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US-Bericht spricht von fünfmal weniger Opfern beim Erdbeben in Haiti

Nicht mehr als 300'000, sondern um die 60'000 Opfer habe das verheerende Erdbeben in Haiti gefordert. Die dortige Regierung reagiert verhalten auf den Bericht einer Consultingfirma.

Die Lage ist angespannt: Polizisten versuchen eine Barrikade zu löschen, die Demostranten in Port-au-Prince angezündet haben (3. Januar 2011).
Die Lage ist angespannt: Polizisten versuchen eine Barrikade zu löschen, die Demostranten in Port-au-Prince angezündet haben (3. Januar 2011).
Keystone
Elend in den Strassen von Port-au-Prince: Ein Helfer bringt eine Cholera-Kranke ins Spital (5. Januar 2011).
Elend in den Strassen von Port-au-Prince: Ein Helfer bringt eine Cholera-Kranke ins Spital (5. Januar 2011).
Keystone
Schlechte medizinische Versorgung: Kinder mit Cholera dämmern im Spital von Grande-Saline auf Tischen vor sich hin (23. Oktober 2010).
Schlechte medizinische Versorgung: Kinder mit Cholera dämmern im Spital von Grande-Saline auf Tischen vor sich hin (23. Oktober 2010).
Keystone
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Bei dem verheerenden Erdbeben in Haiti im vergangenen Jahr sind laut einem von der US-Regierung in Auftrag gegeben Bericht weitaus weniger Menschen ums Leben gekommen und obdachlos geworden als bislang angenommen. Die Zahl der Todesopfer liege schätzungsweise zwischen 46'000 und 85'000, heisst es in dem Report. Die haitianische Regierung hatte die Opferzahl mit 316'000 angegeben. Das Aussenministerium in Washington erklärte, wegen Unstimmigkeiten werde der Bericht vorerst aber nicht veröffentlicht.

Die Unterlagen, die in Kopie der Nachrichtenagentur AP zugingen, wurden von einer Consultingfirma für die US-Entwicklungshilfebehörde USAID erstellt. Öffentlich gemacht würden sie erst, wenn interne Widersprüche geklärt seien, erklärte eine Sprecherin des Aussenministeriums, Preeti Shah. Ob sich die Ergebnisse durch die Überprüfung deutlich verändern könnten, sagte sie nicht.

Der Bericht beruht auf statistischen Stichproben aus einem von dem Erdbeben besonders schwer getroffenen Teil der Hauptstadt Port-au-Prince. Befragt wurden dafür im Januar Menschen in knapp 5200 Haushalten.

375'000 Menschen noch in Provisorien

Demnach wurden nach der Katastrophe schätzungsweise 895'000 Menschen in provisorischen Lagern untergebracht, von denen laut Bericht inzwischen nur noch etwa 375'000 in Zelten und dürftigen Hütten leben. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hat dagegen erklärt, von ursprünglich 1,5 Millionen Obdachlosen müssten noch immer 680'000 in provisorischen Unterkünften in der Umgebung von Port-au-Prince hausen.

In dem US-Bericht heisst es ausserdem, durch das Erdbeben sei nicht einmal halb so viel Schutt entstanden wie zunächst angenommen. Das Ingenieurkorps der US-Streitkräfte hatte das Ausmass der Trümmer auf etwa 20 Millionen Kubikmeter geschätzt.

Büro von Exministerpräsident hält an eigenen Zahlen fest

Die dramatischen Opferzahlen und das Ausmass der Zerstörung hatten eine Milliardenunterstützung für Haiti zur Folge. Allein bei einer Geberkonferenz der Vereinten Nationen im März vergangenen Jahres wurden 5,5 Milliarden Dollar zugesagt. Allerdings waren zur von der haitianischen Regierung genannten Zahl der Todesopfer schon in den Tagen nach den Beben kritische Stimmen laut geworden.

Das Büro des damaligen haitianischen Präsidenten Jean-Max Bellerive, dem die AP einen Bericht des US-Reports zusandte, erklärte, man stehe weiter zu den im vergangenen Jahr veröffentlichten Zahlen. Eine Hochrechnung wie in den neuen Unterlagen sei «kaum schlüssig», sagte Bellerives Beraterin Alice Blanchet.

dapd/rub

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