die Entsorgungspolitik der Luftwaffe nicht informiert wurden, wird beim Verteidigungsministerium mit der Rechtslage erklärt. Die Angehörigen hätten ein Formular unterschrieben, welches sie vom Recht ausnimmt, über den Verbleib von allfälligen weiteren Körperteilen ausser der Leiche informiert zu werden. Dieses Formular berechtigt die Streitkräfte laut der «Washington Post», mit den Überresten von Gefallenen auf «angebrachte Art und Weise» zu verfahren.

Untersuchung angesetzt

Dass damit wohl nicht die Entsorgung auf einer Müllhalde gemeint sein kann, finden nun mehrere Mitglieder des US-Kongresses. Ein Komitee soll bis ins Jahr 2002 zurück untersuchen, was mit Leichenteilen von gefallenen Soldaten geschehen ist. Der betreffende Untersuchungsausschuss war bereits letzten Monat damit beauftragt worden, einen Fall auf dem Dover Luftwaffenstützpunkt zu untersuchen. Über die Basis werden sämtliche gefallenen US-Soldaten repatriiert. Vor einigen Wochen kam ans Tageslicht, dass mehrere Körperteile von Verstorbenen verschwunden waren. Unter die Lupe wird neben der Basis von Dover auch der Nationalfriedhof von Arlington genommen.

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